Der Aufschwung – gekommen, um zu bleiben

Zwischen Hoffen und Bangen
Wer stets zu nah vor einem Bild steht, der wird dessen Aussagekraft nie zur Gänze erfassen können. Es bleibt immer bei einem Ausschnitt, der allerdings nicht in jedem Fall auch die wahre Intention des Künstlers widerspiegeln muss. Jeden Tag werden wir mit unzähligen Wirtschaftsdaten, Stimmungsindikatoren und Konjunkturumfragen regelrecht bombardiert. Mitunter hat es den Anschein, als hinge das Wohl der Weltwirtschaft an einem Bericht über die Stimmung der verarbeitenden Industrie im Raum New York. Die Börse denkt so und liegt damit oftmals falsch. In einem ermüdenden Seitwärtsmarkt, wie wir ihn in den letzten Monaten erleben, kommt es am oberen und unteren Ende der Trading-Range regelmäßig zu übertriebener Hoffnung und Angst. Das Ergebnis dieser teils irrationalen Gefühlsschwankungen lässt sich recht plastisch am DAX-Chart ablesen. Per Saldo kommt der Index einfach nicht vom Fleck und narrt damit sowohl Optimisten als auch Pessimisten. Dieses Spielchen geht solange bis eine Seite irgendwann entnervt aufgibt oder schließlich beginnt, gegen ihre innere Überzeugung zu handeln. Da wir im Crack-up-Boom von deutlich steigenden Notierungen ausgehen, haben wir uns klar auf Seiten der Bullen positioniert.

Unternehmen werden mutiger
Was derzeit auffällt, ist die Diskrepanz zwischen allgemeiner Börsenstimmung – nach Auswertung von Investors Intelligence liegt das von ihnen ermittelte „Bull/Bear-Ratio“ auf dem niedrigsten Stand seit Frühjahr 2009 – und den Wasserstandsmeldungen von der Front, sprich aus den Unternehmen. Herrschte noch zu Jahresbeginn in den meisten Statements ein überwiegend zurückhaltender Tenor vor, so sind viele Firmen inzwischen fast schon gezwungen, ihre Skepsis zu revidieren und ihre Ausblicke aufzuhellen. Fast könnte man meinen, die Unternehmen würden von ihrer eigenen Leistungsfähigkeit überrascht. Tatsächlich zeigen auch die harten Fakten, dass der Aufschwung längst da ist. Die Börse fragt sich nun jedoch, wie lange er diesmal bleibt. Vor allem in den USA macht in diesem Zusammenhang das hässliche Wort von der „Double Dip“-Rezession die Runde. Wir wollen jedoch kurzzeitig den uns bekannten Börsenkosmos ausblenden und auf das hören, was uns die Firmen in diesen Tagen zu sagen haben. Ein Bericht von der Basis sozusagen.

Klein, innovativ, flexibel
In unserer aktuellen Ausgabe widmen wir uns einmal mehr den Schnellbooten unter den Unternehmen. Micro Caps bringen zwar noch nicht einmal 50 Mio. EUR Börsenwert auf die Waage, dafür sind sie ihren „erwachsenen“ Pendants in DAX & Co. in Bezug auf Innovationskraft und Flexibilität nicht selten haushoch überlegen. Mit ihren fokussierten Geschäftsmodellen haben sie über Jahre attraktive Nischen besetzt, in denen sich inzwischen wieder gutes Geld verdienen lässt. Bestes Beispiel hierfür sind die Unternehmen der Industriebeteiligungsgesellschaft Greiffenberger. Die Töchter AMB und Eberle kämpften im vergangenen Jahr noch mit schmerzhaften Umsatz- und Gewinnrückgängen. Diese Tristesse gehört jedoch der Vergangenheit an. Allein im zweiten Quartal verbuchte die Gruppe Auftragseingänge von über 43 Mio. EUR und damit fast 20 Mio. EUR mehr als im Durchschnitt der letzten vier Quartale. Alleinvorstand Stefan Greiffenberger zeigte sich für den Rest des Jahres optimistisch und präzisierte bei Vorlage des Halbjahresberichts den Ausblick. Demnach erwartet die Gruppe nunmehr ein EBITDA von bis zu 15 Mio. EUR, was in etwa bereits wieder dem Vorkrisenniveau entspricht. Ein überzeugender Turnaround deutet sich auch beim Wafer-Hersteller Plan Optik an. Das Unternehmen verzeichne eine höhere Nachfrage über alle Kundengruppen hinweg, so der Vorstand. Für das zweite Halbjahr werden ausgehend von einem starken Auftragszuwachs weitere Umsatz- und Ergebnisverbesserungen erwartet.

Man muss nicht lange suchen, um in diesen Tagen auf gute Nachrichten zu stoßen. Eine stammt von der in der aktuellen Ausgabe vorgestellten F24 AG. Der Anbieter von Alarmierungs- und Kommunikationsdiensten für den Stör- und Krisenfall verfügt über ein hochskalierbares Geschäftsmodell, dessen Ertragskraft dieses Jahr erstmals seit dem Börsengang und der anschließenden Investitionsphase wirklich sichtbar werden sollte. Mit einer gleichbleibenden Mannschaft und praktisch konstanten Fixkosten gelingt es der Gesellschaft, die Erlöse kontinuierlich zu steigern, wobei Verbesserungen auf der Umsatzseite unmittelbar einen Sprung im Ergebnis nach sich ziehen. Den Beweis liefert der Halbjahresbericht. So nahm das EBIT von einer schwarzen Null im Vorjahr auf zuletzt knapp 0,4 Mio. EUR verglichen mit dem Umsatz (+28%) weitaus überproportional zu. Mittelfristig sollte das Unternehmen zudem in der Lage sein, EBIT-Margen von über 30% zu generieren.

In der aktuellen Ausgabe blicken wir noch auf weitere interessante Storys aus dem Micro Cap-Universum. Im November werden wir uns dann mit spannenden Nebenwerten aus MDAX, SDAX und TecDAX beschäftigen.

Musterdepot
Wir fühlen uns mit unserer Positionierung in Mid- und Smallcaps sowie in rohstofflastigen Titeln weiterhin recht komfortabel. Zum letzten Stichtag (20.8.; Heft 9/2010) konnte das Musterdepot um 2% zulegen während der DAX um 2,6% nachgab. Diese Outperfomance wollen wir zwar nicht überwerten, da sie natürlich auch auf einigen Zufallsentwicklungen beruht. Allerdings sehen wir darin doch eine gewisse Bestätigung für unsere Ausrichtung. Aus diesem Grund erkennen wir auch keinen Anlass, zum jetzigen Zeitpunkt an der grundsätzlichen Struktur des Depots Änderungen vorzunehmen. Auch der breite Markt könnte seit letzter Woche gedreht haben um sich allmählich wieder dem oberen Ende seiner Handelsspanne zu nähern.

Den Stop Loss für unser DAX-Long-Hebelzertifikat (WKN: GS8YFB) belassen wir gleichwohl auf Schlusskursbasis bei 5.800 Punkten. Das entspricht einem Zertifkat-Kurs von umgerechnet ca. 5,40 EUR.

Wir verfügen zudem noch etwa 6% des Gesamtvolumens an Cash, welches wir bei Fortschreiten der Hausse noch einsetzen werden.

Der Kongress in Wien naht!
Wie Sie wissen, hat sich Smart Investor der Denkrichtung der Österreichischen Schule verschrieben. Nicht, weil wir nicht eigenständig denken könnten, sondern weil die Austrians das beste Instrumentarium bereithalten, um Wirtschaft zu verstehen. Einige der bekanntesten „Österreicher“ aus dem deutschsprachigen Raum werden sich Anfang Oktober in Wien treffen, wo ein großer Kongress zum Thema stattfinden wird. Smart Investor unterstützt diesen Event und wird mit der gesamten Redaktion dort vertreten sein. Es würde uns sehr freuen, wenn wir Sie dort begrüßen und mit Ihnen die Themen dieser Zeit fernab des Mainstream diskutieren könnten. Als Abonnent von Smart Investor können Sie zu einem vergünstigten Vorzugspreis teilnehmen. Alle wichtigen Infos dazu finden Sie hier: www.go-ahead.at/go-ahead-business-summit

Die Ressourcenkonferenz in München auch

Die CM-Equity AG veranstaltet am 30. September in München die Ressourcenkonferenz, die einmal jährlich eine Informations- und Networking-Plattform für zukunfts- und rohstofforientierte Investoren, Unternehmer und Fondsmanager anbietet. Sie erhalten aktuelle Geldanlage-Tipps und Erfahrungen von hochkarätigen Kapitalmarkt-Referenten und internationalen Repräsentanten der weltweiten Ressourcenindustrie. Auf www.ressourcenevent.de/ können Sie sich ab sofort für eine kostenlose Teilnahme anmelden.

Fazit
Die Kritikpunkte, welche in den letzten Monaten gegenüber unserer Crack-up-Boom-These von Lesern und Kollegen vorgebracht wurden, nahmen und nehmen wir durchaus zur Kenntnis. Aber die Realität erzielt uns doch eine Geschichte, die uns bei unserer ursprünglichen Meinung bleiben lässt: Die Mehrzahl der Unternehmen hat die Krise nun überwunden und manche Firmen strotzen gar vor Gesundheit. Dass dieser Zustand nicht ewig anhalten wird, sondern allenfalls für zwei bis drei Jahre, ist uns dabei sehr bewusst. Allerdings muss derjenige, der sich in dieser Zeit gegen den Markt stellt, vermutlich eine große Leidenfähigkeit beweisen. Wir wollen den Markt jedoch auch mittelfristig timen, und deswegen bekennen wir uns derzeit ganz klar als Bullen.

Ralf Flierl, Marcus Wessel

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.