Smart Investor 7/2019 – Auf dem Boden geblieben

Fraport AG

Der Flugverkehr nimmt stetig zu. Während sich die Airlines einen harten Preiskampf liefern, lohnt ein Blick auf die Flughafenbetreiber. Diese überzeugen mit Substanz und recht planbaren Erträgen.

Egal ob Geschäftsreise, spontaner Citytrip oder Urlaub mit der ganzen Familie: Immer öfter fällt unsere Wahl auf das Flugzeug. Neben dem Siegeszug der Billigflieger hat hierzu auch der Ausbau der Infrastruktur beigetragen. Noch nie standen den Reisenden so viele Flughäfen und Flugzeuge zur Auswahl. Im laufenden Jahr dürfte der Umsatz in der Passagierluftfahrt rund 589 Mrd. USD betragen. Damit hätte sich dieser gegenüber dem Referenzjahr 2004 verdoppelt. Aktuelle Prognosen gehen darüber hinaus bis zum Jahr 2037 von einer weiteren Verdopplung der weltweiten Passagierzahlen auf dann 8,2 Mrd. Fluggäste aus. Hinzu kommt ein steigendes Cargogeschäft, das allerdings stärker am globalen Wirtschaftswachstum hängt. Die sich seit einigen Quartalen abzeichnende Abkühlung dürfte daher gewisse Bremsspuren bei der Luftfracht hinterlassen. Inwieweit ein wachsendes Umweltbewusstsein (Stichwort: Flugscham) den Luftverkehr belasten könnte, lässt sich indes deutlich schwerer abschätzen.

Hessischer Global Player
Der Flughafen Frankfurt stellte mit mehr als 69 Mio. Fluggästen im Jahr 2018 einen neuen Rekord auf. Gegenüber 2007 – dem Jahr vor Ausbruch der Finanzkrise – bedeutete dies einen Zuwachs von rund 15 Mio. Passagieren. Fraport (akt. Kurs 74,12 EUR, WKN 577330) als Betreiber des viertgrößten europäischen Airports ist jedoch längst ein Global Player. Heute gehören 30 Flughäfen auf vier Kontinenten zum Konzern – darunter Lima, die brasilianischen Airports Porto Alegre und Fortaleza, Ljubljana in Slowenien sowie 14 griechische Regionalflughäfen. Zusammengenommen steuerten diese Beteiligungen zuletzt bereits mehr als ein Drittel zum Konzerngewinn bei. Schon bald möchte Vorstandschef Stefan Schulte sogar die Hälfte des Gewinns im Ausland erwirtschaften. Hierzu werden unter anderem in Brasilien und Griechenland fleißig neue Terminals gebaut und zusätzliche Start-/Landebahnen errichtet.

Schulte will zudem weitere Flughäfen zu attraktiven Preisen erwerben. Eine inzwischen ebenso wichtige Säule für Fraport ist das Retail-Geschäft am Hauptstandort Frankfurt. Dort wird der Konzern voraussichtlich ab 2021 mit der Teilfertigstellung des in Bau befindlichen Terminals 3 die nächste Wachstumsphase einläuten können. Mit Blick auf das laufende Jahr erwartet Schulte einen Konzerngewinn zwischen 420 Mio. und 460 Mio. EUR (Vj.: 473 Mio. EUR). Der leichte Rückgang erklärt sich mit den im Vorjahr verbuchten Beteiligungsverkäufen. Die Dividende, die für das letzte Geschäftsjahr deutlich von 1,50 auf 2,00 EUR angehoben wurde, wolle man dagegen stabil halten. Die moderat bewertete Aktie dürfte die Anfang 2018 markierten Niveaus bei über 96 EUR in einem einigermaßen stabilen Konjunkturumfeld mittelfristig überschreiten.

Ein Blick zu den Nachbarn
Dreh- und Angelpunkt des Schweizer Luftverkehrs ist der Flughafen Zürich (akt. Kurs 162,00 EUR, WKN A2AJEP). Dessen Betreiber ist wie die Fraport AG zum Teil in öffentlicher Hand. Das mag manch einen Investor abschrecken; dafür lockt das Papier mit einer hohen Substanz und Dividende. Bis zu 45% des Gewinns will die Gesellschaft ausschütten, hinzu kommen 100 Mio. CHF pro Jahr als Zusatzdividende. Ausgehend von einem neuen Passagierrekord im Jahr 2018 (+5,8% auf 31,1 Mio. Fluggäste) und einem Gewinnplus von rund 13% auf 284 Mio. CHF plant der Flughafen Zürich für das laufende Jahr mit einem weiteren Anstieg bei den Passagierzahlen und beim Konzernergebnis. Mit der Fertigstellung des Großprojekts „The Circle“ im kommenden Jahr vollzieht Zürich einen wichtigen Schritt zur Verbreiterung seiner Einnahmen. Auf einer Fläche von 160.000 m² werden Konzerne wie Microsoft, Restaurants, Einzelhändler, Büros, zwei neue Hotels der Hyatt-Gruppe und sogar eine Filiale der Universitätsklinik Zürich einziehen.

(weitere Infos zum Flughafen Zürich und über einen weiteren europäischen Airportbetreiber lesen Sie im aktuellen Smart Investor)