Löcher in der Matrix – Wer hat´s erfunden?

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Draghis gefährliche Notbremsung“ (www.sueddeutsche.de, 4.9.2014)

Was für ein Wehklagen geht durch die Mainstream-Presse: EZB-Chef Draghi hat angekündigt, den Banken im Euroraum verbriefte Kreditportfolios, so genannte Asset Backed Securities (ABS), abzukaufen. Das Antiblockiersystem in Fahrzeugen sei eine sinnvolle Erfindung, lässt sich etwa ein Kommentator der „Süddeutschen“ aus, „die drei Buchstaben ABS stehen aber auch für eine andere, höchst zweifelhafte Erfindung, die nicht kluge Autoingenieure ersonnen haben, sondern neunmalkluge Investmentbanker. ABS: So hieß auch ein Teil jener Kreditpakete, die vor sieben, acht Jahren von Banken und Fonds geschaffen und zuhauf um den Globus verschoben wurden. Und die schließlich mit dazu beigetragen haben, dass die Finanzmärkte kollabierten, weil am Ende niemand mehr wusste, wer eigentlich wem wie viel Geld geliehen hatte und wer dabei welches Risiko eingegangen war.“

So weit, so falsch. Um mit einer schweizer Bonbon-Werbung zu fragen: Wer hat’s erfunden? ABS wurden eben nicht von gierigen Investmentbankern erfunden, sondern von Beamten einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung, der Government National Mortgage Association, umgangssprachlich Ginnie Mae, einer dem US-Wohnbauministerium angegliederten Behörde. Die Erfindung datiert auf den Februar 1970. Und es waren Politiker, nicht Banker, die ab den 1980er-Jahren, einerseits die Regulierung lockerten, um die Idee ABS in vielfältigen Variationen zu ermöglichen, und mit erhöhten Eigenkapitalanforderungen (Baseler Ausschuss für Bankaufsicht) die weitere Ausbreitung von ABS-Konstruktionen begünstigten.

Jetzt werden Ängste geschürt, dass die (laut Warren Buffett) „Massenvernichtungswaffen“ durch die EZB wieder hoffähig gemacht würden, gewissermaßen die kommende Finanzkrise gesät werde. Dabei sind Verbriefungen nicht das Problem, ebenso wie Optionen, Futures oder was auch immer für Derivate an sich kein Problem darstellen. Vielmehr sind dies alles sinnvolle, zielführende Instrumente zur Risikosteuerung. Das Problem liegt in der zügellose Spekulation, die sich von jeder Geschäftsrationalität entkoppelt hat. Da aber die EZB nicht im Verdacht steht, mit den angekauften Papieren zu spekulieren, ist das ganze Wehklagen sehr übertrieben. Doch heutzutage scheint allein die Nennung dieses Finanzinstruments auszureichen, Horrorszenarien auszumalen. Hilfreich ist das nicht.

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