Grafik der Woche – Chinas Kreditzyklus ist der Taktgeber

„Wenn Amerika niest, bekommt die Welt einen Schnupfen“ ist ein gängiger Spruch unter Volkswirten, der die Bedeutung der US-Wirtschaft für die Weltwirtschaft beschreibt. Doch laut Daniel Vernazza, Ökonom bei der italienischen Bank Unicredit, zeigt die obige Grafik, dass die Weltwirtschaft in den vergangenen zehn Jahren aber auch nach dem Takt getanzt hat, den der chinesische Kreditzyklus vorgegeben hat.

Konkret sei es so gewesen, dass bei einer Ankurbelung des Kreditwachstums durch die  Chinesen die Weltwirtschaft (oben widergespiegelt durch den globalen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe) mit einer Verzögerung von rund neun Monaten ebenfalls angezogen habe. Der jüngste Aufschwung im chinesischen Kreditzyklus deute darauf hin, dass der globalen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ebenfalls im Begriff sein dürfte, sich zu stabilisieren und sich anschließend etwas zu erholen, so Vernazza.

Wie der Volkswirt weiter ausführt, machen Handelsverflechtungen (direkt und indirekt), ausländische Direktinvestitionen und Vermögenspreise die chinesische Wirtschaft zu einem wichtigen Treiber für die Weltwirtschaft. So sei China inzwischen für viele Länder der größte Handelspartner, insbesondere für etliche asiatische Staaten aber auch für die USA. Zudem sei China der zweitgrößte Handelspartner der Eurozone, direkt nach den USA. Obwohl Chinas Integration in das globale Finanzsystem nach wie vor eher begrenzt sei, hätten negative Entwicklungen an den chinesischen Finanzmärkten über eine allgemein sinkende Risikobereitschaft erhebliche Auswirkungen auf die Vermögenspreise in den entwickelten Ländern.

Im Vorjahr hat China die Kreditvergabe laut Vernazza wieder stimuliert, um das Wachstum zu stützen. Unter anderem sei das durch eine Reihe von Kürzungen bei der Reserveanforderung durch die chinesische Notenbank und diversen Steuersenkungen geschehen. Infolgedessen habe sich das BIP-Wachstum Chinas im ersten Quartal 2019 bei 6,4% stabilisiert. Aus Sicht der Unicredit und in Übereinstimmung mit dem obigen Chart sei eine moderate Erholung des Welthandels im weiteren Jahresverlauf wahrscheinlich.

Allerdings gehen die Italiener nach wie vor von einer stärkeren Verlangsamung des globalen Wachstums im Jahr 2020 aus, da sich die US-Wirtschaft abschwächen und China voraussichtlich nicht mehr als Retter für die Weltwirtschaft zu Hilfe eilen werde. Denn dafür sei die Verschuldung Chinas zu hoch und ein expansiver fiskalpolitischer Stimulus sei bereits in diesem Jahr vorgezogen worden.