Löcher in der Matrix – „Zuffenhausen – wir haben ein Problem“

„Qualitätsprobleme: Neuer Rekord bei Rückrufen“ (spiegel.de vom 30.4.2014)

Die Älteren werden sich noch erinnern: Als die seligen Apollo-Missionen im Orbit umherschwirrten gab es bei technischen Schwierigkeiten eine Meldung, die bald zum geflügelten Wort wurde: „Houston – wir haben ein Problem.“ Heute rücken die automobilen Kontrollzentren in den Mittelpunkt. „Zuffenhausen – wir haben ein Problem“ – nämlich abfackelnde Nobel-Porsches wegen defekter Pleuelstangenverschraubungen. „Detroit – wir haben ein Problem“ – nämlich blockierende Zündschlösser während der Fahrt bei GM-Modellen. „Hiroshima – wir haben ein Problem“ – nämlich wegen Spinnen im Tank von Mazda-Fahrzeugen.

An Problemen herrscht kein Mangel. „Das Jahr 2014 war noch keine Woche alt, da hatten bereits drei Hersteller Rückrufaktionen für insgesamt 32.431 Fahrzeuge gestartet: Volvo, Land Rover und Aston Martin. Eine Woche später kamen rund 1,9 Millionen Toyota Prius hinzu – wegen eines Software-Fehlers. Im Februar folgten 785 Porsche 911 GT3, die zurückgerufen wurden. Danach waren es 4,2 Millionen Modelle von GM, 886.000 von Honda, 990.000 von Nissan, 868.000 von Chrysler, 6,6 Millionen von Toyota und 489.000 von BMW“ an der Reihe, berichtet das Nachrichtenmagazin. Statistisch betrachtet werden mehr Fahrzeuge zurückgerufen als ausgeliefert. Hyundai-Kia kam in den USA demnach auf eine Quote von 2,62. Also für 100 ausgelieferte Fahrzeuge wurden 262 zurückgerufen.

Dabei geriert sich die Automobil-Industrie so gerne als die Branche mit den höchsten Qualitätsstandards. Zulieferer werden strengstens zertifiziert, ppm-Anforderungen von unter zehn sind darunter zu finden. Dabei ist es wohl doch nicht soooo weit her mit „german“, „japanese“ oder „american engineering“.

Liest man Analystenempfehlungen zu Automobilaktien, werden die Gleichteilestrategie stets positiv bewertet und Dinge wie der modulare Querbaukasten bei Volkswagen hervorgehoben. Angesichts der immens hohen Rückrufquote, ein defektes Teil pflegt gerne mal in fast allen Modellen verbaut zu sein, scheint eher die gegenteilige Auffassung Sinn zu machen: Gleichteile senken keineswegs die Kosten, sondern sind ein immenses Risiko. (spr)

<- Vorheriges Loch          Nächstes Loch ->