„Unser Investmentansatz ist wissenschaftlich, nicht »storygetrieben«“

Lutz Klaus

Interview

Smart Investor im Gespräch mit Lutz Klaus, Tungsten Capital, über den Investmentansatz des Tungsten PARITON UI (WKN: A1W893) und warum Hebel nicht gleich Risiko ist

 

Smart Investor: Herr Klaus, wie würden Sie den Investmentansatz des Tungsten PARITON UI beschreiben?
Klaus: Unser Ziel ist es, klassische Risikoprämien zu verdienen, und zwar Aktien-, Laufzeiten- und Kreditrisikoprämien. Wir investieren Long only in Assets, die aufgrund ihrer inhärenten Risikoprämie eine positive erwartete Rendite gegenüber dem Geldmarkt haben. Dabei achten wir auf höchstmögliche Streuung und Effizienz, wohl wissend, dass es Grenzen der Diversifikation gibt. Zudem helfen wir mit Absicherungen nach, um das Portfolio allwetterfest zu machen.

Smart Investor: Worin unterscheidet sich der Fonds von traditionellen Multi-Asset-Fonds?
Klaus: Das Besondere an dem Fonds ist die Investmentphilosophie hinter der Portfoliokonstruktion. Wir arbeiten ausschließlich auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen, wir jagen keinem Alpha hinterher und sind frei von Timinggedanken bzw. von der Illusion, potenzielle Top-Performer aufgrund von Marktanalysen zu finden. Langfristig ist die Sharpe Ratio von Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen in etwa gleich. Kurzfristig sind Prognosen über Gewinner und Verlierer schlichtweg nicht möglich. Daher konzentrieren wir uns auf die größtmögliche Nutzung von Diversifikationseffekten und eine maximale Effizienz beim Investieren des Portfolios. Die Umsetzung erfolgt dann ausschließlich über liquide, börsengehandelte Instrumente, im Wesentlichen Derivate.

Smart Investor: Welche Komponenten der Fondsstrategie werden quantitativ, welche diskretionär umgesetzt?
Klaus: Die Unterscheidung geht im Zusammenhang mit der Fondsstrategie in die Irre. Für uns ist die Frage, welche Schritte im Managementprozess eine ökonomisch fundierte Grundlage haben und welche nicht. Diskretionäre Eingriffe eines Managers aufgrund von kurzfristigen Marktprognosen haben tendenziell kein Fundament, deswegen gibt es so etwas bei uns auch nicht. Alle Prozesse sind in ein Regelwerk eingebunden, und dennoch konfrontieren uns die Märkte immer wieder mit neuen Situationen, die unsere Regeln auf den Prüfstand stellen. Hier gilt es, den Grenznutzen bestimmter Regeln zu verstehen und ggf. Änderungen aufgrund einer Einschätzung herbeizuführen, die im Sinne des Prozesses jedoch weiterhin stringent sind. Allerdings geht es nicht ganz ohne diskretionäre Entscheidungen: Konkretes Beispiel ist das Entfernen von Assets aus dem Anlageuniversum, wenn sich ihr Risikoprofil verändert, was den Konstruktionsprozess stören könnte. Oder nehmen Sie unser Overlay- und Absicherungsmanagement. Da wir keine Wertuntergrenzensteuerung anstreben, können wir gar kein striktes Regelwerk erarbeiten.

Smart Investor: Der schwächste Monat war der August 2015 mit einem Minus von 3,8%.

Welche Ereignisse haben dazu beigetragen?
Klaus: Unser Investmentansatz ist wissenschaftlich, nicht „storygetrieben“. Wir haben im Durchschnitt eine Volatilität von rund 5% im Fonds. Wenn in über 60 Monaten ein, zwei oder drei Monate dieses Ausmaßes dabei sind, dann liegt das im Bereich der Erwartungen eines diversifizierten Multi-Asset-Fonds. Welche Kombination von Renditen konkret zu diesem Ergebnis geführt hat, sollte unerheblich sein, denn sie verdienen Risikoprämien, weil sie Risiken eingehen. Lediglich das Ausmaß, wenn aus Risiko Schaden wird, sollte im zu erwartenden Bereich liegen. Das ist in über fünf Jahren stets der Fall gewesen. Für die Story hinter den Schwankungen interessiere ich mich nicht. Wir versuchen lediglich, die zu erwartenden Kursschwankungen optimal auszunutzen. Unser Interesse ist die Maximierung der Sharpe Ratio des Fonds bei einer mittleren Volatilität. Damit habe ich auch ein maximales Interesse daran, dass Monate mit knapp 4% Verlust nicht allzu häufig vorkommen.

Smart Investor: Der Fonds versteht sich als Allwetterfonds mit vergleichsweise geringem Risiko. Trotzdem können auch Hebel genutzt werden. Wie passt das zusammen?
Klaus: Hebel und Risiko sind zwei verschiedene Dinge. Die Basis dafür ist der Tobin’sche Separationsgedanke. Vereinfacht erklärt: Die optimale Zusammensetzung des risikobehafteten Teils eines Portfolios ist zunächst unabhängig von der Risikopräferenz des Anlegers. Erst danach wird abhängig von der Risikotragfähigkeit des Investors festgelegt, wie viel in risikobehaftete und wie viel in risikoarme Anlagen investiert wird. In einem Schritt tragen wir dafür Sorge, dass unser Basisportfolio höchste wirtschaftliche Effizienz hat, also dass wir für das eingegangene Risiko den höchstmöglichen Ertrag bekommen. Dieses Portfolio ist in der Regel sehr risikoarm. Deswegen sorgt ein zweiter, separater Prozessschritt dann dafür, so viel von dem Basisportfolio zu investieren, wie mit dem gegebenen Risikobudget machbar ist. Dazu nutzen wir Derivate, durch die Hebelwirkung entsteht. Zur Veranschaulichung kann man an Fußball denken. Tiki Taka ist eine Hebelung von sicheren Pässen. Statt einen riskanten Ball von hinten nach vorne zu spielen, spielen wir viele kleine, kurze Pässe, die höchstwahrscheinlich ihr Ziel erreichen, mit dem Ergebnis, dass wir am Ende auch dort ankommen, wo wir hinwollten.

Smart Investor: Herr Klaus, vielen Dank für die Ausführungen.

Christian Bayer

 

Über Lutz Klaus
Lutz Klaus ist geschäftsführender Partner bei der Tungsten Capital Management GmbH und verantwortlich für das Fondsmanagement. Er begann seine Karriere beim Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim und wechselte von dort aus zur Pensionskasse Degussa, wo er zum Vorstand/ Leiter Kapitalanlagen berufen wurde. Er wurde mit mehreren portfolio institutionell Awards ausgezeichnet. Vor seiner Zeit bei Tungsten war Klaus beim Family Office der Herz-Familie (Tchibo) tätig. Die von Klaus verfolgten Investmentansätze basieren auf modernen Portfoliokonstruktionsansätzen und auf dem Einsatz derivativer Overlay-Strategien. Lutz Klaus besitzt einen Abschluss als Diplom-Ökonom der Universität Gießen und ist CFA Charterholder.