Aktien-Update: The Kraft Heinz Company

Große Konsumgüterunternehmen wie Kraft Heinz (akt. Kurs 30,49 EUR, WKN A14TU4) galten über Jahrzehnte als sichere Bank. Die jüngsten Zahlen des Ketchup- und Nahrungsmittelhersteller und der folgende dramatische Einbruch der Aktie (-30% am Freitag) zeigen jedoch deutlich auf, dass diese Zeiten vorbei sind. Denn Kraft Heinz wartete mit einem ganzen Schwall an schlechten Nachrichten auf.

Abschreibungen von 15,4 Mrd. auf zwei der wertvollsten Marken des Unternehmens, Kraft und Oscar Mayer, die Kürzung der Dividende und eine Vorladung der SEC wegen der Bilanzierungspraxis des Unternehmens schmecken den Börsianern ganz und gar nicht. Unterm Strich fiel im vierten Quartal 2018 ein Verlust von 10,34 USD je Aktie an. Ohne die Sonderabschreibungen landete das Unternehmen bei einem Gewinn von lediglich 0,84 USD je Aktie, ein Rückgang von knapp 7% zum Vorjahresquartal.

Seit 2015, dem Jahr der Übernahme von Kraft durch Heinz, stagnieren nun die Umsätze. Was läuft also falsch bei Kraft Heinz?

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SI-Kommentar: Kann es sein, das Warren Buffett mit einem seiner Kerninvestments schief liegt? Das fragen sich nicht wenige Börsianer nach dem dramatischen Kurssturz der Kraft Heinz-Aktie. Die Antwort gibt das Orakel von Omaha in seinem heutigen CNBC-Interview selbst: Kraft Heinz sei für ihn nach wie vor ein gutes Investment, allerdings sei das Geschäft mit Marken-Nahrungsmitteln nicht mehr so einfach wie es einmal war. In den letzten Jahren haben die Einzelhändler die Marktstellung ihrer Eigenmarken deutlich ausgebaut.

Laut Buffett können heute lediglich die wirklich starken Marken auf Augenhöhe mit den Einzelhändlern sprechen, für die Namen mit weit geringerer Zugkraft sieht es dagegen etwas anders aus. Was noch nicht bedeutet, dass die Geschäfte bei Kraft Heinz generell schlecht laufen. Immerhin erwirtschaftet das Unternehmen heute ein Vorsteuerergebnis von 6 Mrd. USD auf ein Nettoanlagevermögen von 7 Mrd. USD. Allerdings gibt auch Buffet zu, dass Berkshire und sein Partner 3G Capital höchstwahrscheinlich zu viel für Kraft bezahlt hatten. Sowohl er selbst als auch 3G-Chef Lehman haben die Stärke der Einzelhändler unterschätzt. Zudem tendieren die Konsumenten heute tendenziell eher zu lokalen und gesunden Nahrungsmitteln. Mit der Akquisition von Kraft durch Heinz hatten die beiden Investoren jedoch ein Konglomerat mit einer Vielzahl an traditionellen Nahrungsmittel-Marken kreiert.

Die Managementmethoden von 3G könnten eine weitere Erklärung sein. So gehörte es zum „Playbook“ von deren Gründer Jorge Paolo Lehman Konsumgüter-Marken mit Preissetzungsmacht zu kaufen und die dort in den Jahren des Erfolgs entstandenen Kosten radikal zu kürzen. Parallel zu diesem operativen Hebel setzte 3G auf einen enormen finanziellen Hebel durch einen hohen Fremdkapitaleinsatz und konnte dadurch die Eigenkapitalrenditen signifikant steigern. Mit wegbrechender Preismacht und Unternehmen, die Kostenseitig keinerlei Fettpolter mehr besitzen, dreht sich dies nun jedoch um. Ob der 3G-Ansatz auch in der heutigen Zeit akzeptable Ergebnisse produzieren kann, wird erst noch zu beweisen sein.

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