„Mining war nicht mehr sexy“

Smart Investor im Gespräch mit Dana Kallasch, Commodity Capital AG, über Chancen bei Junior-Minen und die Wichtigkeit von ESG-Aspekten bei Rohstoffunternehmen

Smart Investor: Der Erfolg von Investments in Minenaktien war zuletzt auch davon abhängig, ob sie im Sektor der Basis- oder Edelmetalle tätig waren. Wie sehen Sie das große Bild in der Branche?

Kallasch: Der wesentliche Treiber für den Bedarf an Basismetallen ist nicht nur die globale Bevölkerungszunahme, sondern auch der Wandel der bestehenden Bevölkerung. In vielen Schwellenländern erwächst aus einer ursprünglich armen Bevölkerung eine neue Mittelschicht, die verstärkt hochwertige Güter nachfragt. Der zunehmende Verbrauch an Rohstoffen wird durch diesen Wandel bestimmt. Von Investoren wurde das lange ignoriert, Mining war nicht mehr sexy. Es gab kaum Investoren für die Minen. Der Weg zu Bankkrediten ist kleinen Minen verschlossen, daher müssen sie mit ihrem Eigenkapital wirtschaften. Bei stark fallenden Kursen wird auch auf Kapitalmaßnahmen verzichtet. Daher wurde über Jahre kaum exploriert und in Produktion gebracht. Die Folge ist, dass wir bei manchen Rohstoffen wie Kupfer und Zink auf eine Unterversorgung zulaufen. Eine weitere Konsequenz ist, dass es mittlerweile einen Fachkräftemangel bei Mining-Ingenieuren gibt. Es gab Zeiten, da hatten wir Unternehmen im Portfolio, die unter ihrem Cashbestand notiert haben. Viele Mining-Unternehmen sind immer noch deutlich unterbewertet. Das gilt auch für Goldminen. Als der Goldpreis bei 250 USD lag, waren die Mining-Unternehmen an den Börsen höher bewertet als aktuell, und das, obwohl Goldminen aktuell eine Marge von durchschnittlich rund 250 USD haben – je nachdem, wo produziert wird.

Smart Investor: Wie verteilt sich im Commodity Capital Global Mining (WKN: A0YDDD) aktuell die Gewichtung auf die unterschiedlichen Metallsektoren?

Kallasch: Aktuell sind wir zu 67% in Goldminen investiert, zu 16,3% in Silberminen und zu etwa 15% in Basismetallaktien. Wir haben momentan aus mehreren Gründen eine Übergewichtung in Gold. Im Goldsektor wird mehr exploriert als bei anderen Metallen – daher gibt es bei Goldminen mehr Juniors, die spannend für uns sind. Für Minen rechnet sich Gold auch schneller als beispielsweise Kupferprojekte. Bei Kupfer muss viel mehr Gestein bewegt werden, was einen höheren Kapitalaufwand nach sich zieht. Silber finden wir aktuell sehr spannend, u.a., weil es deutlich unterbewertet ist. Es ist im Unterschied zu Gold auch ein Verbrauchsmaterial, das in der Industrie genutzt wird. Generell würden wir gerne die Gewichtung von Silberminen im Portfolio erhöhen; allerdings ist die Auswahl an qualitativ hochwertigen Silberminenaktien begrenzt.

Smart Investor: Der Schwerpunkt des Fondsportfolios liegt auf Junior-Minen. Was macht die Juniors aus Ihrer Sicht so attraktiv?

Kallasch: Der Minenzyklus ist für uns ein wichtiges Kriterium für unsere Investmententscheidungen. Am Anfang eines solchen Zyklus stehen klassische Explorationsunternehmen mit geringer Marktkapitalisierung. Die Finanzierung zur Durchführung erster Bohrungen erfolgt meist über Family and Friends. Wenn die Exploration erfolgreich ist, geht der Kurs in der Regel durch die Decke. Im nächsten Schritt müssen Genehmigungen eingeholt und Machbarkeitsstudien verfasst werden. In dieser Phase geben die Aktienkurse nach, weil die positive Erwartung der Investoren eigentlich nicht mehr übertroffen werden kann. Häufig gibt es im Genehmigungsprozess Verzögerungen, mögliche positive Überraschungen sind selten. Danach startet der Produktionsbeginn, und der Aktienkurs dreht wieder nach oben. In dieser Phase, die aus unserer Sicht sehr attraktiv ist, werden mittelgroße Juniors häufig Ziel von Übernahmen. Große Minen wie Barrick Gold oder Goldcorp explorieren ja kaum, sondern suchen eher geeignete Übernahmekandidaten. In Majors, die aktuell rund 12% des Portfolios ausmachen, investieren wir vor allem aus Liquiditätsgründen.

Smart Investor: Welche fundamentalen Kriterien sind für Sie bei der Auswahl der Unternehmen besonders ausschlaggebend? In Zeiten, in denen ESG-Investments gehypt werden, haben Mineninvestments oft einen schlechten Stand. Wie gehen Sie mit dieser Thematik um?

Kallasch: Eines der wesentlichen Kriterien ist, wie das Managementteam aufgestellt ist. Es gibt hervorragende Projekte, die einfach im Abbau und in politisch stabilen Regionen beheimatet sind, aber trotzdem aufgrund eines schlechten Managementteams nicht vorankommen. Bei uns hat unter den ESG-Kriterien gerade der Governance-Aspekt von Anfang an eine herausragende Bedeutung gehabt. Es ist ein entscheidender Unterschied, wie Unternehmen mit der Bevölkerung vor Ort umgehen. Wenn beispielsweise eine Wasserleitung, die Minenbetreiber in jedem Fall benötigen, bis ins nächste Dorf weitergebaut wird, sind die Kosten sehr überschaubar. Durch die Wasserversorgung kann aber möglicherweise die Ernteperiode für die Bevölkerung verlängert werden, was zu einer erhöhten Akzeptanz für den Minenbetrieb führt. Auch Schulbildung für Kinder vor Ort, medizinische Versorgung oder das schlichte Anheuern lokaler Arbeiter rechnen sich auf den zweiten Blick. In Afrika zeigt sich vielfach, wie es nicht laufen sollte. China kauft auf dem Kontinent in großem Stil Rohstoffvorkommen auf. In den Minen arbeiten keine Afrikaner, sondern vor allem Chinesen. In solchen Projekten, in denen die Bevölkerung vor Ort ausgegrenzt wird, kommt es aufgrund mangelnder Akzeptanz naturgemäß häufiger zu Störungen im Minenbetrieb.

Smart Investor: Frau Kallasch, vielen Dank für die Ausführungen.

Interview: Christian Bayer

Dana Kallasch begann ihre Karriere 1999 bei der Dresdner Bank AG, wo sie zuletzt private und institutionelle Kunden im Bereich Investmentstrukturierung unterstützte. 2006 wechselte sie zu der Banque LBLux S.A. nach Luxemburg. Dort verantwortete sie den Bereich Business Development. Kallasch ist Mitgründerin der Commodity Capital AG und leitet die strategischen Beziehungen zwischen der Depotbank, dem Fondsmanagementteam und den Investoren. Sie besitzt einen BBA-Abschluss der Frankfurt Business School sowie der Universidad Pablo de Olavide, Sevilla. Des Weiteren erlangte sie praxisorientierte Abschlüsse der Universität München.