Panama – Mehr als nur der Kanal

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Wie wichtig dieser 82 Kilometer lange Kanal für das mittelamerikanische Land ist, zeigen einige wenige Fakten: So finden dort 8.000 Mitarbeiter Arbeit, (Schätzungen zufolge sollen aber insgesamt sogar rund 30.000 Menschen davon leben). Zudem erwirtschaftet die wichtigste Einnahmequelle des Landes rund 10% des Bruttoinlandsproduktes, wobei durch indirekte Effekte dieser Einfluss mitunter sogar auf mehr als 30% beziffert wird. Und diese große Bedeutung könnte mittelfristig vielleicht sogar noch weiter steigen. Denn durch bis 2014 dauernden Erweiterungsarbeiten sollen die Ladekapazitäten verdreifacht werden. Die bisherige Zahl von rund 14.000 passierenden Schiffen im Jahr dürfte dadurch kräftig steigen.

Wirtschaft zeigt sich überraschend dynamisch
Aber auch ohne diesen Ausbau haben es die Panamaer bereits geschafft, ihre vorteilhafte geografische Lage auszuschlachten. Denn während die Amerikaner, die den Kanal zuvor betrieben haben, seit Inbetriebnahme im Jahr 1914 bis Ende 1999 nur Benutzungsgebühren von 1,8 Mrd. USD generierten, sammelte Panama alleine im Fiskaljahr 2010/11 rund 1,1 Mrd. USD ein. Als weiterer Konjunkturtreiber hinzu kommt die weltweit zweitgrößte Freihandelszone, in der mehr als 20.000 Menschen Beschäftigung finden. Und zu einer Wachstumsstory hat sich auch die Gründung von Offshore-Firmen gemausert.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass das 3,35 Mio. Einwohner zählende Land ohne Rezession durch die Kreditkrise gekommen ist. Es gab zwar eine Konjunkturdelle, aber inzwischen läuft die Wirtschaft wieder richtig rund. Präsident Ricardo Martinelli hat jüngst seine Prognose für das Plus beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr von 10% auf 11% erhöht. Und die wirtschaftsfreundliche Regierung unternimmt vieles, damit diese Dynamik erhalten bleibt. So sollen in der noch bis Mitte 2014 laufenden Legislaturperiode neben den Kosten für die Kanalerweiterung insgesamt 14 Mrd. USD in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt werden. Neuen Schwung könnte zudem ein im Oktober vom US-Kongress endlich ratifiziertes Handelsabkommen bringen.

Insgesamt sind die Rahmenbedingungen aber schon jetzt so gut, dass das Magazin Latin Business Chronicle Panama im Vorjahr zum besten Standort in Lateinamerika gekürt hat. Gute bis sehr gute Noten bekommt das Land auch regelmäßig von Publikationen, die potenzielle Auswanderungsziele für Ruheständler beurteilen. Das US-Magazin Forbes beispielsweise führt das Land in dieser Liste auf Platz vier. Zur Begründung dafür wird unter anderem auf vorteilhafte Steuergesetze (Einnahmen aus dem Ausland etwa werden nur bedingt besteuert), ganzjährig warme Temperaturen (Durchschnittstemperatur an der Küste 23 bis 27 Grad, in den Bergen rund 19 Grad) und eine schöne Natur (circa 30% der Fläche stehen unter Naturschutz) verwiesen. Außerdem gibt es für Pensionäre zahlreiche Rabatte. Und es ist nicht einmal so schwer, in den Genuss dieser Vergünstigungen zu kommen. Im Grunde genommen reicht es schon, monatliche Einkünfte von 1.000 USD nachweisen zu können.

Erleichtert wird Neulingen der Einstieg durch das aufgeschlossene Wesen der Panamesen und rechtlich gesehen dadurch, dass Ausländer den Einheimischen gleichgestellt sind. Eine Ausnahme von dieser Regel stellt allerdings die Vorgabe dar, wonach der Ausländeranteil in Unternehmen die Marke von 10% nicht übersteigen darf. Die speziell für Ausländer ohnehin nicht einfache Arbeitsplatzsuche wird dadurch zusätzlich erschwert. Zumal als weitere Hürde noch die notwendigen Spanischkenntnisse sowie die relativ niedrigen Löhne von im Schnitt rund 500 USD im Monat hinzukommen.

Moderate Lebenshaltungskosten – mangelhaftes Bildungssystem
Diese verglichen mit Deutschland geringe Bezahlung deutet aber auch auf relativ geringe Lebenshaltungskosten hin. Und in der Tat dürften trotz zuletzt gestiegener Preise 1.500 USD im Monat reichen, um ein gutes Leben zu führen. Gedeckt wird diese These auch durch noch vertretbare Immobilienpreise. So ist es möglich, eine Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnung für 500 bis 600 USD im Monat zu mieten.

Neben Pluspunkten wie diesen dürfen aber auch bestehende Schwachstellen nicht vergessen werden. Dazu zählen eine relativ hohe Korruption und nicht selten mangelhaft ausgebildete Arbeitskräfte, bei denen oft auch noch eine fehlende Motivation und Dienstleistungskultur hinzukommen. Wobei sich letzteres vielleicht auch mit einem mangelhaften Bildungssystem erklären lässt. Dazu muss man wissen, dass Panama in der Pisa-Studie Platz 63 unter 65 untersuchten Ländern belegt. Will man langfristig wettbewerbsfähiger werden, gilt es hier alle Hebel in Bewegung zu setzen.

Fazit
Trotz der zuletzt genannten Nachteile hat Panama sicherlich seine Reize. Bei Globetrottern unter den Pensionären oder naturbegeisterten Selbstständigen, die ortsungebunden arbeiten können, ist es jedenfalls denkbar, dass sie in Panama Lebensqualität finden werden. Die aufgezeigten Mängel unterstreichen aber, dass auch Panama nicht allen Wünschen gerecht wird. Alle Punkte zu erfüllen, die ein Leben lebenswert machen, ist aber auch fast eine Utopie. In schwierigen Zeiten wie heute ist es vielmehr fast schon ein Hauptgewinn, wenn man sich als Bürger auf seine Intimsphäre sowie auf sein Eigentum verlassen kann. Und in beiden Fällen kann Panama mit einem sehr sicher erscheinenden Bankgeheimnis und dem per Verfassung garantierten Recht auf privates Eigentum punkten.

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