Aktien-Update – Berkshire Hathaway Inc.

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Mit Seil und doppeltem Boden

Auch erfolgsverwöhnte Anleger wie Warren Buffett können nicht zaubern. Die jüngsten Zahlen zum zweiten Quartal 2019 von Berkshire Hathaway (akt. Kurs 178,94 EUR, WKN B-Aktie A0YJQ2) deuteten zumindest beim operativen Ergebnis leicht nach unten, unterm Strich konnte die Holding dagegen zulegen. Das operative Ergebnis sank vor allem aufgrund der schwachen Ergebnisse der Versicherungstöchter auf 6,14 Mrd. USD (Vorjahresquartal 6,89 Mrd. USD). Insbesondere der Autoversicherer GEICO wurde von einer erhöhten Anzahl an Unfällen getroffen. Allerdings konnten sich die restlichen Sparten stabil halten. Sowohl im Eisenbahngeschäft (BNSF) als auch in allen anderen Industriebeteiligungen lagen die operativen Ergebnisse auf Vorjahresniveau. Der Ergebnistreiber waren dagegen die Investments, die dafür sorgten, dass das Nachsteuerergebnis mit 14,07 Mrd. USD sogar 17% über dem zweiten Quartal 2018 lag.

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SI-Kommentar: Zwar merkt auch Berkshire Hathaway in seinen operativen Beteiligungen, dass die US-Konjunktur nicht mehr ganz so rund läuft wie im letzten Jahr. Von Unfällen ist jedoch keine Spur, außer bei den Versicherungstöchtern. Diese hatten deutlich höhere Schäden zu regulieren, was auch unterm Strich auf dem operativen Ergebnis lastete. Langjährigen Buffett-Fans ist jedoch klar, dass gerade das versicherungstechnische Ergebnis stets volatil war. Wenig Bedeutung sollten Berkshire-Aktionäre allerdings dem Ergebnis je Aktie beimessen, denn das wird vor allem durch die volatilen Investmentergebnisse geprägt. Im vierten Quartal 2018 fiel dementsprechend z.B. ein riesiges Minus von 28 Mrd. USD an, im vergangenen Quartal dagegen ein Plus von knapp 8 Mrd. USD.

Viel wichtiger als diese Ergebniszahlen dürften zur Bewertung der Buffett-Aktie dagegen ein paar andere Kennzahlen sein. So hat der Börsenaltmeister mittlerweile eine Cashposition von 122,4 Mrd. USD angehäuft, rund 24% der aktuellen Marktkapitalisierung. Allerdings kaufte er auch im vergangenen Quartal munter weiter seine eigene Aktie zurück. Insgesamt flossen im letzten halben Jahr 2,1 Mrd. USD in Rückkäufe. Im Juni griff Buffett dabei zum letzten Mal zu und bezahlte im Schnitt 205,16 USD, umgerechnet 183,50 EUR, je B-Aktie – ein paar Prozente über dem heutigen Kurs. Man darf annehmen, dass Buffett dies nicht tut, weil er den inneren Wert je Aktie lediglich einige wenige Prozente darüber verortet.

Bezogen auf die Einzelteile könnte Berkshire Hathaway locker 20 bis 25% mehr wert sein als die heutige Marktkapitalisierung. Allerdings unter der Annahme, dass das Aktienportfolio nicht wieder so rapide an Wert verliert wie Ende 2018. Das Schöne an der Aktie ist jedoch das Chance/Risiko-Verhältnis: Während die Rückkäufe unterstreichen, dass Buffett selbst den Wert deutlich höher ansetzt, ist die Aktie durch Cash und das breit diversifizierte Portfolio an Beteiligungen etwas unabhängiger von den Marktschwankungen wie ein Indexfonds auf den S&P 500. Eine Aktie mit Seil und doppeltem Boden also, die gleichzeitig ähnliche Renditechancen bietet wie der breite Markt.