„Die nordischen Volkswirtschaften sind gut aufgestellt“

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Interview

„Die nordischen Volkswirtschaften sind gut aufgestellt“

Hagen-Holger Apel, Senior Client Portfolio Manager bei DNB Asset Management, über die Aussichten für skandinavische High-Yield-Anleihen

Smart Investor: Herr Apel, welches sind die besonderen Charakteristika des nordischen High-Yield-Markts hinsichtlich Volatilität und Liquidität?

Hagen-Holger Apel: Die Spreads vieler nordischer Anleihen sind deutlich größer als in den europäischen oder US-amerikanischen Indizes. Gleichzeitig war die Volatilität am nordischen High-Yield-Markt in den letzten Jahren geringer als an den europäischen und US-amerikanischen Märkten. Dies könnte zum Teil auf den Mangel an liquiden Indexinstrumenten für den Gesamtmarkt sowie auf kaum vorhandene CDS für die meisten Titel zurückzuführen sein. Aber es gibt auch einige strukturelle Aspekte, die zur Stabilität des Markts beitragen. Dazu gehören das Fehlen von ETFs und die Tatsache, dass institutionelle Anleger den Großteil der gesamten Anlegerbasis ausmachen.

Smart Investor: Wie hat sich das Anlageuniversum in den letzten Jahren entwickelt und wie sind die Perspektiven?

Apel: Zehn Jahre nach der Finanzkrise bildet der nordische High-Yield-Markt die sektorale Diversifikation der nordischen Volkswirtschaften gut ab; er hat sich insbesondere aufgrund der zunehmend erhöhten Eigenkapitalanforderungen für Banken stark entwickelt. Seit 2009 hat sich das emittierte Bondvolumen auf aktuell ca. 71 Mrd. EUR vervierfacht. Die Branchenzusammensetzung und die Anzahl der Emittenten weisen auf einen gut diversifizierten und „erwachsenen“ Markt hin. Oslo gilt aufgrund der Struktur der norwegischen Volkswirtschaft und der hohen Bedeutung der Ölindustrie sowie der Seefahrt traditionell als attraktiver Handels- und Emissionsort für High-Yield-Anleihen. Diese Bedeutung hat sich durch das Wachstum, auch gekennzeichnet durch viele schwedische Bondemissionen, international nochmals erhöht. Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Der durchschnittliche Renditeaufschlag über nordische Dreiund Sechsmonatszinsen von ca. 450 bis 550 Basispunkten bietet, verglichen mit den Credit Spreads der High-Yield-Märkte in den USA und dem übrigen Europa, nach wie vor attraktive Anlagemöglichkeiten.

Smart Investor: Wie stark ist der Einfluss von Makrofaktoren wie beispielsweise der Entwicklung des Ölpreises oder des Brexit?

Apel: Die nordischen Volkswirtschaften sind gut aufgestellt, um die eventuellen Auswirkungen von steigenden Ölpreisen oder einem ungeregelten Brexit zu bewältigen. Charakteristisch sind ein hohes Bildungsniveau, eine gut entwickelte Infrastruktur, geringe Einkommensunterschiede, starke Institutionen sowie ein umfassendes öffentliches Wohlfahrtssystem. Die im Verhältnis zum BIP niedrige Staatsverschuldung ermöglicht im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs den Einsatz fiskalpolitischer Maßnahmen. So könnte Norwegen die Erträge aus dem Staatsfonds erneut zur Stabilisierung der Nachfrage einsetzen. Nach einem dramatischen Rückgang der Ölpreise 2015/16 und dem damit verbundenen Schock für die norwegische Volkswirtschaft hat sich die Industrie des Landes inzwischen sehr gut an das aktuelle Niveau angepasst. Die damit einhergehende Schwächung der norwegischen Währung hat insbesondere der Exportindustrie zu einem starken Boom verholfen. Wir gehen von einem weiteren – wenn auch gedämpften – Wachstum in der nordischen Region aus. Die wirtschaftliche Situation ist robust, und viele Unternehmen sind von den Auswirkungen des Handelskrieges und anderem globalem „Lärm“ etwas abgeschirmt.

Smart Investor: Welche Kriterien sind für die Auswahl der Anleihen im DNB High Yield Retail (WKN: A2AJDN) wesentlich?

Apel: Die Anlagephilosophie des Fonds lässt sich als fundamentale Bottom-up-Bond-Picking-Strategie beschreiben. Dabei sind Unternehmensanleihen von etablierten, wiederkehrenden nordischen Schuldnern mit einer langen Emissionshistorie interessant. Diese bilden die Grundlage des Portfolios. Hinzu kommt eine Vielzahl attraktiver Emittenten mit einem für uns ansprechenden Kreditprofil. Eine gründliche und fortlaufende Kreditanalyse ist unabdingbar, um die Ausfallraten möglichst gering zu halten. Mehr als 70% der aktuell über 180 Wertpapiere im Fonds sind skandinavische Bonds mit einem Anlageschwerpunkt in Norwegen (43%). Schweden, Dänemark und Finnland sind mit 16%, 11% und 2% vertreten. Da viele norwegische Anleihen auch in US-Dollar emittiert werden, engagieren sich Anleger im Fonds aktuell zu knapp 40% im Dollar, während Euro sowie die Norwegische und Schwedische Krone relativ gleich verteilt sind. Der Fonds ist aktuell nur zu 15% in der Öl- und Gasindustrie investiert; weitere Schwerpunkte bilden die Sektoren Industrie (33%) und Finanzen (24%). Die Ratings der gehaltenen Bonds sind mehrheitlich unterhalb des Investment-Grade-Bereichs angesiedelt. Ca. 20% der im Portfolio enthaltenen Emissionen verfügen über ein Rating zwischen BBB+ und B-. Knapp 5% der Holdings besitzen Investment-Grade-Status, während ca. 70% über kein offizielles Rating verfügen.

Smart Investor: Wie beurteilen Sie das Risiko dieser Papiere?
Apel: Diese Tatsache mag ungewöhnlich klingen, sie ist aber aufgrund des früher üblichen Ratings durch nordische Banken und Broker historisch gewachsen. Grundsätzlich achten wir bei der Analyse auf die Bilanzqualität und die zukünftigen Cashflows eines Schuldners. Eine hohe Expertise sowie eine genaue Kenntnis des Markts helfen, ihrem Segment entsprechend attraktive Unternehmen zu finden.

Smart Investor: Herr Apel, vielen Dank für die interessanten Einblicke.

Interview: Christian Bayer

Hagen-Holger Apel ist seit Juli 2015 als Senior Client Portfolio Manager bei DNB Asset Management tätig. Zuvor war er als Wertpapierhändler und Portfoliomanager bei der Banque LBLux tätig; weitere Stationen führten ihn als Clearingspezialisten für Eurex und OTC-Derivate zu der TxB Transaktionsbank sowie als Bankkaufmann zur Bayerischen Landesbank. Apel ist darüber hinaus, Diplom-Volkswirt der LMU München und hat eine weiterführende Ausbildung zum Certified International Investment Analyst (CIIA) der DVFA Frankfurt absolviert.

 

 

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