SIW 7/2019: Deals macht nur der Chef

Deals macht nur der Chef

Über das Pokerspiel auf höchster Ebene, das sich gerade zwischen der Trump-Administration und China abspielt, haben wir bereits vor drei Wochen berichtet (lesen Sie hier noch einmal nach). Seitdem ging es bei der Suche nach einem Kompromiss im Handelsstreit mal einen Schritt nach vorn, mal einen Schritt zurück. Kündigte Trump an, dass man noch weit von einem „Deal“ entfernt sei, schalteten die Börsen in den Rückwärtsgang. Zeichneten sich dagegen versöhnliche Töne an – wie zuletzt gestern – konnte dies erneut die Börsen befeuern. Dabei ist von einem Durchbruch noch nicht im Ansatz die Rede. Vielmehr erklärte Trump, dass er sich vorstellen könne, die Frist für eine Einigung über den 2. März hinaus zu verlängern. Am liebsten würde er jedoch noch davor eine Einigung erzielen und so Zölle von 10% auf Waren im Gegenwert von 200 Mrd. USD vermeiden. Um dies zu schaffen befinden sich diese Woche erneut US-Finanzminister Steven Mnuchin und Trumps Handelsbeauftragter, Robert Lighthizer, in Peking.

Dort wollen sie mit dem chinesischen Vize-Premier Liu He an einer Lösung feilen und ein Gipfeltreffen der beiden Präsidenten vorzubereiten. Um was es Trump genau geht, beschrieb er letzte Woche in seiner „State of the Union“-Rede. Zwar respektiere er den chinesischen Präsidenten Xi, ein Deal müsse jedoch strukturelle Änderungen beinhalten um unfaire Handelspraktiken zu beenden, das chronische Handelsbilanzdefizit zu reduzieren und amerikanische Jobs beschützen. Gerüchten zufolge ist ihm die chinesische Regierung mit ihren Vorschlägen in all diesen Punkten bereits weit entgegengekommen. Erneut dürfte ein Blick auf die Persönlichkeit und die Karriere von Donald Trump nicht schaden: Bis kurz vor Vertragsschluss dürfte der ehemalige Baulöwe pokern, was das Zeug hält und den Druck auf seinen Verhandlungspartner hoch halten. Erst im letzten Moment wird er dann plötzlich einen Deal aus dem Hut zaubern. Den freilich niemand anderes so gut hinbekommen hätte wie einer: „The Donald“.

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Man bekommt, was man bezahlt

Das Marktgeschehen erscheint oft irrational. Während sich das tägliche Auf und Ab noch ganz gut mit dem Nachrichtenfluss, kurzfristigen Stimmungsschwankungen und Positionsveränderungen erklären lässt, entstehen im Zeitablauf Spreizungen, die erstaunlich beharrlich sind. Betrachten wir etwa die Bewertungen der Weltaktienmärkte, dann ergeben sich verblüffende Diskrepanzen: So berechnet BB StarCapital regelmäßig das sogenannte Shiller-CAPE, ein zyklisch adjustiertes Kurs-Gewinn-Verhältnis. Zum Jahresultimo 2018 lagen US-Aktien mit einem CAPE-Wert von 26,8 auf Platz 3 der am höchsten bewerteten Aktienmärkte der Welt – trotz der da bereits erfolgten Kursrückgänge zum Jahresende. Davor waren lediglich Irland mit einem Wert von 42,4 und Dänemark mit 30,0 zu finden. Das Schlusslicht bildete der russische Aktienmarkt mit einem CAPE-Wert von 6,4 – weniger als ein Viertel der US-Bewertung. Statistisch lässt sich nachweisen, dass die Renditechancen in unterbewerteten Märkten tendenziell höher sind als in überbewerteten. Das war auch einer der Gründe, warum wir uns im aktuellen Smart Investor 2/2019 intensiv mit Schwellenländermärkten im Allgemeinen („Wo’s richtig billig ist!“) und in einem großen Interview mit dem russischen Aktienmarkt im Besonderen beschäftigt haben.

Allerdings sind zwei Dinge zu beachten: Erstens lösen solche Fehlbewertungen nicht automatisch gegenläufige Tendenzen aus, sondern sind eher als Hinweis auf das mögliche Potenzial eines Marktes zu verstehen. Damit dieses Potenzial wirksam wird, bedarf es in der Regel eines (äußeren) Anlasses, um eine Neuorientierung der Anleger auszulösen. Mitunter genügt ein bloßer Jahreswechsel, um das Angebots-/Nachfrageverhalten so deutlich zu verschieben, dass Trends enden bzw. neue beginnen. Zweitens ist das Beharrungsvermögen solcher Bewertungsdifferenzen nicht alleine mit dem Phänomen der Trendfortsetzung oder einer gewissen Betriebsblindheit der Beteiligten zu erklären. Es kann auch sehr reale Ursachen haben: Betrachten wir beispielsweise den CAPE-Wert des deutschen Aktienmarktes, den BB StarCapital mit 16,4 angibt, also mehr als 10 Punkte tiefer als in den USA. Die Marktteilnehmer billigen demnach US-Aktien im Schnitt eine um mehr als 60% höhere Bewertung zu als deutschen Aktien. Dies ist auch keineswegs ein Ausrutscher, sondern ein Zustand, der sich über Jahre so heraus gebildet hat. Da kann man hierzulande noch so zetern, wie schlimm doch alles unter US-Präsident Trump geworden sei und wie dankbar wir sein müssen, dass bei uns derart weise regiert wird. Die Märkte sehen es seit Jahren anders und das Geld wandert bevorzugt in jene Regionen, wo es nicht gegängelt, sondern mit vergleichsweise offenen Armen empfangen wird. Wohlstand gedeiht eben nicht im politischen Feuilleton, sondern in der Wirtschaft.

Muster ohne Wert

Nach zwei Jahren endete in Finnland das Experiment „Bedingungsloses Grundeinkommen“. Es wurde nicht, wie von BGE-Gegnern voreilig bejubelt abgebrochen, sondern nach Ablauf von zwei Jahren planmäßig beendet. Allerdings liegt der Aussagewert der ganzen Veranstaltung bei ziemlich genau Null. Schon die Auswahl der 2.000 teilnehmenden Personen nach dem Zufallsprinzip klingt zwar irgendwie nach einer repräsentativen Stichprobe, war aber genau das nicht. Denn gewählt wurde nur unter Arbeitslosen, also unter einer klaren Bedingung. Zudem war es auf die erwähnten zwei Jahre befristet. Fraglich wer sein Verhalten dauerhaft (!) ändern wird, nur weil er 24 Monate lang jeweils 560 EUR überwiesen bekommt? Man kann sogar noch weiter gehen: Die Randbedingungen des Experiments wurden so gestaltet, dass daraus möglichst positive Effekte entstehen: Es wurde jene Personengruppe ausgewählt, bei der sich finanziell der größte Effekt durch die Zahlung ergibt und durch die Befristung wurde dann auch noch ein zusätzlicher Anreiz geschaffen, diese Zeit auch zu nutzen.

Dennoch ist bislang nur etwa ein Prozent (!) der Empfänger mit Erfolgsgeschichten an die Öffentlichkeit gegangen. Das ist ein ziemlich dürres Ergebnis für eine Studie, die derart auf Erfolg getrimmt war. Eigentlich haben die Rahmenbedingungen nur sehr wenig mit einem flächendeckenden BGE zu tun, so dass man auch die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen aus diesem Versuchsaufbau nicht ernsthaft abschätzen kann. Als Marketingmittel mag es den Befürwortern dienen, als Experiment ist es ein Muster ohne Wert. Unabhängig vom finnischen BGE-Versuch täuscht schon der Begriff des „Grundeinkommens“ über einen wesentlichen Aspekt hinweg: Wo bedingungslos verteilt wird, müssen auch bedingungslos Mittel herangeschafft werden, entweder über Steuern oder über Schulden, also künftige Steuern. Spätestens dann wird klar, dass es hier in keiner Weise um ein magisches staatliches Füllhorn, sondern um harte Umverteilung geht. Wer noch mehr zu diesem Thema lesen will, dem sei unser Beitrag zum Bedingungslosen Grundeinkommen in Smart Investor 1/2019 ab S. 20 empfohlen.

Musterdepot Aktien & Fonds

Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage lesen Sie heute ein kleines Update zum Musterdepot von letzter Woche. Denn die dort besprochene Fiat Chrysler hat einen deutlich schlechteren Ausblick gegeben als erwartet. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Die Zukunft des Goldes

Wie in unseren letzten Publikationen herausgearbeitet rechnen wir für die kommenden Jahre mit einem neuen großen Aufwärtstrend bei den Edelmetallen. Am 24. März 2019 (Sonntag) veranstaltet passend dazu unser langjähriger belgischer Kooperationspartner Brecht Arnaert eine exklusive Konferenz mit dem Titel „The Future of Gold“ in Breda (Niederlande). Der frühere Vize-Präsident von Morgan Stanley, Diederik Schmull, wird dort ebenso sprechen wie der unseren Lesern seit Jahren bekannte Gold-Fachmann Dimitri Speck („Geheime Goldpolitik“).

Mehr Informationen zu diesem Event finden Sie unter nachfolgendem Link:

http://arnaerteconomics.com/thefutureofgold/

Es ist uns gelungen für unsere Abonnenten die stattlichen Konferenzgebühren von 499 EUR auf 245 EUR zu drücken – das ist eine Ersparnis von über 50% oder 254 EUR.

Interessierte Abonnenten könnten somit Ihren Abopreis von 64 EUR von rund vier Jahren „wieder hereinholen“.  Noch-nicht-Abonnenten könnten durch den zügigen Abschluss eines Abos (können Sie hier abschließen) noch in den Genuss dieses Rabatts kommen. Geben Sie hierzu auf der Anmeldeseite zum Kongress „SMARTINVESTOR“ an. Der Veranstalter gleicht dies dann mit uns ab.

Smart Investor 2/2019

Seit Ende Januar ist der neue Smart Investor 2/2019 bei unseren Lesern. Und wer das Heft einmal zu Hause vergessen haben sollte, kann es via App auch jederzeit auf Smartphone, Tablet oder Kindle lesen. In diesem Heft haben wir auf das „Goldene Kreuz“ beim Gold hingewiesen, das für Charttechniker ein Hinweis auf weiter steigende Kurse ist. In unserer Titelgeschichte widmen wir uns übrigens den Schwellenländern und zeigen Ihnen, „wo’s richtig billig ist“. Das und vieles mehr in Smart Investor 2/2019.

 

 

 

 

Fazit

Handelsdeal zwischen den USA und China ist wahrscheinlicher geworden. Die finale Einigung aber ist Chefsache und wird vermutlich erst in letzter Minute erfolgen.

 

Christoph Karl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.