„Die DNA von Indus wird unverändert bleiben“

Smart Investor sprach mit dem CEO der INDUS Holding AG, Dr. Johannes Schmidt, über Veränderungen und Kontinuität bei der Mittelstandsholding und den aktuellen Stand der Konjunktur

Smart Investor: Herr Dr. Schmidt, seit rund einem halben Jahr sind Sie als Nachfolger von Jürgen Abromeit CEO der Indus Holding. Mit wie viel Kontinuität und gleichzeitig wie viel Veränderung müssen Anleger rechnen?
Schmidt: Sie dürfen sicher sein, dass meine Tätigkeit durch Kontinuität geprägt sein wird, sonst wäre ich nicht Vorstandsvorsitzender geworden. Die DNA von Indus wird also unverändert bleiben, so viel ist klar. Aber an der einen oder anderen Stelle wird es sicher eine Schärfung des Profils geben, auch mit unserem neuen Strategieprogramm, das wir PARKOUR nennen – in Anlehnung an die gleichnamige Sportart.

Dr. Johannes Schmidt, CEO der INDUS Holding AG

Smart Investor: Worum geht es bei diesem Programm genau?
Schmidt: Wir adressieren damit im Wesentlichen drei Themenfelder: Portfoliostruktur, Innovation und Leistungssteigerung. Bei der Portfoliostruktur geht es primär darum, unser aktuelles Beteiligungsportfolio auch durch Akquisitionen so aufzustellen, dass es weiterhin zukunftsstarke deutsche Wirtschaftsbereiche abbildet. Bei der Innovation werden wir noch stärker als in den vergangenen Jahren versuchen, die Innovationsfähigkeit unserer Beteiligungen zu fördern. Bei der dritten Säule, der Leistungssteigerung, geht es vor allem um die operative Exzellenz in den wertschöpfenden Kernprozessen unserer Beteiligungen.

Smart Investor: Stichwort Innovation – wie sehen solche Projekte konkret aus, und gibt es dabei bereits erste Erfolge?
Schmidt: Ich kann Ihnen ein Beispiel zum Thema 3D-Metalldruck nennen. Wir haben ja viele metallverarbeitende Betriebe in unserem Portfolio, die von dieser technologischen Entwicklung unmittelbar betroffen sind. Fünf unserer Beteiligungen haben sich daher zusammengetan, um die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der neuen Technik kennenzulernen. Wir haben als Holding die Anschaffung eines 3D-Druckers von Trumpf bezuschusst. Gemeinsam experimentieren unsere Experten, Trumpf, diverse Materialhersteller, eine Hochschule und einzelne Beteiligungen nun im Bereich additive Fertigung. Wir versuchen, dadurch frühzeitig Potenziale zu erkennen und zu nutzen.

Smart Investor: 2017 und 2018 haben Sie nur noch drei neue Beteiligungen erworben. Darf man dies als Indiz werten, dass die Preise zunehmend unattraktiv werden?
Schmidt: Es bleibt ein Kernelement unserer Strategie, durch Zukäufe auf erster Ebene – also direkt durch die Holding – weiterzuwachsen. Indus soll weiterwachsen und wird weiterwachsen. Wir selbst haben im Rahmen unseres neuen Strategieprogramms PARKOUR für das Jahr 2025 die Zahl von 2,5 Mrd. EUR Umsatz und 55 bis 60 statt heute 45 Beteiligungen in den Raum gestellt. In den letzten beiden Jahren haben wir sicherlich extrem hohe Preise und wenige Targets gesehen, die in das Schema von Indus passen. Am Ende des dritten Quartals 2018 hat allerdings eine deutliche Belebung stattgefunden. Deswegen blicke ich optimistisch auf das Jahr 2019.

Smart Investor: Typischerweise bezahlen Sie in Cash, wenn Sie ein neues Unternehmen akquirieren. Gibt es nicht auch den Fall, dass ein Unternehmer mit Nachfolgeproblem lieber in Indus-Aktien bezahlt werden will?
Schmidt: Eine Akquisition auf Basis von Aktien ist grundsätzlich möglich, die Vorratsbeschlüsse dafür haben wir. Aber wir sehen das realistisch: Das Target müsste schon eine gewisse Größe haben, damit sich der Aufwand dafür lohnt. Wir haben keine eigenen Aktien im Bestand. In einem solchen Fall müssten wir also erst neues Kapital schaffen. Die Frage danach kommt aber immer mal wieder, denn es kann in bestimmten Konstellationen steuerliche Vorteile für den Verkäufer bieten.

Smart Investor: Die Unternehmen, an denen Sie sich beteiligen, waren zuvor meist im Familienbesitz und eigentümergeführt. Inwieweit ist Indus selbst eigentümergeführt, sprich wie stark sind Sie als Vorstand am Unternehmen beteiligt bzw. anhand des Unternehmenserfolges incentiviert?
Schmidt: Wir selbst als Vorstand haben nur in unwesentlichem Umfang eigene Aktien. Wir haben aber einen langfristigen Incentive, wie es auch das Gesetz vorsieht. Dieser orientiert sich ausschließlich an der langfristigen Entwicklung des Aktienkurses. Daneben haben wir eine kurzfristige Bonuszahlung, die sich nach der Profitabilität des Unternehmens richtet.

Smart Investor: Sie haben vom Programm PARKOUR und einer operativen Optimierung der Beteiligungen gesprochen. Wie intensiv greifen Sie dort ein und wie unabhängig bleiben diese?
Schmidt: Unsere Grundüberzeugung ist da eindeutig – wir geben der Geschäftsführung der Beteiligungsunternehmen große unternehmerische Freiräume. In den Fällen, wo deutliche Leistungseinbußen festzustellen sind, werden wir in Zukunft aber intensiver auf die Beteiligungen einwirken. Wenn wir unser übergeordnetes Ziel einer dauerhaften EBIT-Marge von 10% erreichen wollen, wird es essenziell sein, operative Verbesserungen zu bewirken.

Smart Investor: Mit 45 Unternehmen in diversen Industrien haben Sie einen guten Überblick über die Lage der deutschen Wirtschaft. Wie sieht der „Indus-Konjunkturindikator“ derzeit aus?
Schmidt: Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Stimmung schlechter ist als die momentane Lage. Kritisch beobachten muss man sicherlich die Entwicklung im Segment Fahrzeugtechnik, vor allem bei den PKW-Zulieferern. Da ist völlig unklar, wohin die Reise geht, auch bei der Mengenentwicklung. Ungebrochen gut läuft bei uns dagegen der Bereich Bauzulieferer. Im Maschinen- und Anlagenbau haben wir Ende 2018 höhere Auftragsbestände als Ende 2017. Die Metalltechnik ist weiterhin stabil, was ich ebenfalls als guten Konjunkturindikator werte.

Smart Investor: Herr Dr. Schmidt, vielen Dank für das Gespräch.
Interview: Ralf Flierl, Christoph Karl

 

Über Indus Holding

Die Indus Holding AG war die erste börsennotierte Mittelstandsholding in Deutschland. Das Unternehmen akquiriert Hidden Champions mit Nachfolgeproblemen aus diversen Branchen, darunter Bau/Infrastruktur, Fahrzeugtechnik, Maschinen- und Anlagenbau, Medizin- und Gesundheitstechnik sowie Metalltechnik. Im Gegensatz zu klassischen Private-Equity-Investoren verfolgt Indus einen sogenannten Buy-and-Hold-Ansatz. Das heißt, die erworbenen Unternehmen werden grundsätzlich nicht wieder zum Verkauf gestellt, sondern sollen auf Dauer im Unternehmensverbund verbleiben. Mit derzeit 45 Beteiligungen erwirtschaftet Indus 2018 voraussichtlich einen Umsatz von knapp 1,7 Mrd. EUR und ein EBIT von 154 Mio. bis 160 Mio. EUR vor Impairment. An der Börse bringt es das Unternehmen derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund 1 Mrd. EUR. Seit Sommer 2018 ist Dr. Johannes Schmidt Nachfolger des langjährigen CEOs Jürgen Abromeit. Der studierte Mathematiker war zuvor in diversen mittelständischen Unternehmen tätig und gehört seit 2006 dem Vorstand von Indus an.