Aktien-Update: Heidelberger Druckmaschinen AG

Eine Ikone der deutschen Wirtschaft hat zukünftig einen chinesischen Großaktionär: Die Masterwork Group aus Tianjin plant den Erwerb von 8,5% der Anteile von Heidelberger Druck. Im Rahmen einer Barkapitalerhöhung wollen die Chinesen neue Aktien zeichnen und damit zum größten Aktionär des Unternehmens werden. Beachtlich dabei ist der Preis: Vorbehaltlich der Zustimmung aller relevanten Gremien beider Seiten sollen die neuen Aktien für stattliche 2,68 EUR über den Tisch gehen. Am Tag vor der Bekanntgabe des Deals notierten diese lediglich bei 1,72 EUR.

Für einen Minderheitsanteil bezahlen die Chinesen also eine Prämie von 55%. Die zufließenden finanziellen Mittel sollen zur Umsetzung der digitalen Agenda (etwa für die Digitalisierung von Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen) und zur allgemeinen Unternehmensfinanzierung verwendet werden. Im Gegenzug gibt es laufende Gespräche über eine Kapitalbeteiligung von Heidelberger an Masterwork. Von der intensivierten Kooperation mit den Chinesen erhofft sich Heidelberger Druck neue Potenziale im Verpackungsdruck sowie im chinesischen Markt.

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SI-Kommentar: Hier kommen etwas zusammen, das zusammen gehört. Diesen Eindruck kann man bei dem geplanten Einstieg von Masterwork bei der deutschen Industrie-Ikone Heidelberger Druckmaschinen haben. Schließlich kooperieren die beiden Unternehmen schon seit Jahren im Bereich der Verpackungsindustrie.

Mit der nun geplanten Kapitalbeteiligung intensivieren die Chinesen diese Kooperation und schaffen sich einen auf Dauer angelegten Zugang zu deutschem Know-how. Für Heidelberger bringt der Einstieg dagegen frisches Kapital zu einer hochattraktiven Bewertung mit sich. Strategische Vorteile, die es nicht bereits in der Vergangenheit gegeben hatte, sind auf den ersten Blick wenige zu erkennen. Erst in den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob die neue China-Connection tatsächlich einen höheren Marktanteil im Reich der Mitte mit sich bringt.

Doch Heidelberger-CEO Rainer Hundsdörfer hat mit dem Einsteig von Masterwork eines bereits sicher gewonnen: Zeit. Während seine Aktie zuletzt das Ziel massiver Leerverkäufe war, haben einige von diesen offensichtlich die Meldung der vergangenen Woche zum Anlass genommen, ihre Position zu schließen.

Mit einem neuen Großaktionär an Bord sowie rund 70 Mio. EUR frischer Liquidität kann Heidelberger nun in Ruhe seine Strategie des Abo-Modells verfolgen. Dabei sollen die Kunden keine Druckmaschinen mehr kaufen, sondern ein garantiertes Druckvolumen bezahlen. Heidelberger erhofft sich davon stabile „Mieteinnahmen“ statt volatiler Konjunkturzyklen. Anleger können die Aktie zunächst einmal auf ihre Watchlist nehmen und die nächsten Schritte von der Seitenlinie verfolgen.

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