Editorial – Blackout

Vermutlich haben Sie es nicht mitbekommen, da nur wenig in den Medien darüber berichtet wurde: Europa ist am 10. Januar des neuen Jahres nur um ein Haar einem kompletten Stromausfall entgangen. Die Energieregulierungskommission CRE aus Frankreich, wo das schwerwiegende Problem auftauchte, sprach nur lapidar von „bedeutsamen Ausfällen“, falls es zu einem Blackout gekommen wäre. Tatsächlich wären dann vermutlich in einer Art Kettenreaktion weite Teil des Kontinents in Mitleidenschaft gezogen worden. Was das für eine hochtechnisierte Region bedeutet, insbesondere wenn das Netz nicht schnell wieder hochgefahren werden kann, muss ich an dieser Stelle nicht weiter erläutern.

Drei erwähnenswerte Punkte fallen mir dazu ein:

Erstens: Zuletzt hätte es 2017 beinahe einen totalen Stromausfall gegeben. Offensichtlich ist das Stromnetz in Europa nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Zweitens: Auch die Medien hierzulande hatten in dieser Sache wohl – wie schon erwähnt – einen Blackout. Vermutlich will man den Deutschen, also den „Erfindern“ von Energiewende und Dieselverbot, solche unangenehmen Ereignisse lieber nicht mitteilen. Wir hatten im letzten Heft (auf S. 62) zum Thema „Blackout“ übrigens eine Buchbesprechung.

Drittens: Den Begriff Blackout könnte man auch auf andere Bereiche, z.B. das Geldsystem oder die Wirtschaft übertragen. Hier fällt mir ganz spontan der Brexit ein, der, sollte er hart ausfallen – wonach es derzeit aussieht –, durchaus das Potenzial haben könnte, das europäische Wirtschaftsgefüge schwer zu belasten. Nicht zuletzt wegen der vom Brexit ausgehenden Gefahren fiel unser Kapitalmarktausblick 2019 (aus Heft 1/2019) recht verhalten aus.

Allerdings sehen wir nicht nur schwarz. So haben wir uns im vorliegenden Heft ausführlich die Schwellenländer und deren Börsen vorgenommen und dabei einige Perlen und Schnäppchen entdecken können. Unsere diesbezügliche Titelgeschichte zieht sich dabei durch das ganze Heft: ein Überblick ab S. 6, allgemeine Aktienbesprechungen ab S. 10, Analysen und volkswirtschaftliche Daten ab S. 36, speziell Empfehlungen für russische Aktien ab S. 50 und ein Interview mit dem Osteuropaspezialisten Andreas Männicke ab S. 58.

Weiterhin finden Sie in dieser Ausgabe einen Artikel zu Anleihen. Wir legen hier unsere Sicht auf die weitere Zinsentwicklung dar und zeigen, wie die Börsenlegende Warren Buffett mit dieser Anlageklasse umgeht (S. 14). Außerdem haben wir für Sie eine Währungskonferenz besucht und berichten Ihnen ab S. 30 über die neuesten Entwicklungen zum Thema Geld.

Wenn es um Geld geht, ist es bis zum Gold nicht weit. Ab S. 46 erläutern wir, warum dem gelben Metall aus unserer Sicht schon bald eine rosige Zukunft bevorstehen dürfte.

Apropos rosig: Der SPIEGEL-Reporter Claas Relotius hat sich die Welt in seinen „Reportagen“ so hingebastelt, wie er und seine Chefredakteure sie gerne gehabt hätten. Dass es sich hierbei um keinen Einzelfall, sondern um ein branchenimmanentes Problem handelt, wird ab S. 18 erörtert.

Nun bleibt mir noch, Ihnen viel Spaß beim Lesen zu wünschen.

Ralf Flierl