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SCHLAGWORTE: SIW

Gelernte Sorglosigkeit

In der Titelgeschichte des aktuellen Smart Investor 9/2020 haben wir uns mit zwei Großthemen beschäftigt, die von den Märkten bislang weitestgehend ignoriert werden: „Die zweite Welle und die Wahl“ Zumindest tun die Märkte im Moment so, als sei beides kein allzu großes Problem, wohl weil die Notenbanken in „bewährter“ Manier, aber in bislang nicht gekanntem Ausmaß die elektronischen Druckerpressen laufen lassen. Das Geld, es müsse ja schließlich irgendwo hin und da sind teure Aktien doch allemal besser als wertloses Papier.

Das Index-Auf-und-Ab

In regelmäßigen Abständen werden die Börsenindizes zu einem Spiegelbild sportlicher Wettbewerbe. Es werden Aufsteiger und Absteiger benannt, die in eine Börsenliga auf- oder absteigen. Auch wenn zuletzt der Fall Wirecard (ISIN: DE0007472060) und der aufgrund einer Lücke im Börsen-Regelwerk viel zu lange Verbleib der Aktie im DAX die Schlagzeilen bestimmten, so sollten Anleger sich doch eher den anderen Bewegungen zwischen MDAX, SDAX und Co. widmen. Denn aus diesen lässt sich grundsätzlich viel darüber ableiten, welchen Geschäftsmodellen und Unternehmen an der Börse die Zukunft gehören könnte und aus welchen man sich vielleicht eher verabschieden sollte. Dabei zeigt das Beispiel Wirecard aber auch, dass allein die Zugehörigkeit zu einem Index noch kein Qualitätskriterium darstellt, selbst wenn die Firmen ihre Aufnahme gerne als „Ritterschlag“ interpretieren. Da die Deutsche Börse bei ihren Kriterien bislang allein auf den Börsenwert und die Handelsumsätze abstellt, ist über die Qualität eines Unternehmens bis dahin noch kaum etwas gesagt.

Neues Paradigma?

Das Jackson Hole Economic Symposium genießt hierzulande weniger Aufmerksamkeit als ein Instagram-Post eines bzw. einer C-Prominenten. Zu Unrecht. Denn bei diesem jährlichen Treffen im abgelegenen Wyoming kommen nicht nur die wichtigsten Notenbanker zusammen, sondern auch führende Finanzleute, Akademiker, Politiker und Medienvertreter. Streng genommen sind die Spitzen des Weltfinanzsystems vergangene Woche allerdings gar nicht zusammengekommen – zumindest nicht direkt –, denn auch dieses Treffen fand Corona-bedingt im laufenden Jahr virtuell statt. Die Idee hinter dem von der Federal Reserve Bank of Kansas City ausgerichteten Treffen ist der freie Austausch von Gedanken zu Fragen des Finanzsystems und der Geldpolitik, die über die Tagesereignisse hinausweisen.

Berlin, Berlin …

Auch beim Smart Investor gibt es Rituale und Traditionen wie z.B. das Redaktionswochenende, an dem unsere monatliche Druckausgabe ihren Feinschliff erhält. Eine inzwischen fast schon liebgewonnene Konstante, die allerdings in Corona-Zeiten – wie so vieles – auf den Prüfstand gestellt wird. Während in unserem Fall das „neue Normal“ auch relativ reibungsarm im Home Office gelebt werden könnte, fährt „Elter Staat“ andernorts im Stundentakt neue Ge- und Verbote auf. Das scheint inzwischen mehr die Verwirrung als die Gesundheit zu fördern. Wenigstens bleibt den Menschen bei dieser Taktfrequenz kaum Zeit nachzugrübeln, wie rasant sich die Welt um sie herum verändert.

In der Hand der Kleinanleger

Im Juni dieses Jahres wurde HUANG Gangyu vorzeitig aus der Haft in Peking entlassen – auf Bewährung. Zehn Jahre saß der Mann, der zu Chinas ersten Milliardären gehört(e), im Gefängnis. Im März 2010 war er zu insgesamt 14 Jahren wegen Bestechung, Bilanzfälschung, Insiderhandel und Kursmanipulation verurteilt wurden. Huang hatte den Elektronikeinzelhändler GOME Electrical Appliances aufgebaut und groß gemacht. Als die Nachricht von Huangs Entlassung bekannt wurde, stiegen die Aktien des Unternehmens um rund 20%, der ebenfalls börsennotierte Finanzarm des Konzerns sogar um über 50%. In den sozialen Netzwerken Chinas machte sofort ein Witz die Runde: Nicht nur Huangs Frau habe zehn Jahre auf die Rückkehr ihres Ehemanns gewartet, sondern auch der Shanghai Composite Index (SCI).

Sommergewitter

Die letzten Handelstage waren für Edelmetallanleger in der Tat bewegend. Nachdem sie über Wochen und Monate durch steigende Kurse verwöhnt wurden, ging es besonders gestern rapide bergab. Beim Goldpreis stand ein sattes Minus von 5,7% auf der Uhr, beim Silber waren es sogar satte 14,9%. Beide Angaben beziehen sich auf die US-Dollar-Notierungen. In Euro sah es zwar marginal besser aus, aber insgesamt war in beiden Edelmetallen gestern Panik angesagt. Die Differenz zwischen den Veränderungen in US-Dollar und Euro ist auch schon eine der Erklärungen, die gegeben bzw. nachgereicht wurden: Die Stärke des US-Dollars schade Gold, so war zu hören. Wenn man auf den Chart blickt, ist von dieser Stärke allerdings nur wenig zu sehen. Tatsächlich befindet sich der Dollar seit Ende Mai in einem verschärften Abwärtstrend, der in den letzten beiden Wochen lediglich einen (Zwischen-)Boden gefunden zu haben scheint. Ein massiver Aufwärtstrend des US-Dollar lässt sich daraus jedenfalls noch nicht ableiten.

Irreführende Debatten

Anfang der Woche diskutierte gefühlt halb Deutschland darüber, wie viele Menschen bei der Demonstration „Tag der Freiheit“ am Wochenende (1.8.) in Berlin teilgenommen hatten. Laut offiziellen Zahlen waren rund 20.000 Demonstranten in Berlin gewesen, bevor die Veranstaltung wegen der Nichteinhaltung der Abstandsregeln von polizeilicher Seite abgebrochen wurde. Die meisten Teilnehmer und die Veranstalter hingegen meinten, dass viel mehr Menschen nach Berlin gekommen waren – 800.000 bis 1,3 Mio. Menschen sollen es derer Ansicht nach gewesen sein. Die andere gefühlte Hälfte unsere Landes diskutierte derweil darüber, wie man diesen „Gemeinwohlgefährdern“ und „Coronaleugnern“ das Handwerk legen könnte und ob es überhaupt jemals wieder (Groß-)Demonstrationen in Deutschland geben dürfe.

Neues Allzeittief

Edelmetalle gehören aus Sicht des Mainstreams zu den eher ungeliebten Anlageklassen. Denn wer Gold und Silber kauft, arrondiert damit nicht nur sein Portfolio mit zwei zeitlosen Klassikern, er drückt damit auch ein gewisses Misstrauen aus; dies vor allem gegenüber der bestehenden Fiatgeld-(Un)ordnung, die nicht zuletzt durch die Corona-Folgen einer weiteren schweren Belastungsprobe ausgesetzt ist. Dabei steckte insbesondere dem Euro noch die Finanzkrise des Jahres 2008 in den Knochen, was man schon daran erkennen kann, dass die EZB zwischenzeitlich nicht annähernd zur Normalität zurückgefunden hatte und – diese Prognose ist nicht schwer – auch nicht mehr zur Normalität zurückfinden wird.

Das Strohfeuer

Es ist schon ein Zeichen für das fortschreitende ökonomische Unverständnis im Lande, dass die Ergebnisse des EU-Gipfels medial als Erfolg gefeiert werden. Erfolg für wen eigentlich? Auch das wohlfeile Eindreschen auf die „Sparsamen Vier“ entlarvt weniger diese letzten Oasen von Mäßigung und Vernunft, sondern jene, die beständig Druck auf sie ausgeübt haben.

Die Quadratur des Dreiecks

Wenn man sich die Kursentwicklung seit Ende März ansieht, dann scheinen Aktien wahrlich alternativlos zu sein. Zumindest die großen Indizes stürmten seither Monat für Monat weiter nach oben. Kurze Korrekturen wurden umgehend als Kaufgelegenheiten identifiziert – und wer es versäumte die Rücksetzer zu nutzen, hatte schnell das Nachsehen. Zuletzt ging es zwar etwas gemächlicher voran, aus markttechnischer Sicht wäre allerdings selbst das positiv zu bewerten (s.u.). Auch das verbreitete Misstrauen gegenüber dieser Kursrally ist unter dem Blickwinkel des Sentiments ein Pluspunkt. Ist also alles in Ordnung in der Börsenwelt? Möglicherweise nicht ganz. 

Mutter aller Value-Investments

Es gilt in Anlegerkreisen als vermessen, Kritik an Warren Buffett zu üben, denn das „Orakel von Omaha“ hat unter den meisten Börsianern den Status eines nahezu unfehlbaren Weisen der Geldanlage. So sind es in der Regel Zocker und andere Jungspunde, die sich – berauscht durch kurzfristige Gewinne – an der Eiche Buffett reiben. Und ja, es ist wahr, in jedem einzelnen Jahr und in jedem einzelnen Monat gab und gibt es unzählige Anleger und Spekulanten, die den „besten Anleger aller Zeiten“ geschlagen haben. Die Monats- oder Jahresperformance war allerdings auch nie eine Zielgröße für Buffett.

Endliche Geschichte

Wie in der letzten Ausgabe beschrieben, ist die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard nun endgültig zum Zockerpapier verkommen. Gegenüber dem vergangenen Freitag legte das Papier in der Spitze um mehr als 600% zu. Ein Signal zum Einstieg ist dies dennoch nicht. Denn schon einen Tag nach unserem letzten SIW 26/2020 kündigten die Aschheimer einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung an. Inzwischen steht das Unternehmen unter Insolvenzverwaltung. Im Wesentlichen gibt es derzeit zwei Handlungsstränge, die Beachtung verdienen: Zum einen ist da das eigentliche Insolvenzverfahren. Aktuell scheint es auf eine Zerschlagung des Konzerns hinauszulaufen, wobei es innerhalb des Wirecard-Geflechts durchaus erhaltenswerte und weiter funktionsfähige Einheiten gibt, für die Investoren aus dem In- und Ausland bereits Interesse angemeldet haben.

Über den Wolken

Wäre der Fall Wirecard(s) ein Roman, man hätte manches wohl als ziemlich unwahrscheinlich und konstruiert abgetan. Das Unternehmen war in Rekordzeit bis in den DAX aufgestiegen und zählt – Stand: heute – auf dem Papier noch immer zum erlesenen Kreis der 30 deutschen Blue Chips. Faktisch hat Wirecard in diesem Kreis allerdings nichts mehr zu suchen. Der Gründer und langjährige Chef, Markus Braun, war letzte Woche zurückgetreten und zwischenzeitlich sogar verhaftet worden. Aktuell befindet er sich gegen Kaution auf freiem Fuß. Der beispiellose Kurssturz der Aktie wurde durch die Weigerung der Prüfungsgesellschaft EY ausgelöst, den Jahresabschluss 2019 zu testieren. Es geht um zwei Saldenbestätigungen über Bankguthaben in Höhe von 1,9 Mrd. EUR bei denen Täuschungsabsicht vermutet wird. Der abstürzende Aktienkurs bestätigte all jene, die das Unternehmen seit Jahren für dubios hielten, ohne allerdings einen konkreten Nachweis führen zu können. Mehrfach hatten in der Vergangenheit die Alarmglocken geschrillt, als gegen Wirecard Vorwürfe bezüglich Luftgeschäften, dubiosen Bilanzierungspraktiken und der bewussten Verschleierung seiner Aktivitäten erhoben wurden. Allerdings scheuten dann letztlich doch fast alle die Herkulesaufgabe einer Beweisführung, um in der offenbar bewusst komplex gestalteten Struktur von außen Transparenz zu schaffen.

“Cash is Trash” … oder fesch?

In einem prinzipiell chaotischen Umfeld wie der Börse greifen Anleger und Spekulanten gerne nach jedem Strohhalm, der Orientierung verspricht. Mehr als bloße Strohhalme sind Großinvestoren vom Schlage Warren Buffett oder Ray Dalio. Sie sind die Felsen in der Brandung, die über viele Jahrzehnte bewiesen haben, dass sie so manchem Börsensturm trotzen konnten. Wie praktisch auf jedem Gebiet, ist es auch an der Börse ein guter Ansatz, sich die Besten des Faches zum Vorbild zu nehmen. Zwar werden die wenigsten direkt in deren Fußstapfen treten können, aber lehrreich ist es allemal, wie die Koryphäen denken, argumentieren und vor allem handeln.

Schnellboote statt Supertanker

Bevor wir uns den Aktienmärkten widmen, erlauben Sie uns eine kleine Vorbemerkung zu den weltweiten Großdemonstrationen des vergangenen Wochenendes: Auch in Deutschland gingen mehrere zehntausend Menschen in Städten wie Berlin, Köln oder München gegen Rassismus auf die Straße. So weit, so gut. Denn ohne Frage ist das Demonstrationsrecht in einer repräsentativen Demokratie ein außerordentlich hohes Gut. Ein weiteres hohes Gut ist die Rechtsstaatlichkeit, die den Bürgern Gleichbehandlung und ein willkürfreies Handeln der staatlichen Organe garantieren soll.