SIW 16/2019: Besser als sein Ruf

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Rückeroberung der 12.000

Beim DAX zeigt sich aktuell ein gemischtes Bild mit positivem Grundton. Ein starkes Signal ist zweifelsohne die Rückeroberung der Marke von 12.000 Punkten (vgl. Abb.). In der gesamten Widerstandszone von 11.800 bis 12.000 Punkten hätte der deutsche Leitindex reichlich Gelegenheit gehabt, wieder nach Süden abzudrehen. Er tat es nicht. Auch den ersten Fehlausbruch über die 12.000 Punkte konnte der DAX rasch heilen und hat sich nun relativ komfortabel über dieser Marke etabliert. Wie bereits in der Vorwoche an dieser Stelle beschrieben, waren die Voraussetzungen gut, dass es sich beim ersten Bruch der 12.000er Marke nicht um das klassische Fehlsignal mit all seinen negativen Implikationen handelte. Wie wenig besorgniserregend der Rücksetzer (vgl. Abb., rote Markierung) tatsächlich war, zeigte sich unmittelbar in den letzten Handelstagen. Inzwischen darf die „magische“ Marke als vorläufig gesichert gelten. Unterstützend wirkte dabei sicher auch die allgemein vorsichtige Stimmung. Gerade in Bezug auf europäische Aktien wurden Negativ-Themen wie der Brexit medial in einer Weise in den Vordergrund gestellt, dass sie an den Märkten längst eingepreist sind – einmal ganz abgesehen davon, dass die meisten Horrorszenarien, die im Zusammenhang mit dem künftigen Kurs der Briten gemalt wurden, klar politisch motiviert waren und sind. Letztlich könnte sich das Thema für die Märkte als Sturm im Wasserglas erweisen – egal, wie sehr in den Redaktionsstuben des Festlandes auch gegen die Briten gezetert wird. Politische Kommentatoren haben traditionell ohnehin Schwierigkeiten Märkte und deren grundlegende Funktionsweise als Einrichtungen zur Bepreisung der jeweils als wahrscheinlich wahrgenommenen Szenarien zu begreifen. Die Bewegung kommt in aller Regel aus der Überraschung.

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Vorerst begrenztes Korrekturpotenzial

Trotz der positiven Gemengelage aus steigenden Kursen und einer allgemein zurückhaltenden Einschätzung der Lage sollte man sich keiner Euphorie hingeben. Denn inzwischen verläuft der DAX nahe der oberen Begrenzung eines flachen Aufwärtskanals (vgl. Abb., blaue Linien) und hat hier auf der Mikroebene sogar ein keilförmiges Muster ausgeprägt. Ein Überspringen dieses Trendkanals ist ein Kraftakt, den wir dem DAX aus dem Stand eher nicht zutrauen. Innerhalb des Aufwärtskanals gibt es ein Korrekturpotenzial von rund 500 Punkten, ohne, dass dieser dadurch bereits angekratzt würde. Zudem befindet sich innerhalb des Kanals die hier bereits mehrfach beschriebene Widerstandszone zwischen 11.800 und 12.000 Punkten (vgl. Abb., gelbes Rechteck), die technisch inzwischen als Unterstützung wirkt. Sieht man sich den blauen DAX-Kanal ganz genau an, ist dort sogar eine leichte Keilformation zu entdecken – die Hochs entfernen sich also immer weniger weit von der unteren Trendlinie. Obwohl aufwärts gerichtete Keile aufgrund dieser nachlassenden Dynamik als Vorboten sinkender Kurse gelten, wäre es zu früh, aus diesem „Hauch von Keil“ bereits jetzt eine akute Gefahrenlage abzuleiten. Selbst der Ausbruch aus dem sehr viel deutlicheren Aufwärtskeil (vgl. Abb., gestrichelte blaue Linie als untere Begrenzung) führte lediglich zu einem negativen Tagesereignis, das schnell geheilt werden konnte. Unsere fundamentalen Argumente zur weiteren Entwicklung, die hoffentlich noch nicht gänzlich eingepreist sind, lesen Sie dann übrigens im neuen Smart Investor 5/2019, an dem wir gerade mit Hochdruck arbeiten.

Blutleeres Wachstum

Auch beim Dollar betrachten wir den Kursverlauf (vgl. Abb. unten) vor dem Hintergrund der herumgereichten Theorien und der aktuellen Stimmungslage. Es galt als eine Art No-Brainer, also als eine ausgemachte Sache, über die man nicht weiter nachzudenken brauchte, dass der Euro im Rahmen von Brexit und Italien-Krise eigentlich nur noch eine Richtung kennen sollte – nach unten. Und weil es so ein No-Brainer war, also für jedermann so unglaublich naheliegend und nachvollziehbar, funktionierte diese Idee nur eingeschränkt. Panische Fluchtbewegungen aufgrund altbekannter Tatsachen werden an den Märkten eher selten beobachtet. Andersherum wird ein Schuh daraus: Weil die Argumente bekannt sind, wurde längst in die vermutete Richtung disponiert. Geschieht dies massenhaft, nennt man dies unter Börsianern einen „Crowded Trade“. Und bei dem ist es wie mit den Köchen in der Küche – zu viele verderben den Brei. Das Reservoir der Eurobullen war entsprechend klein geworden und das der Dollarbullen entsprechend groß. Selbst wenn einzelne Marktteilnehmer die Lager rein zufällig wechseln würden, wäre es wesentlich wahrscheinlicher, dass einer der vielen Dollarbullen zum Dollarbären mutiert, als dass einer der wenigen Eurobullen die Seiten wechselt. Aber: Niemand wechselt das Lager rein zufällig. Im Allgemeinen wird man durch irgendetwas dazu motiviert. Das kann zum Beispiel ein externes Ereignis sein. Ist das Meinungsbild jedoch bereits sehr einseitig, dann braucht es schon extreme externe Ereignisse, um dieses Meinungsbild noch einseitiger werden zu lassen und – wie hier – die letzten Eurobullen zur Aufgabe ihrer Position zu bewegen. Genau das ist in unserer zweiten Abbildung zu sehen. Der US-Dollar entwickelt sich nur anämisch gegen den Euro nach oben – nicht, weil es an Argumenten gegen den Euro fehlen würde, sondern weil bereits zu viele Marktteilnehmer diesen Argumenten gefolgt waren.

Musterdepot Aktien & Fonds

Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ berichten wir heute über unsere jüngsten Dispositionen. So haben wir uns u.a. von unserer DAX-Shortposition getrennt! Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Smart Investor 4/2019

Titelstory:

Minenfeld Mine

Freie Privatstädte:

Die Eigenverantwortung vom Staat zurückholen

Europawahl:

Symbol-, keine Schicksalswahl

Aktie im Blickpunkt:

Gazprom – die wohl billigste Aktie der Welt

 

 

 

 

 

Fazit

… und die fundamentalen Hintergründe und Einschätzungen zur weiteren Marktentwicklung lesen Sie dann im neuen Smart Investor 5/2019.

 

Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.