Smart Investor 4/2019 – Editorial

Nahezu jedes zweite in Europa verkaufte Goldstück geht in Deutschland über den Ladentisch. Das sagt Christian Brenner, Gründer und Inhaber von philoro, einem der führenden Edelmetallhändler im deutschsprachigen Raum. Auch die jährlich stattfindende Edelmetallmesse in München ist die größte ihrer Art in Europa. Was also treibt ausgerechnet die Deutschen so sehr zur Anlage in das Gold?

Einerseits ist Deutschland Technikstandort und Exportweltmeister, andererseits aber durch Rohstoffarmut gekennzeichnet. Entspringt das übergroße Interesse an Rohstoffen und insbesondere Edelmetallen vielleicht zum Teil diesem massiven Ungleichgewicht von „Brain zu Metal“?

Darüber hinaus steckt den Deutschen wohl noch die große Hyperinflation des Jahres 1923 kollektiv in den Knochen. Damals kam es innerhalb kürzester Zeit zu einer gigantischen Umverteilung von Vermögen; am Ende dieses Prozesses war ein Großteil der damaligen Bevölkerung durch die Kaufkraftentwertung geplündert worden. Wer damals Sachwerte oder gar Edelmetalle hatte, der war fein raus.

Artikel zu Edelmetallen, Öl bzw. Rohstoffen im Allgemeinen genießen bei unseren Lesern seit jeher viel Zuspruch. Diese große Fangemeinde darf sich somit wieder auf eine interessante Titelgeschichte mit einigen wirklich pfiffigen Anlageideen freuen (ab S. 6). Darunter findet sich auch der russische Energiekonzern Gazprom, welcher jedem Value-Investor das Herz höher schlagen lassen müsste – eine ausführliche Analyse dazu finden Sie ab S. 48.

Allerdings muss man sagen: Der Hang der Deutschen zu Rohstoffen trägt teilweise irrationale Züge. In der entsprechenden angelsächsischen Szene wurde daher der Begriff des „Stupid German Money“ geprägt, denn man findet hierzulande immer genügend Dumme, die in ein aussichtsloses Bohrloch investieren würden. Der Fondsberater Friedrich Bensmann meint gar: „95% der Minengesellschaften sind Schrott.“ Ganz falsch dürfte er mit dieser drastischen Aussage nicht liegen, dazu genügt ein Blick auf die langfristigen Kursentwicklungen eines Großteils der entsprechenden Aktien. Jedoch nennt Bensmann auch die wenigen Gesellschaften, die gemäß seinen Analysen die glorreichen Ausnahmen darstellen und zu den guten 5% gehören (ab S. 58).

Aber das ist noch lange nicht alles! In diesem Heft finden Sie darüber hinaus die Erklärung für den bereits explodierten Palladium- sowie eine These zum vermutlich bald explodierenden Silberpreis. Sie erfahren, warum der Schieferöl-Boom, der erst durch die umstrittene sogenannte Frackingmethode möglich wurde, mittelfristig ein jähes Ende finden muss. Wir berichten zudem über einen Rohstofffonds, der in den letzten drei Jahren über 170% zulegte, und über die „Wundermilch“ A2, die der führenden Gesellschaft in diesem Bereich eine Traumperformance bescherte.

Viel Spaß beim Lesen und zahlreiche neue Erkenntnisse wünscht Ihnen

Ralf Flierl