Löcher in der Matrix – Alles geht

Loch_39.jpg„Deutsche Warhols bringen 135 Millionen Dollar“  (13.11.14, sueddeutsche.de)

Eine deutsche Spielbank-Gesellschaft hat zwei Kunstwerke von Andy Warhol für 135 Mio. USD verkauft. Die Bilder waren einst von der Landesbank Westspiel zum Schmuck der Aachener Spielbank angekauft worden. Die Westspiel ist ein landeseigener Betrieb, der die beiden Werke Ende der 70er-Jahre für zusammen 185.000 USD angeschafft hatte. „Der Verkauf beider Bilder ist in Nordrhein-Westfalen hochumstritten. Kritiker befürchten einen Einstieg in den Ausverkauf der landeseigenen Kunst, um Haushaltslöcher zu stopfen“ berichtet die Süddeutsche.

Also zunächst und allererst ist das ja mal eine ordentliche Rendite. Von öffentlichen Gesellschaften wünschte man sich häufiger ähnliche Geschäftstüchtigkeit, egal, ob sie Flughäfen, Konzerthäuser oder Autobahnbrücken baut: Alles geht statt rien ne va plus! Schon denken weitere Institutionen über Verkäufe nach. Wenn man bedenkt, was an Kunst in den Vorstandsetagen von Banken, Versicherungen und Unternehmenszentralen herumhängt kann das nächste Rettungspaket ja wirklich kleiner ausfallen.

Der Vorgang zeigt zudem, ganz unabhängig davon, wie man das Oeuvre des Amerikaners kunsthistorisch bewertet: Offensichtlich ist weltweit viel zu viel Geld unterwegs. Anders sind die aufgerufenen Preise nicht zu begreifen. Inflation also, und zwar in Reinkultur. Bei Immobilien ist in den Zentren ähnliches zu sehen, und übermäßig lange wird es nicht mehr dauern, bis die Geldentwertung auch im Supermarkt ankommt – ungeachtet der niedrigen Zahlen, die offiziell ausgewiesen werden.

Kunst, Oldtimer, edle Chateauxs, seltene Postwertzeichen – in Zeiten niedriger Zinsen erfreuen sich tangible Güter wachsender Wertschätzung. Auch dies klare Vorboten inflationärer Zeiten.

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