Editorial: Sozialismus wirkt

Lassen Sie uns mal den DAX und den S&P 500 während der letzten drei Jahre vergleichen: Während Ersterer gerade einmal 5% in diesem Zeitraum zulegen konnte, sind es beim US-Pendant fast 35%. Klar, beide Barometer lassen sich nicht so ohne Weiteres über einen Kamm scheren. So hat der Dollar zum Euro um etwa 4% nachgegeben (was den DAX etwas besser aussehen lässt) und der S&P 500 wurde durch Aktienrückkäufe etwas gepusht. Andererseits sind im DAX auch die ausgezahlten Dividenden enthalten, was ihm per se einen Vorsprung gibt. Bei allem Für und Wider muss man am Ende aber ganz klar feststellen, dass die deutschen Blue Chips deutlich schlechter performten.

Wenn man sich die Industrie- und Wirtschaftspolitik hierzulande während der letzten 20 Jahre betrachtet – also in etwa seit Einführung des Euro –, dann stellt man eine immer weiter zunehmende Gängelung der Unternehmen fest. Die großen „Meilensteine“ dabei sind die auf den Banken lastenden Regulierungen, durch welche sie mehr und mehr der EZB ausgeliefert und ihres unternehmerischen Handlungsspielraums beraubt wurden. Man denke weiterhin an die katastrophal umgesetzte Energiewende ab 2011, im Zuge derer die deutschen Versorger an den Rand des Ruins gebracht wurden. Und ganz aktuell können wir die Demontage der deutschen Automobilindustrie live beobachten. Keine Regierung eines anderen Landes würde seine wichtigste Branche dermaßen an den Abgrund pressen, wie das unter Kanzlerin Angela Merkel derzeit passiert. Ganz zu schweigen von den ungeheuerlichen bürokratischen Strangulierungen, die den Unternehmen zudem noch durch Brüssel auferlegt werden (z.B. durch MiFID oder die DSGVO).

All das lässt sich nur so erklären, dass die politischen Entscheidungsträger in der EU und in Deutschland eine sozialistische Prägung haben und diese an den Unternehmen auslassen. In der vorliegenden Märzausgabe wird das Phänomen „Postsozialismus“ mit dem dahinterliegenden Theoriegebilde ausführlich erklärt (S. 22). So wird der Umbau unserer Gesellschaft und damit auch der Wirtschaft während der letzten Jahrzehnte offensichtlich. Und dann wird auch klar, woher der Performance-Unterschied zwischen der deutschen und der US-Börse herrührt. Veranschaulicht finden Sie dies in der Grafik auf S. 38.

Die beginnende Dividendensaison begleiten wir diesmal mit insgesamt vier Artikeln. Angefangen von einer allgemeinen Überlegung zu dieser Thematik (S. 6) über die Vorstellung von sogenannten Dividendenaristokraten (S. 8) und interessante Dividendenzahler aus dem Nebenwertebereich (S. 12) bis hin zu attraktiven Fonds mit entsprechendem Fokus (S. 32).

Daneben finden Sie in diesem Heft eine Erläuterung der wirtschaftlichen und geopolitischen Strategie Chinas (S. 18), eine Präsentation des baltischen Staates Lettland (S. 28), Analysen interessanter Titel aus dem Bereich der Brennstoffzelle (S. 50) sowie möglicherweise lukrativer Turnaroundwerte (S. 54), darüber hinaus einen Ausblick auf die Edelmetallmärkte 2019 (S. 48) und je ein Interview mit dem Chef einer der größten Beteiligungsgesellschaften für mittelständische Unternehmen (S. 52) sowie mit einem technischen Analysten zur Lage an den Märkten (S. 60).

Eine erhellende und gewinnbringende Lektüre wünscht Ihnen

Ralf Flierl