„Alter Fuchs liebt Ketchup“

Kauflaune in Omaha
Es war die Meldung der vergangenen Woche: Warren Buffetts Investmentfirma Berkshire Hathaway will zusammen mit dem Private-Equity-Haus 3G Capital den traditionsreichen Lebensmittelkonzern H.J. Heinz (WKN 851 291) übernehmen. Dabei ist den beiden potenziellen neuen Eigentümern das vor allem für sein Ketchup bekannte Unternehmen rund 23 Mrd. USD wert. Der Übernahme liegt eine Bewertung zum zweifachen Jahresumsatz und dem etwa zwanzigfachen des für das Geschäftsjahr 2012/13 erwarteten Gewinns zu Grunde. Nach einem echten Value-Geheimtip klingt dies zugegeben nicht. Auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis von stolzen 8(!) dürfte echten Value-Anlegern schlaflose Nächte bereiten, zumal in der Heinz-Bilanz noch über 3 Mrd. USD an Goodwill – also immateriellen Firmenwerten – schlummern. Doch warum kauft sich der alte Fuchs Buffett dann hier ein?

Auch wenn Buffett vermutlich so gut wie niemand sonst weiß, dass bei einem Investment ein wesentlicher Teil des Gewinns bereits im günstigen Einkauf liegt, so ist er doch kein Verfechter eines beinharten Value-Paradigmas. Für ihn sind die kontinuierliche Weiterentwicklung eines Unternehmens, ein hoher Bekanntheitsgrad sowie stetige Zuwächse bei Umsatz und Gewinn von ebenso hoher Wichtigkeit. Buffett liebt Konzerne, die über Markt- und Preissetzungsmacht verfügen. Vor diesem Hintergrund ist auch der Heinz-Kauf zu verstehen. Die Marke „Heinz“ kennt nicht nur in den USA jedes Kind. Mit Genugtuung verweist zudem Konzernchef William R. Johnson auf den seit inzwischen 30 Quartalen anhaltenden Wachstumskurs des Ketchup-Herstellers. Mit einer Nettomarge von in diesem Jahr voraussichtlich ca. 10% zählt Heinz zu den profitabelsten Nahrungsmittelkonzernen. All dies sind Argumente, die aus Sicht von Buffett für ein solches Investment sprechen.

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Eher Antizykliker als dogmatischer Value-Verfechter
„Price is what you pay, value is what you get“ („Preis ist, was man bezahlt, Wert ist, was man bekommt.“) ist ein Motto, das Warren Buffett geradezu schlafwandlerisch beherzigt. Seine finanzielle Stärke gepaart mit über einem halben Jahrhundert Börsenerfahrung erlaubt es ihm, nicht gleich bei jeder Kursbewegung in Aktionismus zu verfallen. Stattdessen baut er seine Positionen wie Wal-Mart, IBM oder Wells Fargo über einen Zeitraum von mehreren Jahren auf. Im Falle von IBM – die sich auch im Smart Investor Musterdepot befinden – erfolgte der Einstieg vor knapp zwei Jahren. Aus ursprünglich 4,5 Mio. Aktien wurden bis zum Ende 2012 rund 68,1 Mio. Anteile. Dabei ist Buffett auch bereit umzudenken und seine Meinung über ein Unternehmen und dessen Aktien wenn nötig zu ändern. So bewegte ihn erst IBMs Wandel vom Hardware-Hersteller zu einem global aufgestellten IT- und Service-Konzern zum Kauf weiterer großer Aktienpakete. Schocks, wie Lehman-Pleite und die dadurch beschleunigte Finanzkrise 2008 nutzt das „Orakel aus Omaha“ auf seine Weise. Als sich Finanztitel im freien Fall befanden, stockte Buffett seine Position an der US-Großbank Wells Fargo deutlich auf. Mit dieser Strategie und seiner Weitsicht wurde er zum erfolgreichsten Aktienanleger und zu einem klaren Verfechter eines antizyklischen Investmentansatzes. Wenn die Schere zwischen Börsenkurs und Unternehmenswert zu groß wird, schlägt schließlich die Stunde von Buffetts Value-Gen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Einzelhandels-Discounter Wal-Mart. Als sich dessen Notiz zwischen 2002 und 2011 unter Schwankungen lediglich seitwärts bewegte, gleichzeitig aber der Gewinn je Aktie um das Doppelte anwuchs, witterte Buffett ein gutes Geschäft. Am Ende sollte die Wall-Street-Legende auch mit dieser Einschätzung wieder einmal Recht behalten.

Zu den Märkten
Allerorten hört man das hohe Lied von der ausgestandenen Schulden- bzw. Euro-Krise. So verständlich es ist, dass man nach drei Jahren nichts mehr von der Krise hören mag, wir gehen davon aus, dass sie uns weiter begleiten wird, ja begleiten muss, weil die wesentlichen Probleme der überschuldeten Papiergeldwirtschaft bislang nicht ernsthaft angegangen wurden. Man muss also sehr deutlich zwischen dem unterscheiden, was uns der Mainstream zur Ablenkung und Zerstreuung liefert und dem, was unterhalb des Radars der Schlagzeilen tatsächlich passiert. Ein paar aktuelle statistische Daten, die Sie im Mainstream eher nicht auf den vorderen Seiten – falls überhaupt – finden, mögen dies verdeutlichen: Im Dezember 2012 brach in Griechenland der Auftragseingang der Industrie gegenüber dem Vormonat um satte 9,6% ein (Novemberwert -15%). In Italien sank der Auftragseingang der Industrie im Dezember um 15,3%. Auftragseingänge sind bekanntlich Frühindikatoren und die Zahlen sind von dieser Woche. Aber auch andere Zeitreihen sehen wirklich schlimm aus. Die Pkw-Neuzulassungen in den Ländern der EU27 gingen im Januar den 16. Monat in Folge zurück – um satte 8,7%! Die Zulassungszahlen erreichten damit den niedrigsten Wert seit diese Daten aufgezeichnet werden (1990).

Die Kfz-Industrie ist zudem eine europäische Schlüsselindustruie, die durch die massive, von Japan initiierte Schwäche des Yen noch zusätzlich unter Preis- und Wettbewerbsdruck kommt. Wie es zur dramatischen Yen-Abwertung und dem Start einer fulminanten Aktienhausse in Japan kam, das lesen Sie ausführlich in Smart Investor Ausgabe 3/2013, der diesen Samstag erscheint bzw. ab morgen für Abonnenten zum Abruf bereit steht. Dass eine „beggar my neighbour“-Politik, die über eine gezielte Aufweichung der eigenen Währung unfaire Vorteile gegenüber den Handelspartnern erzeugen soll, auch negative Effekte für einen selbst hat, zeigen die jüngsten Zahlen zum japanischen Außenhandel. Zwar stiegen im Januar die japanischen Exporte tatsächlich um 6,4% gegenüber dem Vorjahresmonat, nur stiegen die Importe schneller. Am schnellsten wuchs das Handelsbilanzdefizit und erreichte einen neuen Rekordwert. Das Dilemma der japanischen Wirtschaft ist natürlich, dass sie auf Importe, besonders Energie angewiesen ist, selbst wenn die Preise aufgrund des Verfalls der eigenen Währung steigen.

Musterdepot
Auch bei unserem Musterdepotwert Procter & Gamble (WKN 852062) mischt Warren Buffett kräftig mit. Seine Firma Berkshire Hathaway hielt zum Jahresende trotz zwischenzeitlicher Verkäufe noch knapp 2% der P&G-Papiere. Mit den jüngsten Zahlen und einem verbesserten Ausblick auf das aktuelle Geschäftsjahr gelang dem Wert zuletzt der Ausbruch auf ein neues Allzeithoch. Konzernchef Bob McDonald hatte dem weltgrößten Konsumgüterhersteller ein hartes Sparprogramm verordnet. Im Zuge dessen sollen bis zum Jahr 2015 die Kosten um 10 Mrd. USD sinken. Gleichzeitig will sich P&G zukünftig auf wenige neue Märkte und wenige Produkteinführungen konzentrieren. In der Vergangenheit hatte der Vorstand mit seiner aggressiven Expansionspolitik vor allem in den Emerging Markets die Gewinnsituation etwas vernachlässigt. Hinzu kam ein höheres Preisbewusstsein der Verbraucher, die in der Wirtschaftskrise immer öfter
zu günstigeren Konkurrenzprodukten griffen. Die Börse hört es gerne, wenn McDonald nun einen Anstieg beim bereinigten Gewinn je Aktie von 6% in Aussicht stellt und nebenbei ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 6 Mrd. USD auflegen möchte. Da wir in dem Papier ein defensives Investment sehen, das sich bei einer Fortsetzung der Hausse eher unterdurchschnittlich entwickeln dürfte, denken wir derzeit über Gewinnmitnahmen nach.

Unser Kauflimit von 69,50 EUR für 100 Aktien des Hamburger Modeschmuckkonzern Bijou Brigitte* (WKN: 522 950; akt. Kurs: 77,47 EUR) wurde erneut nicht erreicht und bleibt vorläufig im Markt.

Da unser Abstauber-Kauflimit für 200 BASF-Aktien (WKN: BASF11; akt. Kurs: 74,58 EUR) in Höhe von 68,40 EUR auch beim jüngsten Kursrücksetzer nicht erreicht wurde, streichen wir die Order, um die Liquidität anderweitig einsetzen zu können.

Statt dessen ordern wir eine erste Position im Umfang von 100 Aktien der Bilfinger SE (WKN: 590 900, akt. Kurs: 81,83 EUR) mit einem Limit von 81,20 EUR (Depotanteil ca. 2,7%) zur Eröffnung am morgigen Donnerstag. Der nach Marktkapitalisierung zweitgrößte deutsche Bau- und Baudienstleistungskonzern ist jüngst auf ein neues All-Time-High ausgebrochen und sollte ohne störende Widerstände weiter steigen können. Wir werden diese Position gegebenenfalls noch einmal aufstocken.

Mit der Metro AG wollen wir uns eine interessante Turnaround-Chance ins Depot legen. Nachdem sich der Kurs mehr als halbiert hatte, konnte der Abwärtstrend mittlerweile gebrochen werden und die Aktie vollendete bereits eine charttechnische Umkehrformation. Fundamental ist der Titel mit einem 2013er KGV von ca. 10 preiswert und etwas politische Phantasie enthält er auch. Sollte sich im Vorfeld der Bundestagswahl ein Wahlsieg jener Parteien abzeichnen, die sich wie SPD, Grüne und Linke für eine Stärkung des Inlandskonsums gegenüber dem Export einsetzen, sollte einer der bedeutendsten internationalen Handelskonzerne zu den Gewinnern gehören. Wir ordern 300 Stück der Metro Stammaktie (WKN: 725 750, akt. Kurs: 24,00 EUR) mit einem Limit von 24,00 EUR (Depotanteil ca. 2,5%) gültig ab morgen (Donnerstag) zur Eröffnung in Frankfurt.

Wie bereits angedeutet, befinden sich japanische Aktien in Hausselaune. Insbesondere Titel mit einer starken Exportorientierung sollten von der herbeigeführten Yen-Schwäche weiter profitieren. Für Toyota, den größten Kfz-Hersteller der Welt, liegt der Fall klar: Mit einem Schlag hat er Konzern einen zusätzlichen Spielraum von rund 25% gewonnen, den er für eine Mischung aus aggressiven Preissenkungen bzw. Ausstattungsverbesserungen und einer Stärkung seiner Eigenkapitalbasis ausnutzen kann – eine äußerst attraktive Situation für das Unternehmen. Da wir beim Yen selbst von einer weiteren Schwächeneigung ausgehen, ordern wir einen Optionsschein, bei dem grob gesagt, nur die Differenz zum Basispreis dem Abwertungsrisiko unterliegt. Wir ordern morgen zur Eröffnung 5.000 Stück des Toyota-Calls WKN SG3 UUE (Société Générale, Basis: 5.500 Yen, Laufzeit: 12.12.2014) mit einem Limit von 0,50 EUR (akt. Kurs 0,50 EUR). Der Depotanteil des Calls(!) entspricht dann zwar nur knapp 1,0%. Wirtschaftlich werden uns damit in etwa die Ergebnisse aus der Kursbewegung von 500 Toyota-Aktien im Gesamtwert von aktuell knapp 20.000 EUR zugerechnet.

Trennen werden wir uns von unserer Position in Royal Gold (WKN: 885 652, akt. Kurs: 50,50 EUR). Zwar sind wir nach wie vor von den positiven Langfristaussichten der Edelmetalle/Edelmetallaktien überzeugt und halten den Kursverfall nicht für gerechtfertigt. In der aktuellen Marktphase erscheinen uns andere Themen jedoch aussichtsreicher (vgl. Japan). Wir bauen daher unsere Übergewichtung im Edelmetallbereich ab und stellen 230 Stück Royal Gold mit einem Limit von 54,20 EUR auf Schlusskursbasis, gültig ab morgen (Donnerstag) in Frankfurt, zum Verkauf. Wir trennen uns also nur von der Aktie, falls es zu einer entsprechend deutlichen Gegenbewegung auf die vorangegangenen Verluste kommt.

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Musterdepot Fonds
Auch mit unserem Fondsmusterdepot wollen wir uns in Japan engagieren. Hierzu wählen wir einen gehedgten ETF-Fonds, den iShares Monthly Euro Hedged (WKN: A1H53P, akt. Kurs: 28,68 EUR). Die Besonderheit dieses Index-Fonds auf den MSCI Japan besteht darin ,dass er das Fondsvermögen regelmäßig gegen Währungsverluste absichert („Hedge“). Wir ordern eine erste Tranche von 200 Stück unlimitiert zur morgigen Eröffnung und weitere 200 Stück mit einem Limit von 27,20 EUR auf Basis des Schlusskurses in Frankfurt, wo das Papier ebenfalls gehandelt wird.

Veranstaltungshinweis
Am Wochenende vom 16./17. März findet in Fulda der Kongress „Plan & Perspektive – Existenzsicherung in Systemkrisen I“ statt. Der Veranstalter Sven Hermann Consulting (SHC) hat wieder ein sehr ansprechendes Programm zusammengestellt. Im Rahmen des Kongresses werden unter anderem Prof. Wilhelm Hankel, Claus Vogt und Rahim Taghizadegan Referate halten. Auch ein Redakteur des Smart Investor wird vor Ort sein. Weiterführende Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter diesem Link.

Fazit
Die Papiergeldschwemme sucht nach Anlagemöglichkeiten. Warren Buffett greift nach der Ketchupflasche von Heinz und lässt sich das einiges kosten. Auch Japan wird mehr und mehr ein Thema für die internationale Anlegergemeinde. Ausführliches zum Für und Wider eines Japan-Engagements und vieles mehr, erfahren Sie im Smart Investor 3/2013, der am kommenden Samstag erscheint bzw. ab morgen für Abonnenten (des Smart Investor) auch im Internet zum Abruf bereit steht.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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