Löcher in der Matrix – Wo die Freundschaft aufhört

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Texas misstraut dem Fed“ (Finanz und Wirtschaft, 27.6.2015)

Wie Leser dieser Rubrik wissen, finden sich im deutschen Mainstream zu kontroversen Themen selten nützliche Fakten. Unsere Leitmedien übernehmen vor allem zwei Funktionen: Sie erklären uns die Welt, so wie wir sie sehen sollen und sie schirmen uns von denjenigen Informationen ab, die dieses Weltbild in Frage stellen könnten.

Die Schweizer Presselandschaft ist da noch vielfältiger. Auch die dortige Wirtschaftspresse zeichnet sich durch einen tendenziell ideologieärmeren Blick auf die Geschehnisse aus. Weniger Denk- und Schreibhemmungen führen fast zwangsläufig zu einer vollständigeren und kompetenteren Berichterstattung. Ein schönes Beispiel in dieser Hinsicht ist die Nachricht, dass der US-Bundesstaat Texas ein „eigenes Goldlager für seine Reserven“ bauen will. Ein entsprechender Hinweis fand sich in den Wirtschaftsteilen der deutschen Leitmedien praktisch nicht. Nachdem man sich dort regelmäßig abmüht, dem Publikum zu erklären, wie hoffnungslos „out“ Gold eigentlich ist, wäre der texanische Alleingang für den einen oder anderen Leser in der Tat verstörend. Denn die Texaner wollen ihr ach so nutzloses Gold künftig lieber innerhalb der Grenzen des eigenen Bundesstaates wissen.

Schon gar nicht würde ein renommiertes Blatt – und „Finanz und Wirtschaft „ ist ein höchst renommiertes Blatt – die zentrale Botschaft „Texas misstraut dem Fed“ prominent in die Überschrift setzen. Das würde ja bestätigen, dass Initiativen wie „Holt unser Gold heim!“ (www.gold-action.de) eben nicht nur Ausdruck von „German Angst“ sind, sondern eine Sorge ausdrücken, die man auch anderenorts teilt. Und jetzt ausgerechnet die Texaner, deren Gold sogar im eigenen Land liegt bzw. liegen soll – allerdings in zweifelhafter Obhut. Denn als konkreten Grund für die Maßnahme nennt der Autor „die Unsicherheit, die Hinterlegung und Aufbewahrung von Gold seitens Banken und Zentralbanken mit sich bringt.“ Spätestens hier wären im bundesdeutschen Mainstream alle Alarmglocken angegangen. Die Worte „Zentralbank“, „Aufbewahrung von Gold“ und „Unsicherheit“ gehören einfach nicht in ein und denselben Satz. Aber es kommt noch besser: „In vielen[!] Fällen sind Anrechte an Gold nicht zu 100% mit physischem Gold gedeckt.“ Diese Aussage zielt direkt auf das Tabuthema des „Papiergold-Betrugs“, bei dem durch den massenhaften Einsatz von Gold-Futures der Preis für physische Ware gedrückt werden soll. Am eindrücklichsten sei das an der Terminbörse COMEX zu sehen, „wo teilweise nur rund 5% der offenen Kontrakte mit physischem Gold hinterlegt sind.“

Und weil das alles noch nicht genug ist, wird auch gleich noch das Motiv hinter dem Motiv benannt: „das fehlende Vertrauen in das staatliche System und dessen Papierwährung.“ Auch beim Gold hört also die Freundschaft auf – und das nicht nur in Texas.

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