Droht ein Goldverbot?

Neu wäre dies nicht – oft genug ist es schon vorgekommen. Das bekannteste und berühmteste Besitzverbot fand am 5. April 1933 in den USA statt: Der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt stellte den Besitz des Edelmetalls unter drakonische Strafen. Lediglich Münzen und Schmuck im Wert von max. 100 USD durfte jeder Bürger noch besitzen. Sammlermünzen waren von dem Verbot allerdings ausgenommen. Das Besitzverbot wurde erst 1974 nach dem Zusammenbruch des globalen Währungssystems von Bretton Woods aufgehoben. Aber nicht nur in den USA gab es Goldbesitzverbote. In China waren sogar beide monetären Edelmetalle Gold und Silber bereits mehrfach verboten. Zum ersten Mal unter der Yuan-Dynastie (1279–1368), als das erste reine Fiat-Money-Experiment der Weltgeschichte scheiterte (Papiergeld wurde in China bereits im 10. Jahrhundert während der Song-Dynastie verwendet, allerdings neben Edelmetallmünzen). Auch die Sowjetunion, das Dritte Reich und viele andere, zumeist totalitäre Staaten erließen teilweise oder vollständige Verbote für den Besitz des Edelmetalls.

Wiederholt sich die Geschichte?
Bevor wir diese Frage angemessen beantworten können, müssen wir uns vor Augen führen, dass wir heute eine völlig andere Situation haben als beispielsweise 1933. Gold wird heutzutage nicht mehr als Geld wahrgenommen, da es in unserer Gesellschaft nicht mehr (oder nur äußerst selten) als Zahlungsmittel verwendet wird. Für die meisten Bürger ist Gold nach wie vor einfach nur ein „barbarisches Relikt“ ohne sonderlichen Nutzen. Es wäre nur schwer zu vermitteln, warum nun plötzlich der Besitz von Gold verboten sein soll, da dies doch nur das Hobby einiger wunderlicher Münzsammler und verwirrter Weltuntergangspropheten zu sein scheint. Hinzukommt, dass unsere Welt kleiner geworden ist. Nur ein globales Verbot wäre wirklich effektiv, es ist aber nicht zu erwarten, dass China oder Indien bei so etwas mitspielen würden. Allerdings hat die Diskussion um die Transaktionssteuer gezeigt, dass solche Überlegungen im Denken der politischen Klasse eher selten vorkommen.

Es müssen nicht Verbote sein
Neben richtigen Verboten existieren natürlich auch andere Mittel, den Bürgern ihre Edelmetallversicherung abzunehmen. Besonders beliebt waren patriotische Aufrufe, das Vaterland mit Gold zu unterstützen. Der Spruch „Gold gab ich für Eisen“ kam das erste Mal während der Befreiungskriege gegen Napoleon 1813 auf und wurde während des 1. Weltkriegs nur allzu gerne wiederbelebt. Dies ging so weit, dass sogar Deutschstämmige in Übersee ihr Gold für das Kaiserreich gaben. Durch den sozialen Druck, der erzeugt wurde, waren solche Aufrufe oft deutlich effektiver als die reinen Verbote. Nach der Einführung des Goldbesitzverbots in den USA wurden beispielsweise nur ca. 30% des in privatem Besitz befindlichen Goldes abgeführt. Daneben bestehen natürlich noch weitere subtile Methoden, die Bürger vom Kauf von Gold abzuhalten – beispielsweise indem es als unattraktives Anlageinstrument („Gold zahlt keine Zinsen“) dargestellt wird. Hierbei sind vor allem Banken federführend, denn die verdienen am Verkauf des Edelmetalls wenig. Ausgeklügelte Finanzprodukte, die einen dauerhaften Cashflow garantieren, sind für die Finanzindustrie schon deutlich interessanter.

Zeichen eines drohenden Goldverbots
Gold wird sicherlich nicht – wenn überhaupt – von heute auf morgen verboten werden. Vielmehr dürfte es zahlreiche Vorwarnungen geben, bevor der finale Schritt eines Besitzverbotes kommt. Der erste Schritt in diese Richtung dürfte eine Erhebung der Mehrwertsteuer auf Anlagegold sein. In der Richtlinie 98/80/EG des EUMinisterrats wurde eine Sonderregelung für Anlagegold beschlossen, die die Erhebung der Mehrwertsteuer aufhob. Ein solcher Beschluss kann aber natürlich wieder rückgängig gemacht werden. Sollte dann plötzlich auch die Abgeltungsteuer zu entrichten sein – bisher sind angefallene Gewinne in Gold nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei –, könnte dies ein weiteres Anzeichen sein. Neben ersten Hinweisen auf ein drohendes Verbot wären dies dann ganz konkrete Maßnahmen, Goldinvestments unattraktiv zu machen. Damit einhergehen dürfte die Diffamierung von Gold als Geldwäsche- und Steuerhinterziehungsmittel, und im Zweifelsfall dient es natürlich auch dem internationalen Terrorismus als Finanzierungsmittel. Die Wiedereinführung der Vermögensteuer ließe sich als großer Schritt in Richtung eines Verbots interpretieren. Der Anleger wäre dann plötzlich gezwungen, dem Finanzamt gegenüber genauestens Rechenschaft abzulegen, wie viel Gold er wo besitzt. Andernfalls müsste er sich für die Illegalität entscheiden und die inzwischen hart sanktionierte Straftat der Steuerhinterziehung bzw. des Steuerbetrugs begehen. Mit dem Wissen um die Vermögenswerte seiner Bürger könnte der Staat dann natürlich relativ bequem das physische Gold einsammeln.

Lassen Sie sich nicht verrückt machen!
Gerüchte über ein baldiges Goldverbot tauchen immer wieder auf. Bemerkenswert daran ist häufig, wer diese Gerüchte verbreitet: Fondsmanager beispielsweise, die es lieber sähen, wenn das Kapital der Anleger in ihre (Gold-)Fonds fließen würde als in physisches Gold. Auch Händler von Sammlermünzen schüren gerne derartige Ängste, selbstverständlich nicht ohne den Hinweis, dass das Besitzverbot in den USA Sammlermünzen nicht betraf. Hier sollte man sich nicht verrückt machen lassen und sich mit kühlem Kopf mit der Frage der Lagerung auseinandersetzen. Der Anleger muss sich grundsätzlich darüber klar werden, wie er die Wahrscheinlichkeit für ein totales Verbot und für einen glimpflicheren Verlauf einschätzt. Die Zukunft ist ungewiss, allerdings denken wir, dass der „smarte Investor“ immer auch eine Strategie für den „worst case“ haben sollte.

Wie kann man sich schützen?
Das Wichtigste ist natürlich zunächst, den Kauf von physischem Gold möglichst anonym zu tätigen, d.h. als Tafelgeschäft unterhalb der Meldesumme. Wer Gold ausschließlich als Versicherung kauft, der möchte einen absoluten Zugriff auf diese Versicherung. Das Gold wird dann also zu Hause oder an einem sicheren Ort, der 100%igen Zugriff garantiert, gelagert werden. Dass staatliche Büttel von Tür zu Tür gehen, um Gold zu konfiszieren, erscheint äußerst unwahrscheinlich. Diese Lagermethode dürfte sich jedoch als unzureichend für Investoren entpuppen, die über einen größeren Geldbeutel verfügen. Jene werden sich wohl oder übel für mehrere Lagerstätten entscheiden: ein Teil zuhause, ein Teil in einem Bankschließfach – hier wäre es dann zumindest ratsam, über ein 24h-Schließfach zu verfügen. Bedenkenswert ist dann auch eine Lagerstätte außerhalb der EU bzw. der USA. Insbesondere Asien, hier vor allem dürften Hongkong und Singapur bevorzugte Lagerorte sein, aber auch die Schweiz sollte im Fall der Fälle ihrem Gold eine größere Sicherheit bieten können. Wer Gold daneben auch zu Spekulationszwecken kauft, der kann es sich natürlich durch Investitionen in Papiergold leichter machen – allerdings gilt es zu bedenken, dass gerade ETFs im Verbotsfalle extrem gefährdet sind. Hier kann der Staat das von den Anlegern akkumulierte Gold einfach beschlagnahmen. Goldminenaktien hingegen könnten von einem Verbot sogar profitieren, nach dem Verbot in den USA stieg der Kurs der damals größten Goldminengesellschaft Homestake Mining noch einmal stark an.

Fazit
Ein richtiges Goldverbot zeichnet sich (noch) nicht ab. Die breite Masse nimmt die bedrohliche Situation an den Finanzmärkten kaum wahr oder lethargisch hin. Nur die allerwenigsten versuchen sich gegen einen Zusammenbruch des Währungssystems zu schützen. Solange sich dies nicht ändert, dürfte Gold von den schlimmsten staatlichen Zugriffen verschont bleiben.