Wertsicherung und Gold

Kolumne

Wertsicherung und Gold

Gastbeitrag von Lars Kolbe, Aqualutum GmbH

Die Anlagewelt hat sich in den vergangenen 20 Jahren fundamental gewandelt. Fast eine komplette Generation von Investoren konnte in den 30 Jahren zuvor über eine lange Zeit in sichere Anleihen von Bund, Bahn oder Post investieren und dabei einen schönen Zinscoupon vereinnahmen. Wer beispielsweise 1 Mio. DM in derartigen Papieren mit längerer Laufzeit hatte, konnte mit den Couponzahlungen einen großen Teil seines Lebens finanzieren. Für die konservativeren Anleger bestand – je nach Renditezielen – keine Notwendigkeit, in Aktien zu gehen. Allenfalls eine Anlage in Gold als sehr langfristige Beimischung mit Versicherungscharakter konnte man noch in Erwägung ziehen.

Wohin mit dem Geld?
Da diese Zeiten bekanntlich passé sind und auch nicht so schnell wieder zurückkommen werden, stellt sich die Frage, wie man seine Ersparnisse rentabel und zugleich sicher investiert – denn auch bei Immobilien, dem liebsten Anlageobjekt der Deutschen, ist die Mietrendite vor allem in den großen Ballungszentren mittlerweile nicht mehr attraktiv. Dazu kommen regelmäßige Instandhaltungsinvestitionen und die Gefahr, langfristig über eine höhere Grundsteuer zur Kasse gebeten zu werden. Es führt also kaum ein Weg daran vorbei, sich mit Aktien zu beschäftigen. Hier machen viele Anleger nun den Fehler, gleich „Vollgas zu geben“ und zum Einstieg in Tesla, Robotics-, KI- oder sonstige „Zukunftsthemen“ zu gehen – ob mittels heißer Tipps oder über eine Fondslösung: Davon ist abzuraten!

Wert und Bewertung
Von spontanen Schüssen aus der Hüfte oder Panik bei Börsenrückgängen halten wir ebenfalls nicht viel. Wir bemühen uns unablässig, so viel wie möglich über unsere Beteiligungen zu erfahren. Wer in ein Portfolio aus Qualitätsaktien investiert, kann auch in Börsenkrisen ruhig schlafen, denn ihr Wert ist weiterhin gegeben. Lediglich die Bewertung an der Kurstafel ist zwischenzeitlich eine andere. Betrachten Sie Aktien nicht als Spielball der Börse, sondern als Beteiligung an Unternehmen. Die Solidität der Finanzen, der gute Ruf der Firma bei den Kunden, die Marktanteile in der Branche, der Grad der Forschung und Entwicklung, die Ausrichtung der Marketingbudgets, die Ausleuchtung der Firmenkultur, eine dauerhaft hohe Ertragskraft – all diese Punkte sind von großer Bedeutung. Wer dies beherzigt, kommt häufig auf „langweilige“ Unternehmen aus traditionellen Branchen. Aber was ist z.B. gegen ein Gewürzunternehmen einzuwenden, das seit 100 Jahren ununterbrochen Dividenden zahlt?

Wertsicherung
Schauen Sie grundsätzlich nach Unternehmen, die an einer gut regulierten Börse mit einem liquiden Handel notiert sind. Was die Größe der Unternehmen angeht, so ist unter dem Aspekt der Wertsicherung eher zu mittleren bis großen Werten zu raten. Eine Indexorientierung ist dagegen nicht notwendig! Wenn Sie sich als Durchschnittsanleger betrachten, können Sie auch in einen börsengehandelten ETF investieren. Dann bekommen Sie eben auch nur Mittelmäßigkeit. Doch wäre das nicht schade? Und wie steht es mit dem Gold? Damit verhält es sich genau wie vor 20 oder 30 Jahren. An seinem Status als langfristiges Wertaufbewahrungsmittel und Beimischung mit Versicherungscharakter hat sich nichts geändert.

 

Lars Kolbe (Jahrgang 1966) ist Gründer und Geschäftsführer der Aqualutum GmbH. Frühere Stationen nach dem Studium in Frankfurt waren u.a. die Bad Homburger FERI Trust, wo er das Fondsresearch verantwortete. Kolbe ist Fondsberater des m4 – masters select (WKN: A12F3R). Gemeinsam mit Dr. Markus Elsässer betreut er zudem den ME Fonds – Special Values (WKN: 663307).