Löcher in der Matrix – IronNet statt Internet

„Das Cyber-Konglomerat“ (www.zeit.de)

Die größte Ironie gleich mal vorweg: Keith Alexander, langjähriger Chef der NSA und gewissermaßen Gestalt gewordene Schnüffelei, verdient jetzt Geld damit, Unternehmen vor Ausspähung zu beschützen. Die Firma heißt IronNet Cybersecurity. Hört sich irgendwie nach Raumpatrouille Orion an, ist aber ernst gemeint.

Die Firma will also vor dieser bösen Ausspähung durch böse Mächte, die amerikanischen Unternehmen das Know-How oder große Adressbestände klauen, schützen. Das ist natürlich eine klassische Unique Selling Proposition: Lassen Sie sich vom dem Mann beraten, der die größte Schnüffelorgie der Welt in Gang gesetzt hat – der weiß, wie es geht. Doch halt: Die NSA kämpft doch gegen Terrorismus und weist jeden Verdacht der Wirtschaftsspionage, etc. weit von sich. Hat der Mann womöglich gar keine Ahnung vom Spezialgebiet? Wahrscheinlich ist es so, dass die NSA schon Ahnung darin hat und jede Firma ausspähen könnte – aber das natürlich nie und nimmer machen würde, weil man sich ja streng an Gesetze hält und außerdem ja auf der Seite der Guten steht.

Deutlich wird durch den Wechsel aber auch: Das ungeheure Ausmaß des Ausspähens ist ja nur möglich, weil sich eine Ausspäh-Industrie entwickelt hat. Diese Verflechtungen zwischen Staat und Unternehmen potenzieren die Bedrohung, denn so lassen sich auch noch die letzten Reste der ohnehin geschleiften gesetzlichen Beschränkungen umgehen. Man kennt das ja vom Outsourcing von Folter und Entführung. Im Zusammenhang mit Bösewicht-Staaten wird dann immer gerne der Begriff des „Halbstaatlichen“ benutzt.

Bock Keith Alexander ist jetzt also Gärtner und beschützt Unternehmen vor Ausspähung. Keine gute Nachricht für die Freiheit, die zusehends gemeuchelt wird. Denn: Der Mörder ist ja immer der Gärtner.

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