Löcher in der Matrix – Massenweise Knallerpreise

„Darum ist die Ölpreis-Talfahrt auch gefährlich“ (www.bild.de)

Kein Tag ohne Meldung, wohin der Ölpreis ganz aktuell – Achtung: Wortspiel! – abgeschmiert ist. Man könnte ja denken: Feine Sache. Kraftstoff wird immer billiger, das entlastet Privathaushalte ebenso wie Unternehmen. Konjunkturprogramm vom Feinsten also. Wo, bitte, ist das Problem?

Scheinbar gibt es eines. Denn ebenso kein Tag vergeht ohne Warnung, dass das mit dem sinkenden Ölpreis auch irgendwie gefährlich sei: Das böse Wort von der Deflation macht die Runde. Ständig wird den Menschen eingeredet, dass eine Inflationsrate um 2% das allerbeste für die Wirtschaft und das allgemeine Wohlbefinden ökonomischer Prozesse sei. Gebetsmühlenartig wird vor der Deflations-Spirale gewarnt: In Erwartung stetig fallender Preise könnten Verbraucher und Unternehmen Käufe zurückstellen, weil es in überschaubarer Zeit bald noch billiger werden könnte. So ein Verhalten würde die Wirtschaft abwürgen.

Mal abgesehen davon, dass man mit leerem Tank eher selten an der Zapfsäule wartet, dass der Sprit nochmal im Preis nachgibt: Hier wird offenbar eine Art selbsterfüllende Prophezeiung errichtet. Aus Sicht der österreichischen Schule sind fallende Preise ja grundsätzlich positiv für das Wirtschaftssystem, da so Mittel für Konsum und Investitionen frei werden. Und warum das in anderen Denkansätzen anders sein soll wird nicht so recht deutlich.

BILD erklärt das zum Beispiel mit der Wirtschaftskrise in Russland: „Schon jetzt verschärft der Rubelverfall die Krise der deutschen Maschinenbauer. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres seien die Maschinenbauexporte in das Land um 16 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro gesunken, teilte der Branchenverband VDMA mit.“ Welche Krise eigentlich, und was sind schon 4,9 Mrd. EUR gegen die Einsparungen – und wer beweist, dass es da einen Zusammenhang mit dem Ölpreisverfall gibt?

Es ist offenbar so, dass mit aller Kraft dieses 2%-Inflationsziel verteidigt wird. Das freilich braucht der Verbrauer nicht, und innovative Unternehmen mit neuen Produkten auch nicht. Inflation wird vor allem gebraucht, um bei Null- oder Negativzinsen immense Staatsverschuldungen wegzuinflationieren und das Verhältnis von Schulden zu Wirtschaftsleistung Stück für Stück zu verbessern. Das Beharren auf dem Inflationsziel kann nicht zuletzt der Begründung von Steuererhöhungen dienen: Zur Not muss das Ziel eben fiskalpolitisch erreicht werden.

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