Das Federal Reserve System

Die jüngste Finanzkrise hat die Federal Reserve Bank (FED) bezüglich der Problembewältigung in den medialen Mittelpunkt gestellt. Zusammen mit dem Staat wurden große Banken, Versicherungen und letztendlich das ganze Finanzsystem scheinbar alternativlos und zum Wohle aller vor dem Untergang gerettet. FED-Präsident Ben Bernanke wurde vom „Time“-Magazin sogar zur „Person of the Year“ 2009 gekürt. Wer so viel Lob vom Mainstream erntet, ist uns suspekt. Daher wollen wir die FED einmal genauer unter die Lupe nehmen und versuchen, Mythos von Wahrheit zu trennen. „The Federal Reserve, the central bank of the United States, provides the nation with a safe, flexible, and stable monetary and financialsystem.“ Soweit der eigene Anspruch und die Begrüßung auf der Homepage der 1913 per Gesetz gegründeten FED. Ihre Aufgabe ist es, für maximale Beschäftigung, Preisstabilität und moderate, langfristige Zinsen zu sorgen. Konkreter Anlass und Casus Belli für die Gründung der FED war der bis dahin letzte Bank Run von 1907, als – wie so oft in der Geschichte des „modernen“ Bankwesens – viele Banken zusammenbrachen und eine starke Depression im Lande auslösten. Eine Bank der Banken sollte als „Kreditgeber der letzten Instanz“ (Lender of last resort) fortan Banken und Kundeneinlagen schützen. Soweit die Theorie. Abgesehen davon, dass J.P. Morgan damals ein sehr starkes Interesse am Bankrott einer bestimmten Bank nachgesagt wurde und er entsprechend nachhalf, waren die Ursachen aller Bank Runs stets dieselben gewesen: starke Kreditausweitung unter einem unseriösen, sogenannten Fractional Reserve Banking. Dazu später mehr. Die Lösung des Problems wäre mit einem entsprechenden Verbot oder einer marktwirtschaftlichen Lösung – nämlich Insolvenz – zwar einfach gewesen, aber nicht opportun. Stattdessen dienten die Bank Runs damals wie heute als das entscheidende Totschlagargument pro Banken-Bailouts und damit pro FED.

Entenjagd auf Jekyll Island
In mühevoller Recherche und Auswertung von Bibliographien und Zeitungsartikeln hat Edward Griffin die nebulösen Gründungsumstände der FED in seinem 1994 erschienenen Buch „Die Kreatur von Jekyll Island“ aufgearbeitet: Sieben mächtige Banker aus dem Umfeld der Morgans, Rockefellers, Rothschilds und Warburgs planten 1910 bei einem geheimen Treffen auf einer Insel vor Georgia, wie sie die Bankenbranche legal kartellisieren könnten. Großen Einfluss innerhalb der als Entenjäger getarnten Gruppe hatten vor allem zwei: zum einen der deutsche Auswanderer und Vertreter der Rothschild-Dynastie, Paul Warburg, der zudem mit der Struktur und Funktionsweise der 1876 gegründeten deutschen Reichsbank bestens vertraut war. Auf der anderen Seite erwies sich Senator Nelson Aldrich, der praktischerweise noch Gesellschafter bei J.P. Morgan und Schwiegervater von John D. Rockefeller jr. war, als nützlicher Verbindungsmann zur Politik. Zusammen mit zwei weiteren Teilnehmern war er auch für den späteren Entwurf des Federal Reserve Act verantwortlich. Die Ziele des elitären Clubs waren laut Griffin folgende:

1. Der Wettbewerb sollte zulasten der kleinen Konkurrenzbanken eingeschränkt werden. Zwischen 1900 und 1910 hatte sich die Zahl der Banken in den USA auf ca. 20.000 mehr als verdoppelt. Der Marktanteil der großen Ostküsten-Banken sank vor allem im Süden und Westen des Landes bedrohlich.
2. Die einzelnen, kleinen Reserven aller Banken sollten in einer großen, gemeinsamen Reserve einer Zentralbank gebündelt werden. Dadurch sollte eine „elastische“ Ausweitung der Geldmenge ermöglicht werden und der damals üblichen industriellen Eigenfinanzierung aus Gewinnen und Rücklagen zugunsten der Fremdfinanzierung entgegen gewirkt werden. Laut Statistiken wurden im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ca. 70% der Unternehmensinvestitionen intern, also ohne Banken, finanziert. Dies war eine indirekte Konsequenz des damaligen Goldstandards.
3. Durch einheitliche Regulierungen, z.B. bei der Mindestreservequote, sollte ein Wettbewerb um Qualität und Seriosität ausgeschaltet werden. Alle Banken sollten gleichermaßen zur gewinnmaximalen Kreditexpansion bei laxer Reservepolitik ermuntert werden.
4. Und natürlich suchte man eine Lösung, wie mögliche Verluste der Banken sozialisiert und das Kapital der Eigner vor Insolvenz geschützt werden könnte. Im Falle des Scheiterns gäbe es dann das „soziale“ Netz einer Zentralbank.

Soweit der grobe Businessplan. Drei Jahre, viele politische Grabenkämpfe und einige kosmetische Änderungen an den Gesetzesvorlagen später wurde unter Begleitung von massiver Lobbyarbeit der Federal Reserve Act am 22.12.1913 verabschiedet. Schon am Tag darauf unterschrieb US-Präsident Wilson – bekanntermaßen ein Mann der Wall Street – das Gesetz. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, wie ernsthaft man sich so kurz vor Weihnachten mit dem komplexen Gesetzentwurf auseinandergesetzt hatte. Grundsätzlich gibt die US-Verfassung allein dem Kongress die Macht, (Münz-)Geld auszugeben und dessen Wert zu bestimmen. Mit dem Federal Reserve Act wurde diese Macht auf die FED übertragen. Dies ist theoretisch per Gesetz jederzeit evidierbar. Was genau aber steckt hinter dieser FED?

Struktur
Landesweit tätige Institute (National Banks) sind Zwangsmitglied im FED-System. Nur in einzelnen Bundesstaaten aktive Banken können sich dem System freiwillig anschließen (State Member Banks). Diese National und State Member Banks umfassen mit über 8.000 Instituten ca. 40% der US-Bankenbranche. Sie sind formell die Eigentümer der zwölf regionalen Federal Reserve Banks (FRB) und somit des ganzen Systems. Aufgaben der FRB sind vor allem das operative Betreiben des Finanzsystems und Verwaltungstätigkeiten. Das Board of Governors ist die zentrale Regierungsbehörde der FED. Es bestimmt die Mindestreservesätze und nimmt repräsentative Aufgaben wahr. Jedes der sieben Mitglieder wird vom US-Präsidenten für 14 Jahre berufen und vom Senat bestätigt. Aus diesem Kreis werden ein Vorsitzender (Ben Bernanke) und sein Stellvertreter für vier Jahre vom Präsidenten/Senat bestimmt. Das wichtigste Gremium ist das Federal Open Market Committee, das die entscheidenden Parameter für Geldmenge, Zinssätze, Offenmarktgeschäfte und andere geldpolitische Maßnahmen planwirtschaftlich festlegt. Es setzt sich aus dem Board of Governors, dem Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York und vier weiteren der restlichen elf FRB-Präsidenten zusammen. Auf acht geheimen Treffen jährlich werden dann die wichtigen Entscheidungen getroffen. Nach sechs Wochen wird die Öffentlichkeit kurz informiert, Unterlagen der Beratungen werden vernichtet. Laut Griffin genießt nicht einmal die CIA eine solche Heimlichkeit. Erst 1935, während der Weltwirtschaftkrise, bekam das System mit dem Banking Act unter US-Präsident Roosevelt seine heutige mächtige Stellung. Denn die zentralen Gremien wurden zu Lasten der regionalen FRB deutlich gestärkt. Eine gesamtstaatliche Ausrichtung der Geldpolitik war die Folge. Vor der Reform legten die FRB beispielsweise den damals wichtigsten Leitzins (Diskontsatz) für ihren Bezirk selbst fest. Ursprünglich war das FED-System also tatsächlich dezentral, sprich „federal“.

„Die Europäische Zentralbank und das

Federal Reserve System: Aufbau, Struktur

und geldpolitische Strategien der beiden

bedeutensten Zentralbanken“; Julia Cohrs

und Wibke Pendse; Vdm Verlag Dr. Müller;

212 Seiten, 79 EUR

 

Nebelkerzen
Die Hauptkritik der Öffentlichkeit an der FED richtet sich auf den „privaten“ Status: Private Banken besäßen die FED und würden sich das eigene Geld drucken, wofür sie auch noch Zinsen verlangen. Gerne wird auch die Illusion geträumt, der Staat bräuchte gar keine Zinsen auf seine Schulden bezahlen, wenn es die privaten Eigentümer nicht gäbe. Leider werden aber ein paar Details übersehen oder ignoriert: Der FED-Gewinn steht nicht den Eignerbanken zu, sondern dem nationalen Haushalt (US-Treasury). Insofern müsste man eigentlich sagen, dass sich der Staat seine Zinsen
selbst bezahlt. Die Anteile an den FED-Banken sind weder veräußerbar noch verpfändbar. Wie bei einer Dorf-Raiffeisenbank haben die Eigner unabhängig von ihrer Beteiligung nur eine Stimme, um die relativ bedeutungslosen A- und B-Direktoren der mittlerweile relativ bedeutungslosen FRB zu wählen. Die einzelnen Kapitalbeteiligungen an den FRB, die ca. 3% des Eigenkapitals der einzelnen Member Banks entsprechen sollen, werden mit 6% jährlich verzinst. Dies soll den Nachteil kompensieren, dass die bei der FED hinterlegten Mindestreserven der Banken – anders als bei der EZB – nicht verzinst werden. So flossen für das Fiskaljahr 2008 bei einem FED-Gewinn von 35,5 Mrd. lediglich 1,2 Mrd. USD an tausende Member Banks als Dividenden. Im Vergleich zu den riesigen Bailout-Steuergeschenken sind das Peanuts. Auch haben die Eigner keine Aufsichts- oder Kontrollrechte. Insgesamt wirken die Kapitalbeteiligungen innerhalb dieser öffentlich-rechtlichen Konstruktion eher wie ein langfristiges Darlehen mit genossenschaftlichen Mitwirkungsrechten. Der offizielle Einfluss der Member Banks auf die US-Geldpolitik ist unseres Erachtens sehr gering. Dazu passt, dass die State Banks ursprünglich wegen der unverzinsten Mindestreserve kein Interesse hatten, dem FED-System beizutreten. Erst als 1980 per Gesetz die FED-Mindestreservepflicht auch für Nichtmitglieder eingeführt wurde, stieg die Zahl der State Member Banks. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass im Mutterland der bürgerlichen Freiheiten die Abneigung gegen staatliche und zentrale Macht immer sehr groß war und vergleichsweise noch immer ist. Dies gilt für Bürger und Bundesstaaten. Insofern hätte eine rein staatliche Notenbank überhaupt keine Chance auf Durchsetzung im Kongress und Senat gehabt.

Cui bono?
Diese oberflächliche und unzutreffende Kritik verstellt leider den Blick auf das tatsächliche Problem, nämlich eine Zentralbank per se. Denn hinsichtlich der gesetzlichen Aufgaben darf man der FED zweifelsohne ein vollständiges Versagen testieren. Weder herrschte jemals Vollbeschäftigung, noch kann man angesichts der vielen Finanzkrisen von einem stabilen Finanzsystem sprechen. Ganz zu schweigen von der Preisstabilität, die sich am einfachsten in der Dollarabwertung von 98% (!) gegenüber dem „barbarischen Relikt“ Gold seit der Gründung ablesen lässt. Aber niemand – außer den Anhängern der Österreichischen Schule – hinterfragt die Existenzberechtigung einer Zentralbank. Sie wird als vom Staat gegeben erachtet. Aber wozu brauchen wir eine Zentralbank? Warum konnte die Menschheit Jahrtausende ohne eine solche auskommen? Wer profitiert von einer Zentralbank? Das
sind die Fragen, die eigentlich auf den Tisch gehören.

Staatlich geförderter Betrug
Einen Teil der Antworten finden wir in der Vergangenheit – im 17. Jahrhundert. Damals bezahlte man auf der ganzen Welt mit dem Geld, für das sich der freie Markt entschieden hatte – mit Gold und Silber. Ein Nachteil der Edelmetalle aber war, dass der Transport oder Handel mit größeren Mengen umständlich sein konnte. Daher kam man auf die Idee, sein Gold bei Banken gegen Gebühr als Depositum zu verwahren und mit den dafür erhaltenen Papierquittungen einzukaufen. Diese Quittungen bzw. Banknoten wurden allseits akzeptiert, weil sie durch eine entsprechende Goldmenge gedeckt waren und jederzeit auf Verlangen eingelöst werden konnten. So gab es um 1860 ca. 8.000 verschiedene, private Banknoten in den USA. Einige dieser Banken beobachteten aber irgendwann, dass die Kunden dank der praktischen Innovation immer seltener ihr Gold abhoben, und schon gar nicht alle gleichzeitig. Und so begann man, zinspflichtige Kredite inflationär auszugeben, die gar nicht durch das eingelegte Gold gedeckt waren. Das war die Geburtsstunde des Fractional Reserve Banking. Die Bank deckte fortan die volle Verpflichtung gegenüber ihren Kunden nur noch mit
einem Teil – der sogenannten Mindestreserve.

Don’t call it Marktwirtschaft!
Das Spiel ging solange gut, bis die Kunden das Vertrauen verloren und ihr Gold abheben wollten. Und das Zeitalter der Bank Runs nahm seinen Lauf. Diese Geldschöpfung aus dem Nichts funktioniert auch heute ohne Golddeckung: Giralgeldschöpfung. Durch Ausgabe von (kurzfristigen) Krediten, die auf (kurzfristigen) Einlagen beruhen, ist die berühmte Fristenkongruenz zwar immer erfüllt. Der Verpflichtung, alle täglich fälligen Einlagen auf Verlangen zurückzuzahlen, kann aber eine Bank in diesem System zu keinem Zeitpunkt nachkommen. Das Geld liegt ja nicht im Tresor, sondern ist verliehen. Man gibt also ein Versprechen, das wissentlich und von Anfang an nicht gehalten werden kann. Ein unverblendeter Jurist nennt so etwas Betrug, der unseres Wissens strafrechtlich noch nie sanktioniert wurde – im Gegenteil. Und hier schließt sich der Kreis zur FED. Statt diesem betrügerischen Geschäftsgebaren per Gesetz (Mindestreserve von 100%) oder per Marktwirtschaft (Insolvenz der Banken) zu begegnen, entschied man sich für einen Kreditgeber der letzten Instanz mit der majestätischen Aura des Staates. Und dieser senkte sogar noch innerhalb der ersten Jahre seines Bestehens die gesetzliche Mindestreserve von 21% auf 10% (heute: 3%!). Die FED mit dem Monopol der Geldproduktion sichert zusammen mit dem staatlichen Geldannahmezwang seitdem die Banken vor dem „gerechten“ wirtschaftlichen Tod. Und das mit dem Vorwand der Systemrelevanz. Doch welches System soll hier eigentlich gestützt werden? Dazu muss untersucht werden, wer tatsächlich von einer Zentralbank profitiert.

Inflation als gemeinsames Ziel
Die Kredit- bzw. Geldmengenausweitung im Rahmen des Fractional Reserve Bankings ist für die Banken unbestritten sehr profitabel. Auf das fiktiv geschöpfte und dann verliehene Geld muss jeder Kunde reale Zinsen bezahlen. Das kommt einer Lizenz zum Gelddrucken sehr nahe. Ein Kreditgeber der letzten Instanz fungiert als Lebensversicherung für dieses lukrative Geschäftsmodell. Dieser Geldschöpfung wären in einem freien Bankwesen ökonomische Grenzen gesetzt. Insbesondere abnehmendes Vertrauen der Kunden in ihre Bank, eine hohe Bargeldquote und ein kleiner Umfang der Kundschaft einer Bank begrenzen den Missbrauch der Kundeneinlagen. Prof. Murray Rothbard: „Die Bevorrechtigung und Steuerung des Bankensystems durch den Staat bewirkte die Aufhebung dieser Beschränkungen.“ Somit perfektioniert und multipliziert eine Zentralbank auch noch das Inflationspotenzial des Teildeckungsprinzips. Gemäß Philips/Mc Manus/Nelson („Banking and the Business Cycle“, 1937) wurde das Geldausdehnungsvermögen mit dem FED-System inklusive Absenkung der Mindestreservesätze versechsfacht!

Subtile Form der Enteignung
Zudem ermöglicht dieses Geldsystem dem Staat, das Inflationsruder aktiv zu übernehmen. Die FED kann per Knopfdruck, Zinsschraube, Offenmarktgeschäfte oder „Quantitative Easing“ Geld produzieren, wie sie möchte. Beide Geldproduzenten, also Banken und Staat, genießen wie Geldfälscher den großen Vorteil der Erstbezieher („First Receiver“). Weil sie mit dem neuen Geld als erste zu den alten Preisen einkaufen können, bereichern sie sich in ungerechtfertigter Weise an denen, die erst später – wenn überhaupt – vom neuen „Geldsegen“ profitieren (Cantillon-Effekt). Die Second Receiver sind üblicherweise die den Geldproduzenten nahestehenden Organisationen aus den Bereichen Bürokratie, Rüstung, Wohlfahrt und Medien. Weil diese genügend von den Staatsgeldern erhalten, sind sie auch bereit, dieses System zu stützen. Am Schluss findet „Joe Sixpack“ – der kleine Mann auf der Straße – dann nur noch gestiegene Preise vor. Er wird der Kaufkraft seines hart verdienten oder gesparten Geldes beraubt. Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Kein Wunder also, dass die Vermögensschere immer weiter auseinander geht. Aber nicht wegen zu viel, sondern wegen zu wenig Marktwirtschaft!

Die Gewinner…
Die Inflation wirkt also wie eine versteckte und gigantische Steuer. Für den Staat ist es viel eleganter und subtiler, sich via Zentralbank als durch die imageschädigende Druckerpresse zu bereichern. Letzteres durchschaut das Volk viel schneller und ist typisch für Bananenrepubliken. Der Staat muss verhältnismäßig wenig unpopuläre Steuern erheben. Früher führten Steuererhöhungen häufig zu Revolutionen. Das möchten die Politiker heute verhindern. Mit dem geschaffenen, ungedeckten Geld erkaufen sich die „Staatsdiener“ durch Wählerwohl -taten und Wahlversprechen indirekt die eigenen Stimmen. Viele Befürworter von Kriegen oder sozialen Wohltaten würden ganz anders über diese „Notwendigkeiten“ denken, würden sie die ehrliche Rechnung in Form von Steuererhöhungen serviert bekommen. Durch die vom Staat geförderte Giralgeldschöpfung sind die Banken als zweite maßgeblich für die Entwertung des Geldes verantwortlich. Was schlecht für die fleißigen Sparer ist, ist gut für den größten Schuldner – den Staat. Denn reziprok zum Geldvermögen werden Schulden inflationsbedingt real immer weniger wert. Mit einer „unabhängigen“ Zentralbank fällt zudem kein direkter Inflationsmakel auf den Staat, der aber für die Inflation letztendlich verantwortlich ist. Mit promovierten und habilitierten Wirtschaftswissenschaftlern als FED-Banker wird zudem eine Illusion der Seriosität und Kompetenz des Zentralbankwesens erzeugt.

…Banken und Politiker!
Die Banken versorgen den Staat mit Krediten, also mit Geld. Aktuell 18 sogenannte „Primary Dealer“ müssen bei allen Finanzmarktaktionen der FED mit einbezogen werden. Und kassieren für diese „Dienstleistung“ natürlich Gebühren und Provisionen. Bei jeder Anleihenemission bleiben geschätzte
0,2% bei der Wall Street hängen. Dank des chronischen Verschuldungswahns ein Bombengeschäft! Aktuell werden diese Banken auch zwischengeschaltet, um neue Staatsanleihen durch die FED zu monetarisieren. Die Banken zeichnen die neuen Bonds zunächst auf eigene Rechnung und gaukeln Marktinteresse sowie gute Bonität von Uncle Sam vor. Fast im Gegenzug werden die Bonds dann an die FED weitergereicht, die dafür frisch gedrucktes Zentralbankgeld locker macht. Zusätzlich zu dem schon großen finanziellen Einfluss der Wall Street auf die Politik profitiert die Branche von süßen Lobbyfrüchten mittels Personalunionen und Cliquenwirtschaft. Reihenweise zogen Banker als Berater und Minister nach Washington und gaben sich die Klinke in die Hand. Insbesondere bei Goldman Sachs und J.P. Morgan war das Recruiting sehr erfolgreich. Paulson, Summers, Geithner, Rubin sind nur die jüngsten Vertreter der Wall Street, die zu anspruchslosen Staatsdienern mutierten.
Dafür wurden sie sogar als „patriotisch“ bewundert, weil sie scheinbar selbstlos zweistellige Millionen-Gagen gegen ein niedriges sechsstelliges Beamtengehalt tauschten. Oder gibt es doch andere Motive, vom Big Apple ins langweilige Washington zu ziehen? Der frühere Generalstaatsanwalt von New York Eliot Spitzer nennt die FED und ihren Dunstkreis einen lukrativen „Inside-Job“. Dazu passt auch das Image der FED als Erfüllungsgehilfen der Wall Street. In Finanzmarktkreisen wird immer wieder kolportiert, dass die FED mit ihren Maßnahmen nur den Vorgaben des Marktes folgt, nicht umgekehrt.

Moral Hazard und Narrenfreiheit
Der größte Vorteil für die Finanzjongleure dürfte aber – wie von den Gründern vorgesehen – in der wirtschaftlichen Unsterblichkeit der Banken liegen. Das bedeutet nichts anderes als maximale Renditechancen ohne Existenzsorgen. Trotz lächerlicher Eigenkapitalquoten von 2 bis 5% und vollen Risikos im Eigenhandel sowie bei der Kreditvergabe haben die „too big to fail“-Banken kein Todesurteil vom Marktrichter zu befürchten. Sie haben Narrenfreiheit zum Wohle ihrer Eigner und Mitarbeiter. Denn wenn einer großen Bank die Pleite droht, muss der Staat mit der FED den Pleitier retten, um gleichzeitig das Inflationssystem bzw. sich selbst zu retten. Prof. Guido Hülsmann – wichtiger Vertreter der Österreichischen Schule – spricht von einer „monetären Vollkaskoversicherung“ für die Banken. Die Prämie müssen die in Geiselhaft sitzenden Steuerzahler nolens volens zum Wohle ihrer nicht gedeckten Einlagen bezahlen. Kleine Banken genießen diesen Luxussozialismus nicht. Das zeigen die fast unbemerkten 181 US-Bankpleiten (Stand: 4.3.2010) in der jüngsten Finanzkrise ab dem Jahr 2008. Lehman Brothers war eine die Regel bestätigende Ausnahme. Gerüchten zufolge soll die unterlassene Hilfeleistung eine Vergeltung für die mangelhafte Kooperation Lehmans bei der Bewältigung der LTCM-Krise 1998 gewesen sein. Zudem war Lehman-Chef Richard „Gorilla“ Fuld sogar für die niedrigen Investmentbanker-Maßstäbe alles andere als ein Sympathieträger und galt als Intimfeind des damaligen Finanzministers und früheren Goldman Henry Paulson.

Des Teufels Banker
All diese Privilegien und jüngsten Rettungsmaßnahmen müssten die Branche eigentlich dankbar und devot machen. Doch weit gefehlt. Die Milliardengewinne der Banken 2009 – Ergebnis aus dem Abladen der Subprime-Schrottpapiere bei der FED und dem mit zinslosen FED-Krediten finanzierten Eigenhandel – werden„leistungsgerecht“ als Boni an die Mitarbeiter und als Kapitalerträge an die Aktionäre verteilt. Und der rettende Steuerzahler? Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. So erklärte Go(l)dman-Chef Lloyd Blankfein allen Ernstes, er verrichte „Gottes
Werk“. Sein Gott kann wohl nur der Teufel sein. Das Volk darf nicht einmal erfahren, welche Banken wie stark von der Umverteilung von unten nach oben profitiert haben. Doch es kommt noch schlimmer. Als Konsequenz aus der Finanzkrise soll die FED – durch jahrzehntelange Politik des billigen Geldes der wesentliche Verursacher der Krise – noch mehr das Finanzsystem überwachen und regulieren. Der Bock wird auch noch zum Obergärtner befördert. Bekanntlich ist die menschliche Dummheit grenzenlos, aber hier können sich für dieses Verhalten eigentlich nur verschwörungstheoretische Erklärungen aufdrängen.

Wind of Change
Doch die Aufschreie werden lauter, der Wind für das Establishment eisiger. Und der Widerstand bekommt ein Gesicht: Ron Paul (SI 2/2010). Der 74-jährige Arzt sitzt seit vielen Jahren für die Republikaner im Kongress und führt die Truppen für wahre wirtschaftliche Freiheit an. Auch er ist ein Anhänger der Austrian Economics, möchte das Goldgeld und Free Banking – also eine wirkliche Marktwirtschaft im Bankwesen – zurück haben. Mit seinem Gesetzentwurf zur Überprüfung der FED wurde er anfangs belächelt und ignoriert. Nach dem Kongress müsste jetzt nur noch der Senat zustimmen, um eine Revolution im FED-Kartell auszulösen. Dort stagniert jedoch der Zuspruch, und es wird wohl bei einem Achtungserfolg bleiben. Aber das dekadente Rom fiel auch nicht an einem Tag. Bernanke hatte für den Fall eines Audits schon einmal trotzig mit einem globalen Wirtschaftskollaps gedroht und das Vorhaben als „feindlich“ bezeichnet. Dabei galt doch gerade für Freiheitsrechte einschränkende Politik immer die Floskel: Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten. Aber wahrscheinlich fürchtet Bernanke bei einer Goldinventur – die letzte soll unter Präsident Eisenhower stattgefunden haben – einen „unerklärlichen Schwund“. Auch könnte das parasitäre Geschäftsgebaren des Systems für jeden offensichtlich werden. Das eigentliche Ziel Pauls ist aber identisch mit dem Titel seines Buchs: „End the FED!“

Lösung
Bei so mächtigen Gegnern ist eine Reform natürlich nur sehr schwer umzusetzen. Die Abschaffung der FED kann daher nur ein langfristiges Ziel sein. Zuerst muss sich aber die Erkenntnis nicht nur in der breiten Bevölkerung, sondern auch bei den politischen Entscheidungsträgern durchsetzen, wer hier welches System zu welchem Zweck schützt. Zwischenschritte könnten dann die Wiedereinführung des Glass-Steagall Act (Trennung Investment- vom Kreditgeschäft), schrittweise Einführung der 100%-Deckung der Einlagen oder ein Schuldenverbot des Staates sein. Der darauffolgende deflationäre Prozess würde sicherlich sehr hart werden. Obwohl dies langfristig gesund und reinigend für die Wirtschaft wäre, dürfte dies politisch kaum konsensfähig sein. Die kurzfristigen Ziele der Politiker in einer indirekten Demokratie, nämlich Wahl und Umverteilung, stehen
diametral zu einer langfristig wirtschaftlichen Prosperität der Gesellschaft. Ein Weiter-so bis zum finalen Untergang des kleptokratischen Finanzsystems ist somit wahrscheinlich – trotz oder gerade wegen der FED!

Fazit
Ganz nüchtern betrachtet ist die FED das falsche, aber opportune Mittel, um ein durch unseriöse Geschäftspraktiken verursachtes Problem zu bekämpfen. Eine Zentralbank ist nichts anderes als ein Instrument für staatliche Planwirtschaft auf dem Geldmarkt. Die durch sie produzierte Inflation kann ideal kaschiert werden. Nur zwei Kasten profitieren von dieser Inflationskultur: Politiker und Banken! Diese Bruderschaft hat für den Rest der Gesellschaft katastrophale Konsequenzen hinsichtlich der Kaufkraft des Geldes, des Vermögenserhaltes und der wirtschaftlichen Freiheit. Die Forderung Ron Pauls nach einem Ende der FED ist richtig. Das gilt aber auch für jede andere Zentralbank auf dieser Welt.