Löcher in der Matrix – „Frauen und Gedöns“

Schon wieder konnte eine Gerechtigkeitslücke im Lande geschlossen werden. Denn was Feiertage betrifft, herrschte bis zum Jahr 2019 himmelschreiendes Unrecht. Während die Menschen in Augsburg bis zu 14 Tage auf der faulen Haut liegen können – im übrigen Bayern sind es je nach Region noch immer 12 bis 13 Tage –, kommen die Berliner auf ganze neun Feiertage. Dort bringt man nebenbei das Kunststück fertig, trotz Mehrarbeit noch immer sexy zu sein – und arm zu bleiben. Da mögen die Berliner noch so fleißig sein. Nun gut, das Land hat eine rot-rot-grüne Regierung, und die gilt nicht gerade als Hort besonderer Wirtschaftskompetenz oder Haushaltsdisziplin. Nun also „spendiert“ sie den Berlinern einen neuen Feiertag, also zumindest den abhängig Beschäftigten. Wobei, so richtig spendiert hat sie ihn nicht. Denn die Kosten dafür zahlen selbstverständlich andere. Allen voran die Berliner Unternehmen bzw. bei den städtischen Bediensteten die Steuerzahler – auch die in Bayern. So kann man leicht großzügig sein. Und nachdem die finanzielle Frage auf so elegante Weise geklärt wurde, war eigentlich nur noch offen, wer oder was da künftig gefeiert werden soll?

Den aus Arbeitnehmersicht cleversten bzw. unternehmerfeindlichsten Vorschlag brachten die Grünen ein: Jeder Arbeitnehmer solle seinen Feiertag frei wählen können, was de facto ein weiterer Urlaubstag geworden wäre. Der ist alleine schon deshalb höherwertiger, weil er nie auf ein Wochenende fallen würde. Abgelehnt. Da aufgrund des Berliner „Nachholbedarfs“ – womit ausnahmsweise keine ruhende Großbaustelle gemeint ist – aber auf jeden Fall ein neuer Feiertag her sollte, wurde tief in die Mottenkiste gegriffen. Herausgekommen ist der Internationale Frauentag am 8. März. Erwartungsgemäß diente auch diese Regierungsentscheidung als Steilvorlage für allerlei Scherzbolde, die nun auch Feiertage für Männer und allerlei Diverse forderten. Immerhin DIE ZEIT vermochte dem 8. März auch etwas Gutes abzugewinnen: „Eine Demonstration zum Internationalen Frauentag: Künftig muss sich in Berlin dafür niemand mehr freinehmen.“ Es ist nicht auszuschließen, dass auch diese Bildunterschrift scherzhaft gemeint war, denn der Frauentag war im Westen über die Jahrzehnte in der wohlverdienten Versenkung verschwunden. Die mehr als 100 Jahre alte Erfindung zweier Sozialistinnen wurde lediglich vom SED-Regime in der untergegangenen (?) DDR hoch gehalten. Umso gespenstischer ist es, dass nun ausgerechnet die SED-Nachfolgepartei, zusammen mit SPD und Grünen, den Tag wieder zurück nach Berlin brachte. Immerhin: Ein Zwangsumtausch wird für das Betreten Berlins bislang noch nicht erhoben.

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