SIW 5/2019: Noch lange kein Fallobst

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Wenn alle das Schlimmste erwarten…

Selten wurden die Quartalszahlen von Apple mit solcher Spannung erwartet wie gestern Abend. Schließlich hatte der iPhone-Hersteller erst Anfang Januar die Märkte mit einer Gewinnwarnung geschockt. Nicht wenige Marktteilnehmer betrachteten Apple* als konjunkturellen Frühindikator – und der deutete zuletzt eindeutig nach unten. Neben einigen hausgemachten Problemen sah Apple-Chef Tim Cook eine konjunkturelle Abschwächung in den Emerging Markets (lesen Sie hierzu auch unsere Titelstory zu den Schwellenländern im neuen Smart Investor 2/2019, den Sie hier kaufen können). In Kombination mit einem starken US-Dollar für den Konzern aus kalifornischen Cupertino ein ernsthaftes Problem. Die Börse reagierte mit Panik und schickte nicht nur Apple, sondern alle Luxusgüterhersteller auf Talfahrt. Bereits im Smart Investor Weekly 2/2019 haben wir daher auf die Launen von Mr. Market verwiesen, der bei Apple zuletzt in einer depressiven Phase war. In den letzten Wochen häuften sich daher die Abgesänge auf das Unternehmen. Der Markt für Smartphones sei gesättigt, die Preise von Apple überzogen und die Innovationskraft zuletzt auf dem absteigenden Ast. Erst vor gut einer Woche phantasierte das US-Magazin Forbes über das „Ende von Apple“. Zumindest eines war bei dieser Ausgangslage klar: Bereits die kleinste positive Überraschung würde der Aktie am Tag der Quartalszahlen gut tun. Und genau so kam es. Die Aktie reagierte mit einem Plus von knapp 6% auf die besser als erwarteten Zahlen…

 

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 Das…? Das läuft, außer China

Zwar musste Apple einen satten Umsatzeinbruch in China verkraften (-27% im Vergleich zum Vorjahresquartal), konnte aber beim Umsatz und beim Ergebnis überraschen. Auch die Kommentare von Cook dürften die Börsianer beruhigt haben. So konnte er bislang einen starken Januar beobachten und glaubt, dass die Handelsstreitigkeiten bald gelöst würden. Die Guidance für das kommende Quartal fiel demzufolge besser aus, als es die Wall Street erwartet hatte. Bedenkt man, dass Apple bestimmt nicht zum ersten Mal nach vielen Jahren zwei Quartale in Folge enttäuschen möchte, darf diese als relativ wasserdicht angesehen werden. Daneben gibt die erstmals veröffentlichte Service-Marge Sicherheit: Apple verdient mit Apps, Musik & Co. eine Bruttomarge von 63% – weit besser als die ohnehin schon beeindruckenden 38%, die Apple über alle Produktkategorien erzielte. Mit 1,4 Mrd. Geräten im Umlauf gibt es zudem eine beeindruckende Basis, um diese Säule auszubauen. Solange diese Zahl auch nur konstant bleibt, dürfte die Bremsspur in den Zahlen von Apple nicht allzu dramatisch werden. Setzt sich das dynamische Wachstum im Service-Segment dagegen fort, ist das Unternehmen in einigen Jahren an der Börse kaum mehr wert als diese Sparte allein.

„Goldener Boden“

Ein im Ergebnis sehr konstruktives Verhalten ließ sich in den letzten Tagen an den Edelmetallmärkten beobachten. Nach den Preisrückgängen des Jahres 2018 scheint hier mit dem Jahreswechsel eine Neuorientierung einzusetzen. Nicht nur, dass sich Gold deutlich von den Tiefs des vergangenen Jahres lösen konnte, zuletzt sprang es sogar wieder über die Marke von 1.300 USD/Feinunze. Das ist zwar eine runde Preismarke, die eigentlichen Widerstände für den Preis liegen jedoch erst im Bereich von ca. 1.360 bis 1.380 USD/Feinunze (vgl. Abb. 1, größerer Chart, rote waagrechte Linien). Übersprungen werden konnte zudem der, oder besser gesagt einer der Abwärtstrends, der sich vom Preisgipfel im Jahr 2011 einzeichnen lässt (vgl. Abb. 1, rote Abwärtstrendlinie). Allerdings liegt diese Linie gerade einmal auf zwei Punkten auf, was bekanntlich die Mindestanforderung ist, um überhaupt eine Linie zeichnen zu können. Vergleichbare Linien konnten, vom 2011er Hoch kommend, durch praktisch alle Zwischengipfel seit dem Jahr 2016 gezogen werden (vgl. Abb.1, gestrichelte rote Linien) – und zwar ohne, dass diese einen besonderen Aussage- oder gar Prognosewert gehabt hätten. Bedeutsam werden solche Linien eigentlich erst, wenn sie sich nach der Konstruktion (zwei Auflagepunkte) bereits an einem dritten Punkt bewährt und damit tatsächlich eine gewisse Beachtung unter den Marktteilnehmern gefunden haben. Positiv an der Abwärtslinienschar ist aktuell eigentlich nur, dass diese sich nach oben auffächert.

Ebenfalls für ein Ende des Abwärtstrends spricht die Herausbildung einer mehrjährigen Bodenformation (vgl. Abb., blauer Bogen). Diese sollte nach knapp sechs Jahren eigentlich tragfähig genug sein. Ob sie sich aber als der sprichwörtliche „goldene Boden“ erweisen wird, muss sich erst noch herausstellen. Im oberen rechten Rand der Abb. 1 ist der im Hauptchart gelb markierte Bereich noch einmal vergrößert dargestellt: Hier springt einmal mehr der Fintenreichtum des Goldmarkts ins Auge, an dem sich auch alte Hasen schon oft genug die Finger verbrannt haben. Der Preisanstieg mündete in einen engen Wimpel (vgl. Abb. 1, blaue Linien). Nach einer solchen Konsolidierungsformation wird standardmäßig eine Wiederaufnahme des Trends erwartet. Tatsächlich aber brach der Markt zunächst nach unten aus (rote Markierung), um erst in der Folge die obere Begrenzung des Wimpels nach oben zu durchstoßen (grüne Markierung). Gerade bei Goldinvestments sollte man sich also nicht zu sehr im Mikro-Timing verlieren und stattdessen vor allem das große Bild im Auge behalten. Das entsprach übrigens auch unserer Vorgehensweise, als wir früh, letztlich zu früh, in unseren Musterdepots auf Edelmetallinvestments gesetzt hatten. Zwar war dieser weitestgehend ausgebombte Bereich da bereits unter Value-Gesichtspunkten zunehmend interessant geworden, frisches Aufwärtsmomentum war damals jedoch noch nicht vorhanden.

Silber verweigert die Führung

Auch jetzt dürfte sich übrigens die alte Erfahrung bewahrheiten, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen werden. Der bereits erwähnte, vor uns liegende Widerstandsbereich von 1.360/1.380 USD wird kaum auf Anhieb zu überwinden sein; dies besonders dann nicht, wenn der Bereich noch in der laufenden Bewegung, also aus einem relativ stark übergekauften Zustand heraus angesteuert wird. Längere Verschnaufpausen und einige erratische Kursausschläge muss man dem Goldmarkt praktisch immer zubilligen. Auch beim Silber (vgl. Abb. 2) fehlt es im Moment übrigens noch an echtem Momentum oder gar Euphorie. In Abb. 2 ist zusätzlich der Spreadchart des Silberpreises zum Goldpreis überlagert (blau). Im Wesentlichen ist dessen Verlauf durch die Preisbewegungen des viel reagibleren Silbers bestimmt. Aus der über weite Strecken parallelen Entwicklung zwischen dem Preischart (schwarz) und dem Spreadchart ergibt sich daher visuell die Aussage, dass Silber in Aufwärtsbewegungen in aller Regel stärker steigt als Gold, in Abwärtsbewegungen aber auch stärker fällt. Umso auffälliger sind Phasen, in denen sich zwischen den Charts größere Lücken auftun. Drei dieser Bereiche der jüngeren Vergangenheit sind in Abb. 2 markiert. Entwickelte sich der Spreadchart oberhalb des Preischarts (grüne Markierung), zeigte Silber also bereits relative Stärke zum Gold, konnten in der Folge auch deutlich anziehende Silbernotierungen beobachtet werden. Genau das Gegenteil war der Fall, wenn der Spreadchart – so wie aktuell – unterhalb des Preischarts verlief (rote Markierung). In einer echte Edelmetallhausse wollen wir sehen, dass Silber die Führung übernimmt.

Smart Investor 2/2019

Seit dem vergangenen Wochenende ist der brandneue Smart Investor 2/2019 bei unseren Lesern. Und wer das Heft einmal zu Hause vergessen haben sollte, kann es via App auch jederzeit auf Smartphone, Tablet oder Kindle lesen. In diesem Heft haben wir auf das „Goldene Kreuz“ beim Gold hingewiesen, das für Charttechniker ein Hinweis auf weiter steigende Kurse ist. In unserer Titelgeschichte widmen wir uns übrigens den Schwellenländern und zeigen Ihnen, „wo’s richtig billig ist“. Das und vieles mehr in Smart Investor 2/2019.

 

 

Musterdepot Aktien & Fonds

Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage lesen Sie heute über unseren Neueinsteiger aus dem Edelmetall-Segment und über Warren Buffetts größte Aktienposition. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Fazit

Apple hat in der Vergangenheit bereits mehrmals seine Wandlungsfähigkeit bewiesen. Stets konnte sich der Konzern neu erfinden, wenn ihn alle Beobachter abgeschrieben hatten. Auch die Wandlung vom Hardwarehersteller zur Software- und Serviceunternehmen könnte den Nachfolgern von Steve Jobs gelingen. Mit 240 Mrd. USD Cash-Reserven haben sie zudem das nötige Kleingeld dafür.

 

Ralph Malisch, Christoph Karl

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