SIW 30/2019: Schlossallee oder Badstraße

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SIW 30/2019: Schlossallee oder Badstraße

Im digitalen Monopoly ist alles drin …

„Boris is back!“

Boris Johnson wird neuer britischer Premierminister, und das ist ebenso wenig überraschend wie die Reaktionen auf dem EU-Festland. Der Spiegel bemühte sich bereits im Vorfeld, Johnson auf seinem aktuellen Cover „MAD in England“ als einen Wiedergänger Alfred E. Neumanns zu „framen“, dem legendären Anti-Helden des nicht minder legendären Satire-Magazins MAD. Dabei ist der Spiegel seit vielen Jahren selbst auf dem besten Weg ein Satiremagazin zu werden, freilich ohne einen Anflug von Humor oder gar Selbstironie. Weltwoche-Herausgeber Roger Köppel twitterte dagegen gestern über Johnson, den er vor zehn Jahren persönlich kennengelernt hatte: „Hochintelligent, humorvoll, die richtige Einstellung zur EU.“ Damit ist der Brite in jeder einzelnen Dimension der lebendige Gegenentwurf zur Verkniffenheit an der Ericusspitze 1. Die, wie Köppel sie bezeichnet, „frenetische Anti-Kampagne in den Medien“, der Spiegel ist da keine Ausnahme, weist auf den eigentlichen Gegensatz hin: Johnson muss man ernst nehmen, die hiesigen Medien nicht. Einzig von bild.de kam unfreiwillige (?) Schützenhilfe für den künftigen britischen Premier: Dort konnte man von dessen Friseur erfahren, dass er seine wilde Mähne für 15 Pfund schneiden lässt. Das sind klare Sympathiepunkte, vor allem wenn man es mit dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Hollande vergleicht: Der Champagner-Sozialist beschäftigte zur Pflege seines spärlichen Haarwuchses tatsächlich einen eigenen Friseur für knapp 10.000 EUR im Monat – auf Steuerzahlerkosten versteht sich. Aber wir schweifen ab. Das Entscheidende ist, dass Johnson ein Pro-Brexit-Mann ist, der erkannt hat, dass sich ein einzelnes Land im Irrgarten der Brüsseler Bürokratie immer verlaufen wird und wohl auch verlaufen soll. Daher ist seine Drohung mit einem No-Deal-Brexit eine höchst rationale Verhandlungsposition, um Brüssel zu ernsthaften Verhandlungen zu bringen. Die neue EU-Kommissionschefin von der Leyen dürfte also in nächster Zeit einiges an Beratermandaten zu vergeben haben.

Das digitale Monopoly

Wenn schlechte Nachrichten kaum mehr eine Reaktion an den Börsen auslösen ist dies meist ein Indiz, dass das meiste bereits eingepreist ist. So dürfte es auch bei den neuerlichen Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen mehrere große Technologieunternehmen sein. Nachdem bereits Anfang Juni Ermittlungen des Ministeriums und der US-Behörde FTC bekannt wurden, legte Generalstaatsanwalt William Barr gestern noch einmal nach. Sein Ministerium wolle untersuchen, wie die Marktmacht dominierender Online-Plattformen entstanden sei und ob die Unternehmen ihre Marktmacht missbraucht und Innovation unterdrückt haben. Ziel sei es, sicherzustellen, dass die Unternehmen nach den Prinzipien des freien Wettbewerbs mit ihren Services um die Gunst der Amerikaner konkurrieren. Die Börsianer sind dergleichen mittlerweile schon gewohnt und zeigten sich nachbörslich ziemlich unbeeindruckt. Dennoch ist die Diskussion dominante Marktposition der großen „Datenkraken“ aktueller denn je.

Das Thema ist jedoch vielschichtiger, als es einige Beobachter wahrhaben wollen. Zwar dürfte jedem Beobachter völlig klar sein, dass es sich bei Apple, Google, Facebook oder Amazon um enorm einflussreiche Unternehmen handelt. Ob sie die klassische Definition eines Monopols erfüllen und tatsächlich wettbewerbswidriges Verhalten an den Tag legen, lässt sich dagegen nicht so klar sagen. Nicht ganz zu Unrecht behauptete der Apple CEO zuletzt: „Ich denke niemand kann ernsthaft behaupten, dass Apple eine Monopolstellung habe. Schließlich haben wir in keinem Markt eine beherrschende Position“. Im neuen Smart Investor sind wir daher der Frage nachgegangen, welche Rückschlüsse frühere Monopol-Verfahren in den USA auf die heutige Situation zulassen. Daneben beleuchten wir auch die Gefahren, die die politische Diskussion in den USA für die großen Tech-Multis in sich birgt. Lesen Sie unsere Analyse im Smart Investor 8/2019, der am nächsten Samstag erscheint.

Das große Ganze

Mit großer Spannung erwarten die Marktteilnehmer die in der nächsten Woche anstehende Zinsentscheidung der Federal Reserve. Schließlich sind die Anleger seit Monaten fixiert auf jedwede Äußerung der Notenbanker. Nicht wenige Marktbeobachter machen die US-Zentralbank sogar dafür verantwortlich, die Talfahrt der Aktienmärkte im vierten Quartal 2019 durch ihre Rhetorik beendet zu haben. Zuletzt mehrten sich nun die Signale einer gelpolitischen Kehrtwende mit einer anstehenden Zinssenkung. Die Frage für die Investoren ist nun eigentlich nur noch, ob es mit den US-Leitzinsen um ein Viertelprozent oder gleich um ein halbes Prozent nach unten geht. Die US-Futures Märkte (Fed Fund Futures) geben klare Signale: Einer Zinssenkung um 25 Basispunkte wird derzeit indirekt eine fast 100% Chance gegeben. Betrachtet man diese Debatte mit etwas Abstand wird klar, dass es sich dabei jedoch lediglich um Details handelt.

Das große Bild dagegen zeigt: Die geldpolitische Kehrtwende scheint unumkehrbar zu sein, in den USA und in Europa. Noch etwas weiteren Abstand vom Tagesgeschehen hat sich der bekannte US-Hedgefondsmanager Ray Dalio genommen, der in einer neuen Veröffentlichung über einen bevorstehenden Paradigmenwechsel an den Märkten nachdenkt. Denn die Schuldensituation weltweit und die bestehenden globalen Handels- und Verteilungskonflikte sei ein Sprengstoff. Anleger würden daher mit einigen Problemen konfrontiert werden. So viel sei schon hier verraten: Gold spielt in seinem Szenario eine gewichtige Rolle. Wie Dalio argumentiert und warum es sich für Anleger lohnen könnte, nicht einfach nur die heutige Lage an den Märkten in die Zukunft zu projizieren sondern auch abrupte Brüche miteinzukalkulieren, erfahren Sie im neuen Smart Investor.

Robust und emotionslos

Wer sich oft und ehrlicherweise wohl häufig auch ohne echten Mehrwert Gedanken über künftige Fed-Entscheidungen macht, wer das neue Paradigma von Ray Dalio zwar irgendwie interessant findet, aber nicht wirklich beurteilen kann, ob es tatsächlich zum Tragen kommt, für den bieten wir mit der Titelgeschichte des neuen Smart Investor 8/2019 eine echte Alternative: „Handelssysteme – robust und emotionslos“. Wir zeigen, worauf es bei der Systementwicklung ankommt, und welche Eigenschaften der Anwender eines Handelssystems mitbringen sollte. Natürlich darf auch ein Systemtrader nach Herzenslust über Gott und die Welt philosophieren, nur allzu ernst sollte er sich dabei nicht nehmen, vor allem dann nicht, wenn Handelssignale vorliegen, die in eine andere Richtung weisen, als die eigenen Überlegungen. Es gilt das Motto: Lassen Sie sich nicht verwirren, schon gar nicht von den eigenen Gedanken. Wer tiefer in die Welt der Handelssysteme eintauchen will, für den findet sich im neuen Smart Investor übrigens noch ein ganz besonderes, „Zuckerl“ mit echtem Mehrwert: Zwei bewährte Handelssysteme zum mitfiebern.

wikifolio aktuell

Nicht durch ein Handelssystem, sondern durch uns selbst wird das wikifolio „Smart Investor – Momentum“ betreut. Und da geht es mit einem Plus von aktuell 54,5% nach Gebühren seit dem Jahr 2014 eigentlich recht robust zu, besonders im Vergleich zum DAX, der im gleichen Zeitraum nur vergleichsweise bescheidene 33,5% zulegen konnte  – vor Gebühren! In der letzten Woche erreichten wir sogar ein neues Allzeithoch. Ganz so emotionslos wie im Systemhandel sind wir allerdings nicht, und deshalb freuen wir uns einfach mal über dieses Resultat und danken Ihnen, den Anlegern im zugehörigen Zertifikat mit der WKN LS9CFN (akt. Kurs: 154,89 EUR), an dieser Stelle herzlich für Ihre Treue. Investiert ist das wikifolio derzeit übrigens überwiegend in eine Mischung aus Hightech- und Edelmetallaktien, garniert mit einigen interessante Value-Sondersituationen. Schauen Sie doch einfach mal rein.

 

Zu den Märkten

Und falls Sie das neue Heft dann ab dem kommenden Wochenende in Händen halten, finden Sie dort auf S. 42 den Chart eines der derzeit wohl interessantesten Märkte – zumindest nach unserer Auffassung. Hier wollen wir uns heute jedoch mit der weiteren Entwicklung des DAX beschäftigen. Die Marke von 12.200 Punkten (vgl. Abb., grüne Markierung) wurde insgesamt zweimal getestet. Entscheidend für die weitere Entwicklung ist, wie dynamisch der Kurs von diesem Niveau nun nach oben abprallen wird. Jedes Zwischenhoch, das unterhalb des letzten Hochs von 12.656 Punkten ausgebildet würde, wäre charttechnisch ein Warnzeichen für die weitere Entwicklung. Über, grob gesagt, 12.700 Punkten bleibt der Aufwärtstrend jedoch weiter intakt.

Musterdepot Aktien & Fonds

Wir agieren auf den möglichen Aufwärtstrend im DAX. Lesen Sie mehr dazu im heutigen Musterdepot. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Fazit

Unabhängig davon, ob wir tatsächlich vor einem Paradigmenwechsel stehen, eine robuste und diszipliniert angewendete Strategie ist in keinem Umfeld verkehrt.

Ralph Malisch, Christoph Karl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.