Aktien-Update: Deutsche Bank AG

Mario Andreya / Deutsche Bank AG

Operation am offenen Herzen
Die Deutsche Bank* (akt. Kurs 6,80 EUR, WKN 514000) kündigt den radikalsten Umbau des Geschäftsmodells in Jahrzehnten an. Die Bank wird sich aus dem Aktienhandelsgeschäft zurückziehen, ihr Handelsgeschäft – insbesondere den Handel mit Zinsprodukten – anpassen und gleichzeitig den Abbau ihres Portfolios an nichtstrategischen Aktiva beschleunigen.

In der Summe wird die Deutsche Bank durch diese Maßnahmen die risikogewichteten Aktiva, welche diesen Bereichen zugeordnet sind, um etwa 40 Prozent reduzieren. Die Bank wird dazu eine Abwicklungseinheit („Bad Bank“) bilden, um die Bilanzpositionen effizient abzuwickeln, die aus den Geschäftsfeldern stammen, die aufgegeben oder verkleinert werden. Diese Positionen umfassen 74 Mrd. EUR an risikogewichteten Aktiva und eine Gesamtverschuldung von 288 Mrd. EUR (zum 31.12.2018).

Fokussieren will sich da Bank dagegen auf das Geschäft mit Unternehmenskunden, das Finanzierungsgeschäft, das Geschäft mit Fremdwährungen, das Beratungs- und Emissionsgeschäft, das Privatkundengeschäft sowie Asset Management. Gleichzeitig plant der deutsche Bankenplatzhirsch in den nächsten 3 ½ Jahren 13 Mrd. EUR in seine IT-Infrastruktur zu investieren, um die Effizienz zu steigern und die Produktqualität zu verbessern.

Temporär wird der geplante Restrukturierungsprozess die harte Kernkapitalquote (CET 1) von aktuell komfortablen 13,6% auf bis zu 12,5% drücken, denn die Maßnahmen werden bis 2022 rund 7,4 Mrd. EUR Kosten verursachen. Ab 2022 sollen die Kosten schließlich 25% niedriger sein und die Cost-Income-Ratio bei 70% liegen. Eine Eigenkapitalrendite (bezogen auf das materielle Eigenkapital) von 8% p.a. ist im Visier. Geplant ist der Abbau von 18.000 Stellen, überwiegend in der zurechtgestutzten Investmentbank.

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SI-Kommentar: Kann sich die Deutsche Bank am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen? Eine Frage, die sich vor allem daran entscheidet, ob man davon ausgeht, dass Banken in der aktuellen Niedrigzinsphase überhaupt Geld verdienen können. Falls man dies verneint, ist jede Restrukturierung vergebene Liebesmühe. Sieht man auch in den Jahren ab 2022 einen Bedarf nach einer großen multinationalen Bank in Europa, die deutsche Unternehmen ins Ausland begleiten kann und viele Dienstleistungen anbietet, die andere Player hierzulande nicht im Angebot haben, sieht dies dagegen anders aus.

Rein betriebswirtschaftlich unternimmt die Bank exakt das, was notwendig ist, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Kosten runter, Investitionen in die veraltete IT, eine neue motivierte Führungsmannschaft und ein Abbau der bilanziellen Altlasten. Das dies jedoch eine Operation am offenen Herzen ist, steht außer Frage. Dies zeigt alleine die Tatsache, dass die notwendigen Restrukturierungskosten so hoch sind, dass sie die Kernkapitalquote bedenklich nach unten drücken. Dieser Schuss muss also sitzen, denn für einen zweiten reicht es ohne frisches Kapital nicht.

Die Ziele sind ambitioniert: 6 Mrd. Kosteneinsparung pro Jahr auf rund 17 Mrd. EUR bedeutet, dass der Apparat um 25% schrumpfen muss. Bei einer Cost-Income-Ratio von 70% soll es die Bank künftig auf eine Eigenkapitalrendite von 8% bringen. Der Abbau der Altlasten soll genüg Kapital freisetzen, um den Aktionären 5 Mrd. EUR über Rückkäufe und Dividenden zurückzuzahlen. Gleichzeitig soll die Bank zwischen 2018 und 2022 operativ um 2% pro Jahr wachsen.

Doch die Messe ist noch nicht gelesen. Die nächsten Jahre werden dem Management der Bank einen Kraftakt abverlangen. Gegenwind – zum Beispiel in Form einer Rezession – dürfte da kaum gelegen kommen. Dass die Börse einige Zweifel an dem eingeschlagenen Kurs hat, zeigen auch die Kursentwicklung in diesem Jahr und das Minus am heutigen Tag. Zwar konnte sich der Kurs in den letzten Wochen deutlich vom zuvor erreichten Mehrdekadentief erholen. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis von etwas mehr als 25% deutet jedoch noch immer darauf hin, dass ganz erhebliche Zweifel an der Werthaltigkeit der Assets bestehen.

Kleiner Lichtblick: Um die Bonität der Bank scheint sich der Markt zuletzt immer weniger Gedanken zu machen. Mussten Ende letzten Jahres noch bis zu 222 Basispunkte für einen 5-Jahres-CDS (eine Kreditausfallversicherung) auf die Deutsche Bank bezahlt werden, sind dies heute nur noch 64 Basispunkte (hier zu finden). Die Deutsche Bank dürfte also vor allem ein Kosten- und Ertragsproblem haben – und dieses soll nun mit voller Kraft angegangen werden.