Löcher in der Matrix – Polizist, ärgere Dich nicht

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„IOS 8: Apple ärgert die Polizei“ (www.zeit.de, 18.9.2014)

Von der Polizei beschlagnahmte iPhones werde Apple in Zukunft nicht mehr auslesen können. Das berichtet www.zeit.de. Bisher konnte Apple, wie andere Hersteller auch, auf einige Daten zugreifen, die auf einem Gerät mit iOS 7 oder einer älteren Version des Betriebssystems gespeichert waren. Behörden übergaben Apple beschlagnahmte Geräte, die das Unternehmen per richterlichem Beschluss auslesen musste. Mit dem neuen Betriebssystem iOS 8 werde sich das ändern. Die bisher nur hardwareseitig verschlüsselten Daten werden nun auch verschlüsselt gespeichert. Schon wehklagt das FBI, man werde nun viele Verbrecher nicht mehr fassen und viele Verbrechen nicht mehr verhindern können. Da fragt man sich: Wie hat die Polizei Verbrecher gefasst und überführt, als es Smartphones noch nicht gab?

Sicherheitsforscher hoffen nun, dass Apple mit der Maßnahme so etwas wie einen Datenschutz-Wettbewerb unter den Herstellern auslöst, berichtet www.zeit.de weiter. Das ist eine wunderbar romantische Vorstellung, doch Romantik hilft nicht weiter. Zunächst einmal zielt der Artikel ausgesprochen treffsicher daneben: Niemand hat etwas dagegen, wenn über das Datenauslesen von Smartphones Gewaltverbrecher überführt werden. Das ist nicht das Thema. Sondern die völlig maßlose, verdachtsfreie Ausspähung der Bürger. Hier allerdings wird der Zusammenhang so konstruiert, dass derjenige, der für umfassenden Datenschutz ist, der Polizei die Arbeit erschwert. Das ist infam.

Die Hoffnung auf einen Datenschutz-Wettberwerb verkennt, dass Apples Geschäftsmodell nicht auf der Verwendung von Nutzerdaten basiert – was sich zum Beispiel bei Google und auch Amazon anders darstellt. Außerdem: Eine Vorschrift, die verschlüsselte Speicherung von Inhalten auf Smartphoes verbietet, wäre im Zweifelsfall schnell erlassen – wenn FBI und Geheimdienste nicht ohnehin anderweitig an die Daten kämen. Dieses Hase-und-Igel-Spiel können Unternehmen gegen die Legislative nicht gewinnen. So bleibt nur eine Erkenntnis: Im Marketing hat Apple nach wie vor nichts verlernt. Ärgerlich wird es, wenn in Medien vorgegaukelt wird, das Update eines Betriebssystem könne die US-Behördern ärgern.

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