Turnaround – Wendemanöver

Manchmal lassen sich operative Hindernisse schnell lösen, manchmal ist das Problem aber auch größer und dessen Beseitigung zeitintensiver

 

Smarte Mobilität

In einer der aktuell wohl spannendsten Branchen ist die österreichische Kapsch TrafficCom tätig. Die börsennotierte Tochter des Telekom- und Telematikkonzerns Kapsch zählt zu den europaweit führenden Anbietern von intelligenten Verkehrslösungen. Bekannt ist das Unternehmen vor allem für seine weltweiten Mautprojekte. In die Sparte fallen sowohl die Installation der jeweiligen Mautsysteme als auch ein meist auf mindestens zehn Jahre ausgelegter Betrieb inklusive Wartung und Service. Zuletzt erhielt man im Konsortium mit dem Ticketanbieter CTS EVENTIM den Zuschlag für die Erhebung der deutschen PKW-Maut. Das Auftragsvolumen inklusive Umsatzsteuer bezifferte Kapsch TrafficCom dabei auf 2 Mrd. EUR für die gesamte Mindestvertragslaufzeit von zwölf Jahren. Inzwischen sind die Maut- und Verkehrslösungen des Unternehmens in mehr als 50 Ländern in Betrieb. So dient die eigene Verkehrsmanagement-Software der Steuerung und Überwachung des städtischen und außerstädtischen Verkehrs. Auch bei intelligenten Parklösungen, Zugangsregelungen zum Beispiel für Umweltzonen und Systemen zur elektronischen Fahrzeugregistrierung mischt Kapsch kräftig mit. Wenn also die mittel- bis langfristigen Trends durchaus vorteilhaft sind, so sind Rückschläge vor allem in einer Quartalsbetrachtung keinesfalls auszuschließen. Der Auftakt zum aktuellen Geschäftsjahr entsprach zumindest nicht den Erwartungen des Vorstands. Das lag an Verzögerungen bei einzelnen Bestandsprojekten. Immerhin war schon im zweiten Quartal (Juli bis September) eine sequenzielle Verbesserung bei Umsatz und Ergebnis erkennbar. Im Gesamtjahr plant Kapsch bislang mit Umsatz und EBIT auf Vorjahresniveau. Das Orderbuch dürfte jedenfalls durch potenzielle Großprojekte in den nächsten Monaten weiter anwachsen. Da die Technologie sowohl für die Entwicklung von Smart Citys als auch für die Verkehrssteuerung ein wichtiger Baustein ist, sollte das Unternehmen im nächsten Geschäftsjahr auf den Wachstumspfad zurückkehren.

 

Unter Beobachtung

Die Rückkehr zu alten Wachstumsraten und Gewinnmargen von über 20% wäre vermutlich auch den Anteilseignern des pfälzischen Videosystemanbieters MOBOTIX ganz recht. So schnell wird dieses Szenario allerdings nicht eintreten. Hier ist in den nächsten Jahren bei Umsatz und Ergebnis eher eine kontinuierliche Verbesserung zu erwarten. Die nach einem drastischen Gewinneinbruch erforderliche Restrukturierung schloss man bereits im letzten Geschäftsjahr ab. Im Zuge dessen wurden Personal- und Versandkosten gesenkt, eine neue globale Vertriebsstrategie eingeführt sowie in IT-Infrastruktur und Produktinnovationen investiert. Die Früchte dieser Anstrengungen will der seit 2017 amtierende Vorstandschef Thomas Lausten nach und nach ernten. Ein vorgestellter Fünfjahresplan sieht für das Geschäftsjahr 2022/23 einen Umsatz von mindestens 100 Mio. EUR bei einer EBIT-Marge von 12% vor. Im laufenden Geschäftsjahr liegen die Ziele im Vergleich dazu bei 67,5 Mio. EUR Umsatz und einem EBIT von 1,4 Mio. EUR. Es liegt somit noch ein weiter Weg vor den Pfälzern, die mit ihren netzwerkbasierten Video-Sicherheitssystemen die Bereiche Bildanalyse, Big Data und intelligente Kamerasysteme verknüpfen. Für derartige Lösungen finden sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten – beispielsweise in der Verkehrsüberwachung, im Gesundheitswesen oder in anderen sicherheitssensiblen Bereichen. Die Kooperation mit dem japanischen Konzern Konica Minolta, der knapp zwei Drittel der Anteile an Mobotix hält, eröffnet große Chancen. Beide Unternehmen haben sich auf eine noch engere technologische Zusammenarbeit verständigt, was der Aktie in den vergangenen Wochen weiteren Auftrieb verlieh. So möchten die Japaner die Entwicklung von Mobotix’ neuer Videoplattform mit mindestens 3 Mio. EUR unterstützen. Die intelligenten Kamerasysteme sollen menschliches Verhalten präzise analysieren können. Konica Minolta bestellt zudem fleißig Mobotix-Kameras, um sie weltweit bei eigenen Projekten zu nutzen. Da der Börsenwert aktuell schon auf über 120 Mio. EUR angewachsen ist, sollte der Small Cap vorerst nur beobachtet werden.

 

Im Sinkflug

Meistens geraten Fluglinien in die Schlagzeilen, wenn über Streiks, Verspätungen oder Katastrophen berichtet wird …

 

(Den vollständigen Beitrag inklusive Kennzahlen-Tabelle lesen Sie in Smart Investor 3/2019 ab. S. 54)