SIW 19/2019: „Lächerlich günstig“

Die großen Buffett-Festspiele

Traditionell steht das erste Maiwochenende des Jahres ganz im Zeichen des „Woodstocks der Kapitalisten“ in Omaha, der Hauptversammlung von Warren Buffetts Holding Berkshire Hathaway. Neben einer mehrstündigen Frage & Antwort-Runde auf der Hauptversammlung gibt das „Orakel von Omaha“ traditionell dem US-Börsensender CNBC ein ausführliches Interview. Die interessanteste Aussage daraus: Auf die Frage, wie er das generelle Bewertungsniveau des Aktienmarktes einschätze, sagte Buffett, dass Aktien „lächerlich günstig“ seien, wenn man daran glaube, dass 3% Zinsen auf langfristige US-Treasuries Sinn ergäben. Letztendlich hängt es also an der persönlichen Einschätzung zu den Zinsen. Buffett selbst traut sich dazu übrigens keine Meinung zu, räumt sogar ein, die Entwicklung der letzten Jahre so nicht vorhergesehen zu haben. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass Geld fast nichts koste, enorme Summen Geld gedruckt werden können und es gleichzeitig fast keine Inflation und kaum Arbeitslosigkeit gebe. Ob all diese Komponenten in Zukunft gleichzeitig gegeben sein werden, bezweifelt der Star-Investor. Allerdings läge er mit dieser Einschätzung nun schon länger falsch. Andersherum betrachtet könnte man allerdings auch fragen: Ist es in den kommenden Jahren vorstellbar, dass wir Zinsen weit über den genannten 3% sehen werden? Egal ob „lächerlich günstig“ oder lediglich „günstig“ – eine Überbewertung des breiten Aktienmarktes lässt sich aus den Zinsen jedenfalls kaum ableiten. Wer Buffett kennt, weiß jedoch auch, dass dies die langfristige Perspektive ist. Kurz- und mittelfristige Schwankungen sind daher trotzdem allemal drin. Mehr zu den interessanten Themen auf der Hauptversammlung am Samstag können Sie in unserem Aktien-Update zu Berkshire Hathaway vom Montag nachlesen.

Derweil in Deutschland …

Während Warren Buffett ein ums andere Mal bewiesen hat, wie man eigenes Geld vermehrt, demonstriert die Politik hierzulande nicht weniger eindrucksvoll, wie man das Geld anderer Leute regelrecht verschleudert. So bezeichneten Stimmen aus dem traditionell eher zurückhaltenden Unternehmerlager Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier anlässlich einer FAZ-Umfrage wenig schmeichelhaft als Fehlbesetzung bzw. Totalausfall (vgl. Editorial Smart Investor 5/2019). Der Präsident des Verbandes „DIE FAMILIENUNTERNEHMER“ warf Altmaier sogar eine „Antimittelstandspolitik“ vor. Konsequenterweise lud der Verband den Minister von seiner 70-Jahres-Feier dann sogar explizit aus.

Aber es scheint, als gebe es kabinettsintern sogar eine Art Wettbewerb, welcher Minister von seinem Amt am stärksten überfordert ist. Zumindest hat Finanzminister Olaf Scholz mit seinem gescheiterten Grundsteuerreformversuch schon ganz gut vorgelegt. Wenn er jetzt bald auch noch offiziell jenes Milliardenloch im Bundeshaushalt kommuniziert, das im Rahmen der aktuellen Steuerschätzung aufgerissen ist und über das heute erste Informationen durchgesickert sind bzw. durchgestochen wurden, wird er wohl erst einmal wieder in Führung gehen. Gegenüber der letzten Steuerschätzung vom November 2018 – die ist gerade einmal sechs Monate her – hat sich im Bundeshaushalt eine Lücke von sage und schreibe mehr als 75 Mrd. EUR für die Jahre bis 2023 aufgetan. Unter Berücksichtigung der neuen Löcher bei Ländern und Gemeinden sollen es gar mehr als 100 Mrd. EUR sein. Es sei einmal dahingestellt, ob es sich hierbei um das berühmte „Rennen nach unten“ handelt oder ob „toxische Maskulinität“ im Spiel ist – Frauen scheitern ja in der Regel etwas verschämter als ihre männlichen Kollegen, die sich selbst in ihrer Unfähigkeit noch gegenseitig zu übertrumpfen trachten. Erklärungsbedürftig sind die Riesenlöcher allemal, und man wird sich schwertun, das alles auf die Konjunktur zu schieben. Schließlich profitierte der Bund über viele Jahre von sprudelnden Rekordsteuereinnahmen und Nullzinsen. Aber schon Amtsvorgänger Schäuble vermochte aus dieser Traumkonstellation nicht mehr als eine „Schwarze Null“ zu machen. Auch damals wurden den Bürgerinnen und Bürgern der Hochsteuerrepublik Deutschland nennenswerte Entlastungen konsequent verweigert, obwohl letztlich sie es sind, die den Laden am Laufen halten und nicht die Politik mit ihren schönen Worten und nicht finanzierbaren Visionen. Dass diese Leute zudem ständig das Wort „Nachhaltigkeit“ im Munde führen und sich inzwischen für die ganze Welt zuständig fühlen, während sie noch nicht einmal die anvertraute Kasse auch nur halbwegs ordentlich verwalten können, kann man eigentlich nur noch mit viel Humor ertragen. Wenn man sich die Lebensläufe der Handelnden ansieht, ist das allerdings auch nicht wirklich überraschend. Ein echtes Marktverständnis haben die wenigsten und so ist diese Politik, gemessen an dem, was sie für die Bürgerinnen und Bürger leistet, geradezu „lächerlich teuer“.

Abstimmung mit den Füßen

Sie sehen schon, wir halten von den Fähigkeiten der Politik im Allgemeinen in etwa so viel wie Warren Buffett von den Fähigkeiten des „Mr. Market“ den richtigen Preis einer Aktie zu finden. Ein Unterschied liegt vielleicht darin, dass die Verrücktheiten des Marktes immer wieder attraktive Chancen bieten, von denen die Anleger profitieren können, während die Verrücktheiten der Politik für die Leistungsträger in deren Einflusssphäre vor allem Belastungen produzieren. Und da man in dieser Einflusssphäre nicht angekettet ist, beschäftigen wir uns im Smart Investor seit vielen Jahren in der Rubrik „Lebensart & Kapital – International“ mit Ländern, die mehr als nur ein Urlaubsziel sein könnten. Dabei klopfen wir immer wieder auch exotischere Destinationen (im Smart Investor 5/2019: Mauritius) auf die Frage ab, ob diese auch in politischer, wirtschaftlicher und steuerlicher Hinsicht ein positives Klima für Investoren und Auswanderungswillige aufweisen. Dass Migration eines der Top-Themen dieser Tage bleibt, zeigt sich auch an der Zahl der aus der Bundesrepublik auswandernden Millionäre, die über die letzten Jahre sprunghaft angestiegen ist. Wer heute also nassforsch Enteignungen fordert wie JuSo-Chef Kühnert, hat es also nicht nur mit zunehmend beweglichen Zielen zu tun, sondern auch mit Menschen deren geistige Grundausstattung regelmäßig für mehr reicht als für ein abgebrochenes Studium und eine Tätigkeit im Call-Center.

Zu den Märkten

„Mr. Market“ hat gestern tatsächlich erst einmal einen ordentlichen Schreck bekommen und einige der nach Ansicht von Warren Buffett bereits „lächerlich günstigen“ Aktien fallen lassen. Anlass war – wieder einmal – ein Tweet von US-Präsident Donald Trump, der so interpretiert wurde, dass eine Einigung im Handelskonflikt mit China wieder in weite Ferne gerückt sei. Das kann so sein, muss es aber nicht. Denn Trump ist auch dafür bekannt, mit solchen Kurznachrichten Druck auf Verhandlungen auszuüben bzw. diese in seinem Sinne zu beeinflussen. Diese Strategie hat in der Vergangenheit durchaus schon Früchte getragen und wenn man sich die Kursentwicklung während seiner Präsidentschaft ansieht, können die Börsianer durchaus zufrieden sein. Allerdings ist China sicher der am schwersten zu knackende Gegner und es ist bei Trump auch nie ganz auszuschließen, dass er den Bogen überspannt bzw. sein Blatt überreizt. Was gestern auch zur Verunsicherung führte sind die Raketenschläge auf Israel und die Massierung von US-Streitkräften rund um den Iran. Derlei Unsicherheiten schätzen Börsianer ganz grundsätzlich nicht und es ist von daher nur konsequent, sich erst einmal an die Seitenlinie zu begeben, besonders vor dem Hintergrund, dass die Märkte in den letzten Monaten außergewöhnlich gut gelaufen waren. Für den DAX sehen wir als Folge der Verunsicherung eine lange schwarze Abwärtskerze (vgl. Abb.), die man schon als dynamisch bezeichnen kann. Heute fängt sich der Markt zwar, aber die Verunsicherung dürfte so schnell noch nicht wieder verfliegen, es sei denn Trump zaubert nun zeitnah doch noch einen China-Deal aus dem Hut. Charttechnisch positiv zu bewerten ist, dass der scharfe Abbruch vom Dienstag bislang weder die Widerstandszone zwischen 11.800 und 12.000 Punkten (vgl. Abb., gelbes Rechteck) noch die leicht keilförmige Aufwärtsbewegung (blaue Begrenzungen) verletzt hat.

Musterdepot Aktien & Fonds

Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ berichten wir heute über unsere offenen Orders. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Veranstaltungshinweise

Langsam aber sicher nähert sich der Reigen der Börsentage 2019 seinem Ende. Am kommenden Samstag, den 11. Mai, gibt es beim Börsentag Chemnitz und am 16. Mai beim Börsentag Zürich noch einmal die Möglichkeit, Referenten und Ausstellern auf den Zahn zu fühlen und sich mit anderen Anlegern auszutauschen.

Der Eintritt ist jeweils kostenlos.

Smart Investor 5/2019

Familienunternehmen:

Sind sie wirklich besser?

Wirtschaftskrieg:

Die Feinde im eigenen Haus

Mauritius:

Mehr als nur ein Ferienparadies

CANSLIM:

Investieren mit Megatrends

 

Fazit

Während die deutsche Politik – gemessen an ihren Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger – geradezu „lächerlich teuer“ ist, hält Anlegerlegende Warren Buffett Aktien – vor dem Hintergrund des aktuellen Zinsniveaus – für „lächerlich billig“. Schade eigentlich, dass man so viel Geld in Steuern „investieren“ muss und dafür keine Aktien kaufen kann. Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch unser Interview mit Armin Zinser von Société de Gestion Prévoir „Ich bin Long Entrepreneur und Short Government“ im aktuellen Smart Investor 5/2019 (ab S. 36).

 

Christoph Karl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.