Werbung
Smart Hebel Trading
Start Schlagworte WKN: 747206

SCHLAGWORTE: WKN: 747206

Endliche Geschichte

Wie in der letzten Ausgabe beschrieben, ist die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard nun endgültig zum Zockerpapier verkommen. Gegenüber dem vergangenen Freitag legte das Papier in der Spitze um mehr als 600% zu. Ein Signal zum Einstieg ist dies dennoch nicht. Denn schon einen Tag nach unserem letzten SIW 26/2020 kündigten die Aschheimer einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung an. Inzwischen steht das Unternehmen unter Insolvenzverwaltung. Im Wesentlichen gibt es derzeit zwei Handlungsstränge, die Beachtung verdienen: Zum einen ist da das eigentliche Insolvenzverfahren. Aktuell scheint es auf eine Zerschlagung des Konzerns hinauszulaufen, wobei es innerhalb des Wirecard-Geflechts durchaus erhaltenswerte und weiter funktionsfähige Einheiten gibt, für die Investoren aus dem In- und Ausland bereits Interesse angemeldet haben.

Über den Wolken

Wäre der Fall Wirecard(s) ein Roman, man hätte manches wohl als ziemlich unwahrscheinlich und konstruiert abgetan. Das Unternehmen war in Rekordzeit bis in den DAX aufgestiegen und zählt – Stand: heute – auf dem Papier noch immer zum erlesenen Kreis der 30 deutschen Blue Chips. Faktisch hat Wirecard in diesem Kreis allerdings nichts mehr zu suchen. Der Gründer und langjährige Chef, Markus Braun, war letzte Woche zurückgetreten und zwischenzeitlich sogar verhaftet worden. Aktuell befindet er sich gegen Kaution auf freiem Fuß. Der beispiellose Kurssturz der Aktie wurde durch die Weigerung der Prüfungsgesellschaft EY ausgelöst, den Jahresabschluss 2019 zu testieren. Es geht um zwei Saldenbestätigungen über Bankguthaben in Höhe von 1,9 Mrd. EUR bei denen Täuschungsabsicht vermutet wird. Der abstürzende Aktienkurs bestätigte all jene, die das Unternehmen seit Jahren für dubios hielten, ohne allerdings einen konkreten Nachweis führen zu können. Mehrfach hatten in der Vergangenheit die Alarmglocken geschrillt, als gegen Wirecard Vorwürfe bezüglich Luftgeschäften, dubiosen Bilanzierungspraktiken und der bewussten Verschleierung seiner Aktivitäten erhoben wurden. Allerdings scheuten dann letztlich doch fast alle die Herkulesaufgabe einer Beweisführung, um in der offenbar bewusst komplex gestalteten Struktur von außen Transparenz zu schaffen.