„Stopp-Loss-Strategien sind etwas für die Grundschule“

Udo Sutterlüty

Interview

Smart Investor im Gespräch mit Udo Sutterlüty, Sutterlüty Investment Management GmbH, über M&A in der Goldminenbranche und Profitgewinnung aus der Milchrevolution

 

Smart Investor: Im SUNARES-Fonds können Sie in ein breites Spektrum von Aktien aus dem Bereich Natural Resources investieren. Inwieweit haben Top-down-Aspekte Einfluss auf die Allokation der einzelnen Sektoren?

Sutterlüty: Konjunktur und Wirtschaft bestimmen die Nachfrage, die Unternehmen und die Preise entscheiden, was mengenmäßig angeboten wird. Dazu kommen noch staatliche Einflüsse, die es zu berücksichtigen gilt, etwa Verbote bestimmter Energieformen (z.B. Nuklear- und Kohleenergie), Zoll- und Handelskonflikte oder der Brexit. Der Top-down-Ansatz nimmt bei der Berücksichtigung und Gewichtung der Sektoren, Länder und Devisen in unserem Fonds eine wichtige Stellung ein. Da wir keine Derivate einsetzen, ist eine erfolgreiche Sektorenauswahl für das Risikomanagement von immenser Bedeutung. Obwohl wir immer quasi zu 100% investiert waren, ist es uns gelungen, laut Citywire Deutschland im Aktienfondssektor „Bodenschätze“ per Ende Februar für den Zeitraum von fünf Jahren den ersten Platz beim „maximalen Verlust“ zu erzielen. Beim Gesamtertrag lagen wir im obersten Viertel der Vergleichsfonds.

Smart Investor: Welche Bottom-upFaktoren bestimmen die Aktienauswahl?

Sutterlüty: Zu den wichtigsten Faktoren zählt für uns ein solides und integres Management mit kaufmännischem Denken und Fokus auf nachhaltigem Erfolg. Berücksichtigt werden auch Wachstumspotenziale und ESG-Faktoren. ValueFaktoren wie etwa KGV, KCV und
Dividendenpolitik spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Vervollständigt wird das Bild durch die technische Analyse. Zusätzlich nutzen wir Peergroup- und Sektorenvergleiche, um Relative Stärken zu untersuchen. Stopp-Loss-Strategien sind aus unserer Sicht etwas für die Grundschule, die hohe Kunst des Investierens ist „riding the bull“. Eine unser Top-TenPositionen, der Goldproduzent Northern Star Resources, stieg von 2010 bis Ende Februar 2019 um 27.300%. Wie viele Anleger halten da durch und verkaufen nicht schon, wenn sie 100% oder 200% Performance gemacht haben?

Smart Investor: Wohl wahr … Trotz schwacher Konjunkturdaten ist der Kupferpreis gestiegen. Sie haben dieses Segment im Fonds seit Februar höher gewichtet. Woraus resultieren die positiven Perspektiven?

Sutterlüty: Hauptproblem des Kupfermarktes ist, dass die Erzgehalte seit 20 Jahren ständig fallen. Noch bei 1,5% im Jahre 1999, liegen wir aktuell nur noch bei 0,5%. Im Prinzip benötigen wir 2 Tonnen erzhaltiges Gestein für 1 Kilogramm Kupfer. Bedenkt man, dass ein Elektroauto zwischen 80 und 90 Kilogramm Kupfer benötigt, im Vergleich zu 10 bis 20 Kilogramm für ein herkömmliches, sowie dass ein Hybridantrieb etwa bei 40 bis 50 Kilogramm liegt und Elektrobusse gar 350 bis 400 Kilogramm Kupfer benötigen, wird deutlich, was für zusätzliche Nachfrage allein aus der Transportindustrie kommen wird. Fast die Hälfte des Kupfers wird für Bau und Infrastruktur verbraucht. Dortkommt zunehmend Technologie für mehr Effizienz und nachhaltigere Lösungen mit zusätzlichem Kupferbedarf zum Einsatz.

Smart Investor: Mit Barry Callebaut und a2 Milk sind unter den Top-Holdings ein Schokoladen- und ein Milchunternehmen. Was gefällt Ihnen an den Aktien?

Sutterlüty: Bereits im Oktober 2017 haben wir im Smart Investor die a2 Milk Company als eines unserer favorisierten Investments erwähnt. Damals lag der Kurs bei 7 AUD. Heute notiert die Aktie bei 13 AUD:  Mittlerweile handelt es sich hierbei um das größte Unternehmen an der neuseeländischen Aktienbörse. Die Firma ist der Leader einer globalen A2-Milchrevolution, die die herkömmlichen Milchprodukte, die auf dem A1-Beta-Kasein basieren, dadurch verdrängt, dass A2-Milch besser verträglich ist und keine Laktoseintoleranzen auftreten, was sie besonders für den asiatischen Absatz interessant macht.
Das Unternehmen wächst nicht nur am Heimatmarkt, sondern auch in China und den USA extrem stark. 2018 konnte sie ihr EBITDA auf 283,0 Mio. NZD verdoppeln. In den USA stieg der Milchabsatz um 114%, inzwischen gibt es dort A2-Milch in über 10.000 Märkten zu kaufen. Auch Marktführer Nestlé startete jüngst mit einer eigenen A2-Milchvariante, muss aber akzeptieren, dass ihm das Wichtigste noch fehlt: eine reine A2-Milch-Kuhherde, wie sie Neuseeland die letzten 20 Jahre unbemerkt gezüchtet hat. Barry Callebaut als einer der weltweit führenden Schokolade- und Kakaoproduzenten stellt in unserem Portfolio nicht nur einen sicheren Anker im Schweizer Franken dar, sondern bietet auch noch eine interessante Wachstumsstory.

Smart Investor: Mit knapp 20% sind aktuell Goldminen am stärksten im Sunares gewichtet. Darüber hinaus machen momentan Übernahmen in der
Goldminenbranche die Runde. Wie beurteilen Sie die Entwicklung, und auf welche Goldminen sollten Anleger vor diesem Hintergrund setzen?

Sutterlüty: Die schwierige Kunst bei Goldaktieninvestments ist es, die Perlen mit guten Minenprojekten und weitsichtigem, integrem Management zu finden sowie die Kapitalvernichter zu meiden, von denen es leider noch (zu) viele gibt. Mark Bristow, Ex-CEO von Randgold Resources, das vor Kurzem von Barrick Gold übernommen wurde, meinte, die Goldminenindustrie wird gerade von einer Übernahmewelle erfasst, da es zu wenige gute Minenprojekte mit zu vielen Managementteams gibt. Daraus resultiert die Notwendigkeit einer Neuorganisation. Investoren sollten in diesem Sektor nach wie vor auf Qualität achten.

Smart Investor: Herr Sutterlüty, vielen Dank für die Ausführungen.

Interview: Christian Bayer

 

Über Udo Sutterlüty
Udo Sutterlüty ist diplomierter Betriebswirt. Er begann seine Laufbahn 1990 als Market-Maker und Chefhändler bei Creditanstalt-Bankverein an der ÖTOB in Wien. Weitere berufliche Tätigkeiten an der CBOT in Chicago und als Senior Trader bei REFCO in London folgten. Danach war er bei der Raiffeisenbank Kleinwalsertal AG zehn Jahre lang als Treasurer und Fondsmanager für fünf Walser-Fonds tätig. 2008 gründete er sein eigenes Unternehmen, die Sutterlüty Investment Management GmbH, und den SUNARES-Fonds, welchen er gemeinsam mit seinem Partner Colin Moor in London veranlagt.