Aktien-Update – Evotec

Das Scheitern ist gerade im Biotech-Sektor, wo viele Unternehmen keine Umsätze geschweige denn Gewinne erzielen, Teil des Geschäftsmodells. Immer wieder kommt es vor, dass Wirkstoffe in der klinischen oder vorklinischen Phase nicht die gewünschten Resultate zeigen. Die Hamburger Evotec (WKN 566480, aktueller Kurs: 3,64 EUR) musste nun einen solchen Rückschlag in ihrer Forschungs-Pipeline hinnehmen. So meldete Evotecs amerikanischer Entwicklungspartner Janssen Pharmaceuticals, dass ein Wirkstoff gegen Depressionen in einer präklinischen Studie bestimmte Wirkungseigenschaften nicht bestätigt habe. Eine sofortige Fortführung des Entwicklungsprozesses sei daher nicht gerechtfertigt. Damit würde auch keine Meilensteinzahlung an Evotec fließen, welche die Hanseaten eigentlich fest eingeplant hatten. Möglicherweise steht sogar das ganze Projekt, von dem sich Evotec im Erfolgsfall bis zu 100 Mio. USD an Einnahmen und Prämien erhofft hatte, vor dem Aus. Derzeit prüft Janssen alle Optionen. Als Konsequenz aus dem Rückschlag sah sich der Evotec-Vorstand gezwungen, sein Umsatzziel für 2013 von zuvor 90 bis 100 Mio. EUR auf nunmehr 84 bis 86 Mio. EUR zu korrigieren. Auch wenn das operative Ergebnis vor Wertberichtigungen möglicherweise wider Erwarten nicht über dem Vorjahresniveau liegen werde, so kalkuliere man doch mit schwarzen Zahlen. Immerhin: Die zuletzt auf 90 Mio. EUR angehobene Liquiditätsprognose wurde noch einmal ausdrücklich bestätigt.

SI-Kommentar: Obgleich dieser Rückschlag für Evotec sicherlich negativ zu werten ist, hat der TecDax-Konzern noch viele weitere Pfeile im Köcher. Allein seit Oktober ging Evotec vier neue Forschungsallianzen und Kooperationen unter anderem mit Johnson & Johnson und AstraZeneca ein. Mit letzterer soll ein Schlüsselmechanismus im Bereich der chronischen Nierenerkrankungen erforscht und identifiziert werden. Auch mit der Harvard University konnte ein Abkommen unterzeichnet werden. Beides trägt mittelfristig zu einer höheren Prognosesicherheit und Verbreiterung der Einnahmebasis bei. Daneben sammelte das Unternehmen fleißig weitere Meilensteinzahlungen aus Allianzen u.a. mit Boehringer Ingelheim und der belgischen UCB ein. Damit ist das Geschäftsmodell durchaus in Teilen mit dem einer MorphoSys vergleichbar, die vor allem auf Lizenzabkommen und Meilensteinzahlungen setzt. Nach dem Einstieg eines strategischen Investors Ende August setzte die Evotec-Aktie zu einem mehrmonatigen Höhenflug an, der inzwischen jedoch bereits zur Hälfte wieder abgebaut ist. Allein die heutige Kursspanne zwischen 3,35 und 3,69 EUR verdeutlicht den deutlichen Anstieg der Volatilität. Daher ist das Papier derzeit nur risikobereiten Anlegern oder Tradern zu empfehlen. Alle anderen sollten zunächst eine Beruhigung der Situation abwarten. In jedem Fall bietet die Aktie eine spannende, chancenreiche Biotech-Story, die sicher längst noch nicht auserzählt ist. Mit einem Liquiditätspolster von aktuell 90 Mio. EUR kann Evotec zudem auf einem gesunden finanziellen Fundament aufbauen. (MW)