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SCHLAGWORTE: Smart Investor Weekly

SIW 42/2019: Die Dubai-Connection

Nicht schon wieder Wirecard, dürfte sich so mancher Börsianer am gestrigen Handelstag gedacht haben. Eine neue Runde des alten Spiels: Es gibt einen neuen Vorwurf, der die Bilanzierungs- und Geschäftspraktiken des Unternehmens in ein negatives Licht stellt, der Kurs stürzt ab, Wirecard bestreitet und ein fader Beigeschmack bleibt hängen. Auch diesmal packt die Financial Times (FT) harte Geschütze aus: Wirecard soll sich bei seinen Geschäften dubioser Drittparteien bedienen, so die Dubaier Al Alam. Ein Unternehmen, dessen Geschäfte mit Wirecard rund die Hälfte zum Ergebnis aus dem Jahr 2016 beigetragen haben sollen.

SIW 41/2019: Das Ende der Resilienz?

Als Resilienz bezeichnet man in der Psychologie die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie idealerweise dank eigener Ressourcen zur persönlichen Entwicklung zu nutzen. Ohne das Bild überstrapazieren zu wollen, haben die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit gegen die anhaltenden Krisenlagen der Welt entwickelt. Die „eigene Ressource“ war dabei im Wesentlichen billiges Notenbankgeld. Eine dieser Dauerkrisen ist das Brexit-Begehren der Briten, die vor mittlerweile mehr als drei Jahren (!) ihren Willen äußersten, es künftig einmal ohne die Europäische Union versuchen zu wollen.

SIW 40/2019: Goldener Handschlag?!

ei den österreichischen Nationalratswahlen ging das Kalkül von Alt- und vermutlich Neukanzler Sebastian Kurz auf. Die ÖVP fuhr einen historischen Wahlsieg ein und deklassierte sowohl den alten Koalitionspartner FPÖ als auch die SPÖ. Im Zuge des weltweiten Klima-Hypes schafften die Grünen mit einem Traumergebnis den Wiedereinzug ins Parlament. Die Alternative wäre seinerzeit gewesen, mit der Ibiza-geschüttelten FPÖ die reguläre Legislaturperiode zu Ende zu bringen, was letztlich auch auf Kurz und die ÖVP hätte abfärben können. Merke: Für einen populären Politiker sind Neuwahlen immer attraktiv.

SIW 39/2019: Wiederwahl oder Amtsenthebung?

Nach einem turbulenten August war in den Handelskrieg zwischen den USA und China zuletzt etwas Ruhe eingekehrt. Donald Trump hatte sich versöhnlich gezeigt und für Ende September angekündigte Zölle auf Waren im Wert von 250 Mrd. USD auf den 15. Oktober verschoben. Er wolle damit „ein Zeichen des guten Willens“ setzen und komme Premier Xi entgegen, immerhin feiert die Volksrepublik im Oktober ihr 70 jähriges Bestehen. Es dürfte jedoch nicht ganz uneigennützig gewesen sein. Trump muss völlig klar gewesen sein, dass sein Twitter-Gepolter im August eine enorme Belastung für die Börsen darstellte.

SIW 38/2019: Tagesgespräch

Als am Wochenende die saudi-arabischen Ölanlagen in Abkaik und Churais durch einen Drohnenangriff schwer beschädigt wurde, konnte man ahnen, dass dies den Ölpreis erheblich antreiben würde. Überraschend war alleine das Ausmaß des Anstiegs. Alleine der WTI-September-Future wurde am Montag in der Spitze um rund 10 USD bzw. knapp 20% nach oben katapultiert. Es stimmt schon, die Anlagen sind für die saudi-arabische Erdölförderung – und damit auch für das Weltölangebot – von großer Bedeutung und die Schäden sind erheblich. Dass deshalb sämtliches Öl der Welt über Nacht knapp ein Fünftel mehr wert geworden war, entpuppte sich dann aber schon am gestrigen Dienstag als eine Überreaktion. Wie so häufig, wenn ein Ereignis die Schlagzeilen beherrscht, verengt sich die Perspektive der Marktteilnehmer auf diesen einen Aspekt, der dann entsprechend überproportional in die Preisbildung einfließt.

SIW 37/2019: Alte weise Männer

Nachdem der Goldpreis seit Juni praktisch nur eine Richtung kannte und von rund 1.300 USD/Feinunze in der Spitze um mehr als 250 USD/Feinunze zulegte, befindet sich der Markt aktuell im Korrekturmodus. Das wäre an sich nicht ungewöhnlich. Auch große Trends werden immer wieder einmal von Korrekturen unterbrochen. Die Besonderheit des Goldmarktes ist eher dessen mediale Begleitung: Wäre der DAX in nur drei Monaten um knapp 20% gestiegen, hätten sich die professionellen Marktbeobachter vermutlich mit immer höheren Kursprognosen gegenseitig überboten.

SIW 36/2019: Spielernaturen

Kritik für Kritikunfähige Sehr zum Leidweisen jener Menschen, die einfach nur vernünftig leben und wirtschaften wollen, hat sich die Politik wieder einmal in den Vordergrund gespielt und macht keinerlei Anstalten, die große Bühne in absehbarer Zeit zu verlassen. Jüngster Anlass waren die Landtagswahlen vom vergangenen Wochenende. Da zeigten sich ernsthaft Leute geschockt über den Wahlausgang und man mag sich schon fragen, auf welchem Stern die bis zum Sonntag eigentlich gelebt haben? Denn weder die Wahlergebnisse und schon gar nicht die Reaktionen von Medien und Parteien waren in irgendeiner Weise unvorhersehbar oder gar originell. Besonders die Nachlese folgt einer fixen Dramaturgie. Lässt sich auch nur ein bisschen Honig aus dem Ergebnis saugen, klingt das in etwa so: „Bei Erstwählerinnen mit mittlerem Schulabschluss in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern konnten wir klar punkten und fühlen uns in unserem Ansatz deutlich bestätigt.“ Wo nicht einmal eine nachträglich per Datamining herausgefilterte Splittergruppe identifizierbar ist, folgt die Analyse ebenfalls einem allgemein akzeptierten Muster: Milde Verluste liegen demnach meist daran, dass man die eigenen, alternativlos grandiosen Inhalte, den Wählern einfach noch nicht richtig vermitteln konnte. Das ist jene milde Form der Selbstkritik, der auch Kritikunfähige in schwachen Stunden zustimmen können. Konsequenterweise skandierte das grüne Fußvolk denn auch im Hintergrund einer Fernsehübertragung das Lied der Partei („Die Partei, die Partei, die Partei hat immer recht.“) – ein Lied das bekanntlich auch von SED-Anhängern gerne gesungen wurde, als deren Partei noch im alleinigen Besitz der Wahrheit war. Lediglich bei ganz schweren Niederlagen geht man dann den Ursachen doch etwas auf den Grund und … beschimpft die Wähler der anderen. Der Begriff „Verantwortung übernehmen“ galt früher als Synonym für einen unausweichlichen Rücktritt. Heute heißt es dagegen „Wir haben verstanden.“, was bedeutet, dass man gerne so weiterwursteln will wie bisher.

SIW 35/2019: Gipfeln …

Man kann dem französischen Staatspräsidenten vieles vorwerfen, aber sicher nicht, dass er kein Händchen bei der Auswahl schöner Tagungsorte hätte. Als Ausrichter des hochsommerlichen G7-Gipfels wählte er das elegante Seebad Biarritz und schuf damit die Rahmenbedingungen für eine entspannte Arbeitsatmosphäre. Das war auch dringend nötig, denn die „Großen Sieben“ sind sich in vielen aktuellen Fragen so uneinig wie schon lange nicht mehr. Gegründet wurde dieser informelle Zusammenschluss der „größten Industrienationen des Westens“ bereits im Jahr 1975. Man sprach damals, nach Ölkrise und mitten im Kalten Krieg, in vielen Fragen mit einer Stimme und hatte ähnliche Themen/Probleme.

SIW 34/2019: Scheidung auf Italienisch

Wer deutsche Medien verfolgt, konnte bis gestern den Eindruck gewinnen, dass die italienische Regierung lediglich aus einem Mann bestand: Innenminister Matteo Salvini. Anlässlich der gestrigen Aufkündigung des ungleichen Bündnisses zwischen Fünf-Sterne-Bewegung und Lega durch den parteilosen Premierminister Giuseppe Conte, wurde dann offenbar, dass in der Regierung auch noch weitere Personen tätig waren. Mit einer gewissen Schadenfreude wurde im hiesigen Blätterwald vermerkt, dass die Regierung Conte/Salvini gerade einmal 14 Monate hielt. Das allerdings ist, gemessen an den Verweildauern früherer italienischer Regierungen, gar kein so schlechter Wert.

SIW 33/2019: Volatilitätsproduzenten

Der Handelsstreit zwischen den USA und China, mit dem wir uns in der letzten Ausgabe ausgiebig beschäftigten geht in die nächste Runde. Bei einem solchen Konflikt handelt es sich um keine „natürliche“ Entwicklung, sondern um etwas, dessen Fortgang von den Entscheidungen sehr weniger Menschen abhängig ist. Insbesondere US-Präsident Trump steht dabei immer unter besonderer Beobachtung, hat er doch schon mehr als einmal bewiesen, dass er im Rahmen seiner Tätigkeit zu erstaunlich starken und häufigen Kehrtwenden fähig ist.

SIW 32/2019: Kampf der Kulturen

Dieser Schock saß: Hatte sich im Handelsstreit zwischen den USA und China zuletzt Entspannungsrhetorik breit gemacht, goss US-Präsident Trump am letzten Donnerstag um kurz nach 19 Uhr europäischer Zeit mit einer Serie von Tweets erneut Öl ins Feuer. Er kündigte Zölle von 10% auf weitere Waren im Wert von 300 Mrd. USD ab dem 1. September an und schickte damit die Börsen auf Talfahrt. Auch am darauffolgenden Freitag konnten sich die Kurse kaum beruhigen, zu Beginn dieser Woche gab es dann sogar einen kleinen „schwarzen Montag“.

SIW 31/2019: Zahnloser Tiger

Möglicherweise beeinflussen Gerichtsurteile das Börsengeschehen kurzfristig nur am Rande oder gar nicht. Langfristig können sie sich aber als jene Weichenstellungen erweisen, auf deren Basis der Rahmen für künftige Handlungen abgesteckt wurde – dies natürlich besonders, wenn der Spruch aus Karlsruhe (Bundesverfassungsgericht – BVerfG) oder aus Luxemburg (Europäischer Gerichtshof – EuGH) kommt. Gestern wurde in Karlsruhe das mit Spannung erwartete Urteil zum leidigen Thema Bankenunion verkündet. Konkret ging es um die Bankenaufsicht durch die EZB, sowie um Souveränitäts- und Haftungsfragen im Zusammenhang mit der Bankensonderabgabe.

SIW 30/2019: Schlossallee oder Badstraße

Boris Johnson wird neuer britischer Premierminister, und das ist ebenso wenig überraschend wie die Reaktionen auf dem EU-Festland. Der Spiegel bemühte sich bereits im Vorfeld, Johnson auf seinem aktuellen Cover „MAD in England“ als einen Wiedergänger Alfred E. Neumanns zu „framen“, dem legendären Anti-Helden des nicht minder legendären Satire-Magazins MAD. Dabei ist der Spiegel seit vielen Jahren selbst auf dem besten Weg ein Satiremagazin zu werden, freilich ohne einen Anflug von Humor oder gar Selbstironie.

SIW 29/2019: „Es ist die Deutsche“

Ein bisschen erinnert die Wahl der EU-Kommissionschefin an die Papstwahl. Auf den Hinterzimmercharakter des Brüsseler Demokratiemodells hatten wir ja bereits in unserer Ausgabe 27/2019 hingewiesen. Dennoch mühten sich die großen Medien gestern redlich ab, das Ganze als eine Art Wahlkrimi und Sternstunde des EU-Parlamentarismus darzustellen.

SIW 28/2019: Wer hat Angst…

Derweil kommen aus der deutschen Konjunktur zunehmend negative Signale. Für einiges Aufsehen sorgte die Veröffentlichung der ifo-Umfrage zur Kurzarbeit. Kurzarbeit ist ein deutliches Zeichen für eine zumindest vorübergehende Eintrübung der Konjunktur. Unternehmen greifen zu diesem Mittel, wenn sich die Auftragsbücher zwar geleert haben, dies aber (noch?) nicht als neuer Dauerzustand wahrgenommen wird.