Der Staat: ein Luftikus

Armin Zinser

Erinnern Sie sich an den früheren deutschen Finanzminister Hans Eichel? Dieser hat vor einigen Jahren die Lizenzen für die damalige Handy-Spitzentechnologie, UMTS (G4), versteigert. Diese Versteigerung spülte 100 Mrd. DM in den Staatssäckel. Seine damalige Interpretation von UMTS lautete: unerwartete Mehreinnahme zur Tilgung der Staatsschulden!

Albanisches Niveau

Leider sind die Digitalisierung und die Netzabdeckung in Deutschland – teilweise sogar noch in den Großstädten – immer noch auf dem Niveau von … Albanien. Und die Staatsschulden haben sich auch nicht verringert. Woran liegt es? Es wird zwar immer wieder darüber im Bundestag bzw. insbesondere auch auf Wahlveranstaltungen davon geschwafelt, dass jetzt mit der Digitalisierung alles besser werden soll, auch dass Herr Altmeier seine europäischen Kollegen direkt vom Dienstwagen aus anrufen kann und sich nicht andauernd wegen Gesprächsabbrüchen entschuldigen muss! Wirklich bewegen tut sich bislang aber nichts.
Wie auch! Schon bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen hat sich der Staat selber geschadet, er ist immerhin größter Einzelaktionär der Telekom. Das Geld aus der Versteigerung ist natürlich weg, aber das Netz bleibt löchrig und nicht angemessen für einen hochindustrialisierten Staat. Dennoch, anscheinend ist man sich heute einig: Es muss viel Geld ausgegeben werden und, logisch, ohne den Staat geht gar nichts … Da wird sich der kleine Mann dann noch wundern, wenn er seine (Handy-)Rechnung bekommt: Die dürfte nicht von schlechten Eltern sein. Ein kleines Problem ist nur: Der Staat selber gibt so gut wie gar kein Geld aus, da er ja die Lizenzierung für das 5G-Netz im Endeffekt, nach den UMTS-Lizenzen, als Nachfolgemodell quasi nochmals versteigert. Die Firmen, die an dieser neuerlichen Versteigerung teilnehmen werden, zahlen diese Lizenzgebühren natürlich nicht aus eigener Tasche (sie strecken nur vor), sondern durch entsprechende Tarife bei ihren künftigen 5G-Kunden.

Luftnummer

Der Staat versteigert also im Prinzip eine Luftnummer und wundert sich dann, wenn die Digitalisierung weiterhin nur schleppend vorangeht. Er trägt selbst keinerlei unternehmerisches Risiko und er stellt auch keine irgendwie geartete Infrastruktur zur Verfügung, wenn man mal von der reinen „Luft“ absieht. Daher das Wort „Luftnummer“. Es mag ja sein, dass der Staat hier und da doch ein paar Milliärdchen an Subventionen locker macht, gegebenenfalls für einen Einsiedlerhof auf der schwäbischen Alb, damit man auch dort einen 4K-Film downloaden kann.
Logischer wäre es aber, wenn man das Geld für die Lizenzen gleich bei den Unternehmen ließe, damit es dort zielgerichtet und schneller investiert werden kann. Man sollte doch froh sein, dass es Privatinvestoren (u.a. auch die teilstaatliche Telekom) gibt, die künftig so etwas wie ein 5G-Netz anbieten. Die vom Staat vorab vereinnahmte Lizenzgebühr wird nämlich im Zweifel größtenteils zweckentfremdet bzw. locker anderweitig im Staatshaushalt verbraten werden. Es wird sich doch wohl ein Loch finden, in dem diese Gelder hineingestopft werden können. Und glauben Sie nur nicht, dass damit Staatsschulden tatsächlich zurückgezahlt werden … denn dies wäre ja in der Tat was völlig Neues.

 

Armin Zinser ist für die Aktienanlagen der französischen Versicherung Groupe Prévoir zuständig. Daneben managt er die Publikumsfonds Prévoir Gestion Actions (WKN: A1T7ND) und Prévoir Perspectives (WKN: A1XCQU). Als waschechter Anhänger der Österreichischen Schule der Ökonomik bezeichnet Zinser seinen Anlagestil als pragmatisch und am gesunden Menschenverstand orientiert. Einer dezidierten Strategie möchte er sich daher nicht zuordnen lassen. Der gebürtige Schwabe lebt seit vielen Jahren in Paris. Bevor er zu Prévoir Gestion wechselte, war Zinser für die OECD im Asset Management tätig. Seine Fonds wurden mehrfach mit dem „Lipper Fund Award“ ausgezeichnet, der Prévoir Gestion Actions in den letzten Jahren sogar für den Zeitraum von zehn Jahren.
Auf der Finanzennacht am 2. Februar 2018 erzielte Zinser in der Kategorie „Fondsmanager des Jahres“ den zweiten Platz.