Löcher in der Matrix – In „Sicherheit“?!

„Ukraine bringt Goldreserven in Sicherheit“ (finews.ch, 11.3.2014)

Die Nerven rund um die Ukraine liegen im Vorfeld der Volksabstimmung auf der Krim blank. Die Wahrheit ist schon vor dem Kiewer Regimewechsel gestorben – es regiert die Desinformation. Da lässt eine Geschichte aufhorchen, die das Schweizer Portal finews.ch vom ukrainischen Nachrichtenportal „Iskra-News“ übernommen hat. Praktisch in einer Nacht- und Nebelaktion und „in großer Eile“ sollen die neuen Machthaber der Ukraine die Goldreserven des Landes „in Sicherheit“ gebracht haben – also in die USA. Ähnlich „gesichert“ sind bekanntlich auch große Teile der deutschen Goldreserven. “Vierzig schwere Kisten“ sollen „in zwei Kleinbussen ohne Nummernschild“ angeliefert worden sein. Das klingt nach Popcorn-Kino und geschüttelten Martinis.

Falls die Sache sich also so oder so ähnlich zugetragen haben sollte, lassen sich aus der Episode einige interessante Schlussfolgerungen ziehen:

1. Offenbar werden in der Ukraine sehr viel stabilere Kleinbusse verwendet als hierzulande. Eine Zuladung von mehr als 20 Tonnen pro Bus ist so respektabel, dass zwei Kleinbusse ausreichten, um den gesamten ukrainischen Goldschatz von 42,3 Tonnen aufzunehmen. Gewiss, unsere ukrainischen Kleinbusfahrer könnten auch mehrere Fuhren gemacht haben – in etwa so wie bei einem Studentenumzug.

2. Gemessen an der ukrainischen Hauruckaktion wirken die Bedenken und Einwände der Deutschen Bundesbank hinsichtlich transatlantischer Goldtransporte doch arg unbeholfen. Dies umso mehr, als die Sicherheitslage für Werttransporte in der Ukraine derzeit wohl schlechter sein dürfte als in Deutschland. Vielleicht sollten sich die zuständigen Bundesbank-Logistiker einfach einmal in Kiew erklären lassen, wie sowas geht?

3. Die Mühelosigkeit, mit der der komplette ukrainische Goldschatz in die USA geliefert worden sein soll, legt vor dem Hintergrund der deutschen Bemühungen um einen Rücktransport des eigenen Goldes den Schluss nahe, dass Gold in diesen speziellen „sicheren Hafen“ sehr viel leichter hinein- als wieder herauszubekommen ist.

Und ob die ganze Geschichte wirklich wahr ist, werden wir vielleicht irgendwann einmal erfahren, oder auch nicht. Denn im Krieg und beim Gold stirbt die Wahrheit noch bevor der erste Schuss gefallen ist.

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