Aktien-Update: Berkshire Hathaway Inc.

Das Wochenende stand einmal mehr ganz im Zeichen von Warren Buffett und der legendären Hauptversammlung seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway* (Kurs der B-Aktie 191,70 EUR, WKN A0YJQ2). Das „Woodstock der Kapitalisten“ animierte wie in den Vorjahren 42.000 Besucher nach Omaha zu kommen um dort dem Altmeister Buffett und seinem Stellvertreter Charlie Munger zu lauschen. Zuvor gab es jedoch traditionell die Zahlen zum ersten Quartal. Und diese können sich sehen lassen.

In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres fiel ein Nettogewinn von 21,7 Mrd. USD an – eine Zahl, der man laut Buffett jedoch nicht zu viel Beachtung schenken sollte. Denn darin sind unrealisierte Gewinne aus dem Aktienportfolio in Höhe von 15,1 Mrd. USD enthalten. Im Vorjahr war dagegen ein Verlust von 1,1 Mrd. USD nach Steuern angefallen, worin aber unrealisierte Verluste von 7,0 Mrd. USD enthalten waren. Interessanter ist da schon der operative Gewinn von 5,6 Mrd. USD (2018 5,3 Mrd. USD), der das Aktienportfolio unberücksichtigt lässt und lediglich die vollkonsolidierten Beteiligungen beinhaltet.

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SI-Kommentar: Von einer Abschwächung der Konjunktur ist in den Zahlen von Berkshire Hathaway nichts zu sehen. Bezogen auf die schiere Größe des Buffett Imperiums sind die Zahlen richtig gut. Zwar beträgt das Plus im operativen Ergebnis lediglich 5%, darin ist allerdings noch nicht das anteilige Ergebnis von KraftHeinz enthalten, für die noch keine Zahlen vorlagen. Für die vielen Besucher von Buffetts Hauptversammlung standen jedoch weniger die Quartalszahlen im Fokus als zwei Geschäfte, die erst kürzlich öffentlich wurden.

So konnte Buffett erst vor einer Woche einen neuen Deal mit Occidential Petroleum abschließen. Dieser ähnelt frappierend den Transaktionen, die er zum Höhepunkt der Finanzkrise abschloss. Der US-Öl-Förderer bezahlt Buffett auf sein 10 Mrd. USD-Investment in Form von Vorzugsaktien 8% Dividende jährlich, dazu kommen Warrants (sprich Optionen) auf 80 Mio. Stammaktien von Occidental zu 62,50 USD mit einer Laufzeit von bis zu 11 Jahren. Heutiger Kurs 58,17 USD! Schreibt man diesen Warrants einen Wert zu, beträgt die effektive Rendite über die zehnjährige Laufzeit bereits deutlich mehr als 8%. Je nachdem, wie sich die Aktie von Occidential in den nächsten Jahren entwickelt, könnte es auch deutlich mehr werden. Chapeau, kann man da nur sagen!

Die zweite bemerkenswerte Transaktion dürfte der Kauf einer Position von Amazon-Aktien sein, die allerdings nicht Buffett selbst, sondern einer seiner beiden Portfoliomanager erworben hat. Bereits in der Vergangenheit hatte Buffett Amazon CEO Jeff Bezos mehrmals in den höchsten Tönen gelobt. Der jetzige Kauf offenbart allerdings, dass seine Portfoliomanager auch zur heutigen Bewertung Value in der Aktie des Tech-Giganten sehen. Es wird zu beobachten sein, ob Berkshire diese Position in Zukunft weiter ausbaut. Die heute größte Position im Berkshire-Portfolio, Apple, geht schließlich ebenfalls auf Todd Combs und/oder Ted Weschler zurück und wurde später vom Altmeister selbst aufgegriffen.

Die Aktie von Berkshire notiert zwar nahe dem All-Time-High, allerdings deutlich unter ihrem inneren Wert. Ein Beleg dafür sind die Rückkäufe im ersten Quartal, die Buffett zu Kursen knapp unter der heutigen Notierung durchführte. Würde ein Warren Buffett dies tun, würde er den inneren Wert lediglich ein paar Prozente darüber verorten? Vermutlich kaum. Auch in den nächsten Jahren dürfte Berkshire die ultimative Compounding-Maschine bleiben, die sie in der Vergangenheit war.

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