Der CAC 40 schlägt neuerdings den DAX

Foto: iStock / Iakov Kalinin

Seit Beginn der laufenden Hausse im März 2009 waren die Kräfteverhältnisse zwischen Deutschland und Frankreich an der Börse klar verteilt. Der deutsche Leitindex DAX schlägt das französische Pendant CAC 40 um Längen, lautete das Motto. Doch in diesem Jahr läuft es für den CAC 40 plötzlich etwas besser als für den DAX. Mit den Konjunkturdaten lässt sich dieser Rollentausch aber nicht erklären. Während die Wirtschaft in Frankreich im Quartalsvergleich in den ersten drei Monaten stagnierte, verbuchte Deutschland ein Wachstum von 0,8%. Die Volkswirte von Morgan Stanley rechnen zudem für 2014 und 2015 nur mit Zuwächsen beim Bruttoinlandsprodukt von 0,6% und 1,2%. Keine Fortschritte gibt es auch beim leidigen Thema Staatsverschuldung. Die EU-Kommission sieht das Defizit im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt 2014 bei 3,9% und 2015 bei 3,4%. Erlaubt sind laut Maastrichter Neuverschuldungskriterium aber nur 3%. Der gesamte Schuldenberg wird demnach bis Ende nächsten Jahres auf ungesunde 96,6% der Wirtschaftsleistung steigen.

Quellen: INSEE, Morgan Stanley Research
Quellen: INSEE, Morgan Stanley Research

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viel Kritik an der Wirtschaftspolitik
Auch weil die volkswirtschaftlichen Probleme schon lange ungelöst vor sich hin schwelen, verlieren immer mehr Beobachter die Geduld. Klare Kritik übt unter anderem Portfolio-Manager Daniel Zindstein vom Finanzdienstleister Gecam. „Das Land hat seit Einführung der Währungsunion stetig Wettbewerbsfähigkeit verloren. Die Staatsquote liegt bei rund 57% und bildet zusammen mit den Lohnkosten die negative Spitze innerhalb der EWU.“

*) im Zeitraum von 2000 bis 2012; Quellen: OECD, Haver, UBS
*) im Zeitraum von 2000 bis 2012; Quellen: OECD, Haver, UBS

Einem Weckruf gleicht auch der Appell von Bruno Cavalier, Chef-Volkswirt von der Fondsgesellschaft Oddo & Cie.: „Die Stagnation spiegelt die Politik der Vorjahre wider. Steuererhöhungen ohne Reduzierung des öffentlichen Sektors, halbherzige Reformen, die niemand zufrieden stellten. Den Worten müssen jetzt so schnell wie möglich endlich Taten folgen.“ Die Rolle des Sündenbocks bekommt derzeit vor allem der französische Präsident François Hollande zugewiesen. Seine Umfragewerte sind miserabel und auch bei der Übernahmeschlacht, die sich Siemens und General Electric um den Elektrokonzern Alstom liefern, macht die Regierung nicht die beste Figur. Als Reaktion darauf hat der Staat seine Befugnisse zum Blockieren von Übernahmen aus dem Ausland neben dem Verteidigungsbereich auch auf Sektoren wie Energie, Ausrüstung, Anlagen oder Transport erweitert. Das passt zwar zu dem Eindruck, wonach Frankreich – mehr als es vermutlich gut ist – auf den Staat setzt, der Fairness halber sei aber an vergleichbare Vorgaben auch in anderen Ländern wie etwa den USA erinnert.

 

Erste Reformansätze erkennbar
Nicht unterschlagen werden sollen auch die Anstrengungen zur Wirtschaftsbelebung, die unter dem neu berufenen Ministerpräsidenten Manuel Valls unternommen werden. Die beschlossenen Maßnahmen beinhalten neben Steuersenkungen für Unternehmen von 30 Mrd. EUR Ausgabenkürzungen von 50 Mrd. EUR. Auch sonst versucht man sich an Reformen, was von Deutschland nicht behauptet werden kann. Ob die Vorhaben ausreichen, um das Ruder herumzureißen, bleibt zwar abzuwarten. Aber immerhin bewegt man sich, und das dürfte mit der Grund dafür sein, warum die französische Börse wieder mehr Beachtung findet. Mit einem geschätzten Markt-KGV von 14,6 für 2014 ist die Bewertung zwar nicht extrem günstig, aber dank der erwarteten Steigerungen bei den Unternehmensgewinnen soll sich das KGV für 2015 auf 12,9 ermäßigen. Außerdem haben die Ergebnisse viel Luft nach oben, falls die Wirtschaft anspringt und auf Unternehmensebene die Restrukturierungen greifen. Laut den Analysten der Société Générale haben französische Aktien mehr Aufmerksamkeit verdient und in dieser Haltung sehen sie sich auch durch die jüngsten M&AAktivitäten (Interesse an Alstom, Zusammenschluss der Zementkonzerne Holcim aus der Schweiz und Lafarge) bestätigt. Auch das neue Übernahmegesetz werde diesen neuen Trend nicht stoppen und bis Ende 2016 trauen sie dem CAC 40 Index einen weiteren Anstieg um 57% auf 7.000 Punkte zu.

Fünf Einzelempfehlungen
Mit 7.000 Punkten wäre auch endlich der aus dem Jahr 2000 stammende Rekord von 6.922 Punkten aus dem Weg geräumt. … Alles weitere in der aktuellen Ausgabe 6/2014 des Smart Investors ab Seite 6..