Lebensart & Kapital – international: Indonesien – Wachstum pur

Mit beliebten Inseln wie Bali, Sumatra, Sulawesi und der Hauptinsel Java mit der Hauptstadt Jakarta hat Indonesien auch einige interessante Reiseziele mit traumhaften Stränden und zahlreichen Wassersportmöglichkeiten zu bieten. Wer seinen Urlaub dort verbringt, kommt meist gut erholt und mit positiven Erinnerungen zurück. Trotzdem fühlen sich offenbar nur wenige Deutsche nachhaltig angelockt. Zumindest hält sich die Zahl der offiziell im Jahr 2010 dorthin Ausgewanderten mit 363 in Grenzen. Diese Zurückhaltung ist bei genauem Blick nachvollziehbar. Schließlich handelt es sich um einen völlig anderen Kulturkreis, in dem sich sicherlich nicht jeder Europäer leicht zurechtfinden wird. Zum einen muss man sich erst einmal an die asiatischen Sitten gewöhnen, ohne deren Kenntnis man schnell das Gesicht verlieren kann. Zum anderen wird das Leben im größten muslimischen Land der Welt vom Islam geprägt. Dieser ist zwar keine Staatsreligion, doch es kommt immer wieder zu religiös motivierten Gewalttaten. Zu beachten ist auch, dass sich Nicht-Islamisten zu einer der anderen vier Weltreligionen bekennen müssen.

Viele Hürden für Einwanderer
Hinzu kommt, dass es trotz des Vorteils von fast ganzjährigen Temperaturen von mehr als 30 Grad klimatisch auch einige Nachteile gibt. So ist das tropische Klima gepaart mit häufigen Niederschlägen vermutlich nicht jedermanns Sache. Neben der hohen Luftfeuchtigkeit bringt die Natur die Bewohner auch sonst oft zum Schwitzen. Handelt es sich bei Indonesien doch um eine der weltweit aktivsten Vulkanregionen. Es gibt noch rund 130 aktive Vulkane, wovon 65 als gefährlich gelten. Zudem bebt regelmäßig die Erde, und als Folge davon besteht häufig Tsunami-Gefahr.

Gefährdet in seinem Bestand ist der größte Inselstaat der Welt (es gibt mehr als 17.500 Inseln) auch durch den Klimawandel. Laut Umweltministerium könnten durch den steigenden Meeresspiegel bis 2030 mehr als 2.000 Inseln verschwinden. Trotz dieser Gefahr steuert das Land, dessen Namen sich aus dem lateinischen Wort „indus“ für Indien und dem griechischen Wort „nesos“ für Insel zusammensetzt, kaum gegen. Vielmehr wird durch ungezügelte Waldrodung die Umweltverschmutzung sogar noch forciert. Bis 2022 dürften laut Vereinten Nationen 98% des Regenwaldes degradiert oder verschwunden sein.

Wem das alles nichts ausmacht, auf den warten weitere Hürden wie ein Einreisevisum. Eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung ist nur schwer und erst nach einigen Jahren zu erlangen. Befristete Aufenthaltsgenehmigungen werden Ausländern mit indonesischem Ehepartner gewährt, Investoren oder Arbeitsplatzinhabern. In letzterem Falle ist es jedoch auch schwierig, weil der Arbeitgeber nachweisen muss, dass es für die Arbeit keine qualifizierten einheimischen Kräfte gibt.

Wer dennoch fündig wird, der muss sich auf deutlich geringere Löhne als in Deutschland einstellen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt 3.700 USD – im Jahr wohlgemerkt. Und davon wird zwischen 5% (ab umgerechnet 4.250 EUR Jahreseinkommen) und 30% (ab 42.500 EUR) auch noch an Einkommensteuern abgezogen. Weil Ausländer zumeist über ein vergleichsweise hohes Einkommen verfügen, als selbstständige Unternehmer agieren oder vermögend sind, dürfte ihnen die Bestreitung des Lebensunterhalltes deutlich leichter fallen als den Inländern. Denn diese müssen oft noch mit wenigen Dollar am Tag auskommen.

Wachstum versus Korruption und andere Probleme
Nicht leichter wird das Leben auch durch ein nur schwer zu durchschauendes Rechtssystem sowie ein Übermaß an Bürokratie und Korruption. Vor diesem Hintergrund täte das Land gut daran, sich stärker auf die Bedeutung der Nationalfarben zu besinnen. Denn diese stehen mit den Farben Rot und Weiß für Mut und Reinheit. Beides wird Indonesien reichlich brauchen, um mittelfristig zu den Industrienationen aufschließen zu können.

In den vergangenen Jahren konnte die Lücke dank dynamischer Wachstumsraten und mit Hilfe der reichlich vorhandenen Bodenschätze aber immerhin schon etwas geschlossen werden. Und bis auf weiteres dürfte dieser Aufholprozess auch anhalten. Die Volkswirte der Citigroup taxieren das Wachstum für 2012 auf 6,3% und für 2013 auf 6,5%. Die Standard Chartered Bank sieht zudem bis 2030 das Bruttoinlandsprodukt von aktuell rund 720 Mrd. USD auf dann rund 9.000 Mrd. USD steigen.

Auf dem Weg dorthin lässt sich viel Geld verdienen, und mutige Unternehmer dürften sich genau davon angezogen fühlen. Sie, oder Zuwanderer mit einem indonesischen Partner, dürften bei guter Ausbildung in der Lage sein, sich ein Stück von diesem Kuchen zu sichern. Der Lebensunterhalt lässt sich theoretisch auch günstig finanzieren. Deutlich wird das am 40% unter dem deutschen Niveau liegenden Big-Mac-Index. Wer jedoch Luxus sucht, der muss auch in Indonesien oft Westpreise bezahlen. Wohnraum ist mit Apartmentpreisen von im Schnitt 1.400 USD pro Quadratmeter in Jakarta und 1.320 USD für Villen in Bali zwar bezahlbar. Verteuert und erschwert wird der Immobilienbesitz aber durch eine Luxussteuer von 20%, die neben der normalen Umsatzsteuer von 10% noch fällig wird, sowie der Tatsache, dass Ausländer noch immer offiziell kein Land besitzen dürfen.

Fazit
Indonesien eignet sich für Westeuropäer eher für den Urlaub als zum Auswandern. Auf ihre Kosten dürften dank der Vielfalt (es gibt 300 Ethnien, die 250 Sprachen und ebenso viele Dialekte sprechen) aber unerschrockene Asien-Liebhaber kommen, die ihren Horizont erweitern möchten. Ernsthaft krank sollten sie aber besser nicht werden, denn das Gesundheitssystem erfüllt keine westlichen Standards. Und auch das Schulsystem genügt laut Pisa-Studie längst nicht höchsten Ansprüchen.