Fixe Verzinsung statt Aktienengagement?

Kolumne

Vermutlich jeder lang gediente Aktionär kennt es: das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts für den DAX. Die Botschaft ist einfach: Wer langfristig genug an der Börse investiert, dem winkt im langfristigen Durchschnitt eine jährliche Performance von bis zu 10%. Als rationaler Entscheider scheint damit eine Aktienquote von 100% gesetzt. Aber ist es wirklich so einfach? Teil der Wahrheit ist auch, dass in einem breit gestreuten Aktienportfolio temporäre Verlustphasen zu überbrücken waren – dies ohne Gewissheit, wann die temporären Kursverluste wieder aufgeholt sein würden, selbst wenn die Fundamentaldaten weiterhin für dieses Investment sprachen.

Renditepotenzial zu Gunsten der Planungssicherheit tauschen?
Das veranlasste mich zu der Frage, für welche fixe Verzinsung ich mein Aktienengagement aufgeben würde. Mit diesem Gedanken bin ich wohl nicht allein. Bei einem Vortrag im Rahmen einer Veranstaltung eines Börsenvereins fragte ich die Teilnehmer nach ihrer Risikopräferenz. Für meine These, dass ich bereit wäre, einen Teil meiner Ertragsaussichten gegen mehr Sicherheit einzutauschen, erhielt ich folgende Bestätigung: Von den Anwesenden würden zwei Drittel ihr Aktienengagement zugunsten einer festen Verzinsung von 6% aufgeben.

Investment-Grade-Anleihen mit Negativrendite – na und?
Die Pressemeldungen sind hinlänglich bekannt. Weite Teile des Universums an Investment-Grade-Anleihen – egal ob Staats- oder Unternehmensanleihen – rentieren mit Negativrenditen. Es ließe sich freilich philosophieren, ob ein solches Marktszenario in einem unregulierten Markt eintreten würde. Die Kombination aus Planungssicherheit und zu erwartender Rendite erscheint dem eingefleischten Aktionär jedenfalls nicht sonderlich attraktiv. Wenngleich im letzten Jahr erhebliche Kurssteigerungen mit Bundesanleihen oder der 100-jährigen Österreichanleihe möglich waren – der nachhaltige Ertrag aus den laufenden Coupons ist marginal. Doch das Anleiheuniversum bietet mit höher verzinslichen Anleihen sowie Wandelanleihen auch heute noch interessante Renditechancen.

Anleiheuniversum auch für Aktionäre interessant
Das Anleiheuniversum umfasst nicht nur aktiengelistete, sondern auch Private-Equity- sowie familiengeführte Unternehmen. Hohe Coupons bedeuten nicht zwangsläufig ein hohes Risiko. Es ist ein Unterschied, ob ein cashflowstarkes Unternehmen sehr hoch verschuldet ist (z.B. im Private-Equity-Bereich) oder erhöhte Geschäftsmodellrisiken (z.B. Projektgesellschaften) eingegangen werden. Es kommen auch Unternehmen in Betracht, bei denen die Aktie kein klarer Kauf ist, aber die Fundamentaldaten aus Kreditsicht in Ordnung sind. Für Value-Investoren bietet der Rückzahlungstermin einen klaren Auslöser, zu dem potenzielle Werte gehoben werden.

Fazit
Die Welt der Anleihen – sie ist größer, als man denkt; sie ist vielfältiger, als man denkt. Die erzielbaren Renditen können auch für Aktieninvestoren sehr attraktiv sein, und die Planbarkeit der Erträge ist im Vergleich zu Aktien durchschnittlich deutlich höher. Ein tieferer Blick lohnt sich!

 

Norbert Schmidt hat sein Studium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur an der TU Dresden mit quantitativem Profil absolviert. Er verfügt über mehrjährige Berufserfahrung bei spezialisierten Beratungsboutiquen in den Bereichen Restrukturierung und M&A. Im Kapitalmarkt hat Schmidt als Leiter des Bereichs Unternehmensanalyse bei der KFM Deutsche Mittelstand AG seine Analysefähigkeiten erfolgreich unter Beweis gestellt. Seit 2019 ist er bei der Heemann Vermögensverwaltung als Fondsmanager für den FU Fonds – Bonds Monthly Income (WKN: HAFX9M) zuständig. Alleinstellungsmerkmal des Fonds ist die Ausschüttungspolitik mit monatlichen Basisausschüttungen von 0,25% (3% p.a.) und jährlichen Sonderausschüttungen der über 3% p.a. hinausgehenden Erträge im April des Folgejahres.