Editorial „Kevinianismus“

Als marktwirtschaftlich und freiheitlich denkender Mensch muss man in diesen Zeiten einiges ertragen – die gerade aufkeimende Diskussion um Enteignungen stellt dabei aber einen unrühmlichen Höhepunkt dar. Ginge es nur um den Knirps Kevin Kühnert von den Jungsozialisten, der sich mit diesem Thema gerade profilieren will, dann könnte man das noch hinnehmen. Tatsächlich aber scheint ein nicht allzu kleiner Teil der Bevölkerung hierzulande mit dieser politischen Denkrichtung – nennen wir sie mal „Kevinianismus“; eine Namensähnlichkeit mit „Keynesianismus“ ist rein zufällig – anfreunden zu können.

Wir haben uns des zwar oft vernachlässigten, weil eigentlich selbstverständlichen Themas Eigentum in der Titelstory angenommen und aufgezeigt, was es mit dieser gerade hochkochenden Diskussion auf sich hat – und was passiert, wenn die Sozialisierungsromantiker irgendwann ihre Wünsche in die Tat umsetzen können. Wir behandeln das Thema ab S. 22 in unserer Rubrik „Politik & Gesellschaft“ eher neutral und anschließend ab S. 28 durch die Brille der Österreichischen Schule.

Vor 13 Jahren, im März 2016, erschien unsere Sonderausgabe „Börsennotierte Beteiligungsgesellschaften“. Damals beschäftigten wir uns erstmalig und als einzige Publikation ausführlich mit dieser Thematik, und wir haben sie seither auch nicht mehr aus den Augen verloren. Beim nochmaligen Lesen dieser alten Ausgabe gab es einige Aha-Effekte: Eine ganze Reihe der damals beschriebenen Gesellschaften fristet inzwischen ein Schattendasein oder ist gänzlich vom Kurszettel verschwunden – wie z.B. die gleichsam einer Supernova emporgeschnellte und dann verglühte Arques Industries. Andere Gesellschaften, etwa die Mittelstandsholdings INDUS oder GESCO, verfolgten beherzt weiter ihre Strategie und stehen heute besser da denn je. Sehr interessant, was sich in 13 Jahren so alles tut. Unseren alljährlichen großen Überblick über die Beteiligungsbranche im deutschsprachigen Raum finden Sie inklusive eines umfassenden Zahlenwerks auf S. 8 bis 15.

Durch unsere langjährige und kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Beteiligungsgesellschaften haben wir uns in der Szene einen Namen gemacht. Es verwundert also nicht, dass wir vor wenigen Monaten darauf angesprochen wurden, bei der Konzeption eines Fonds für Beteiligungsunternehmen mitzuwirken. Gerne haben wir Gunter Burgbacher, der zusammen mit der Greiff capital management AG und der VVO Haberger AG diesen AFB-Fonds ins Leben rief, bei seinem Vorhaben mit Rat unterstützt. In einem Interview auf S. 36/37 erläutert Herr Burgbacher die Fondsstrategie; auf S. 6/7 beschreibt er einige hierzulande gar nicht so bekannte Aktien aus seinem Fonds.

Dies und noch viel mehr wartet in diesem Heft auf Sie. Viel Freude beim Lesen.

Es grüßt Sie herzlich

Ralf Flierl