„Die defensive Ausrichtung hat geholfen, Verluste zu minimieren“

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Smart Investor im Gespräch mit Susanne Reisch, BANTLEON AG, über Basisinfrastrukturaktien in Zeiten der Corona-Krise und die Bedeutung von Nachhaltigkeitskriterien

Smart Investor: Das Portfolio aus Basisinfrastrukturaktien im BANTLEON SELECT INFRASTRUCTURE (WKN: A2PH94) ist besonders defensiv konstruiert. Haben sich die Titel während der coronabedingten Börsenpanik als Safe Haven erwiesen?

Reisch: Die defensive Ausrichtung hat uns tatsächlich geholfen, Verluste gegenüber dem breiten Markt, aber auch gegenüber den globalen und europäischen Sektorenbenchmarks zu minimieren. Für diese Ausrichtung sind mehrere Stellschrauben essenziell. So können wir im Fonds die Sektoren Versorger, Telekommunikation und Transport aktiv steuern. Innerhalb dieser Sektoren setzen wir über aktives Stock Picking auf Qualitätstitel mit starken Bilanzen. Bewährt hat sich unser Fokus auf Versorger mit Schwerpunkt erneuerbare Energien und Telekommunikationsinfrastruktur-Unternehmen, die als defensiv gelten. Seit Oktober 2019 waren wir im Fonds mit 80% des Portfolios in diesen beiden Sektoren positioniert und mussten deshalb in der Krise nicht überstürzt reagieren. Sehr geholfen hat uns auch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskomponenten, die sich erwartungsgemäß risikoreduzierend ausgewirkt haben; in Versorger, die mehr als 50% ihres Energiemix aus fossilen Brennstoffen generieren, investieren wir gar nicht. Der generelle Ausschluss von Öl- und Gasunternehmen hat sich mit Blick auf die Kombination von COVID-19 und dem extrem starken Rückgang des Ölpreises ebenfalls positiv auf die Performance ausgewirkt.

Smart Investor: Auch defensive Titel mussten in der Krise allerdings deutliche Kursverluste hinnehmen, oder?

Reisch: Richtig, zum Höhepunkt der Verkaufswelle wurden Titel querbeet verkauft. Aber schon kurz darauf haben eher konjunkturunabhängige Bereiche wie Versorger mit einem Fokus auf erneuerbare Energien und Telekommunikationstitel rasch wieder nach oben gedreht. Das Segment passiver Telekommunikationsinfrastruktur wie Funkmasten und Datenzentren, das für unseren Fonds interessant ist, hat seit Jahresanfang eine besonders gute Performance erzielt. Am anfälligsten für Konjunkturzyklen ist der Transportsektor mit Mautstraßen, Flughäfen und Hafeninfrastruktur. Aktien dieser Segmente sind entsprechend stark gefallen, aber wir sehen hier auf dem aktuellen Kursniveau auch Chancen, sich taktisch zu positionieren und von einer möglichen schnellen Erholung zu profitieren.

Smart Investor: Viele Experten prognostizieren als Folge der Corona-Pandemie eine starke Rezession. Mit welchen Auswirkungen rechnen Sie in dieser Situation für die Basisinfrastrukturunternehmen?

Reisch: Negative Auswirkungen sind bei Umweltdienstleistern möglich, z.B. bei Unternehmen aus dem Bereich Industriemüllrecycling. Diese sind natürlich abhängig von der Industrieproduktion, die in einer Rezession deutlich zurückgehen wird. Rechenzentren und Telekommunikationsanbieter mit der höchsten Netzqualität hingegen gehören sicher zu den Gewinnern der Krise. Die Investitionen in die Digitalisierung werden zunehmen, weil in der Krise in vielen Ländern starke Defizite deutlich geworden sind. Im Transportsektor wird die Entwicklung davon abhängen, wie lange die Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens gelten. Klar ist, dass der Transportsektor von einer Rezession am stärksten betroffen sein und auch am längsten brauchen wird, um sich wieder zu erholen. Aber auch bei der Transportinfrastruktur gibt es Unterschiede: Flughäfen dürften am stärksten betroffen sein, Mautstraßenbetreiber sollten sich schneller erholen. Um Risiken zu minimieren, investieren wir nur in Unternehmen mit hoher Bilanzqualität, die auch längere Schließungen gut überstehen würden. Darüber hinaus achten wir bei Investments im Transportsektor auf die Gewinnmargen. Bei Mautstraßen beispielsweise liegt die Marge zwischen 60% und 80%. Das ist natürlich deutlich komfortabler als bei einer Fluglinie. Die Kombination aus Geschäftsmodellen mit hoher Marge und soliden Bilanzen hilft, die Folgen der Rezession abzufedern.

Smart Investor: Der Sektor der Basisinfrastruktur ist vergleichsweise stark reguliert. Gibt es Auswirkungen staatlicher Notfallmaßnahmen für regulierte Unternehmen, z.B. bei den Versorgern?

Reisch: Die Regulierung der Versorger ist zunächst kein Nachteil, weil Investoren von
stabileren und besser planbaren Zahlungsströmen profitieren. Allerdings könnten
jetzt Dividendenzahlungen ausfallen. So haben die französische und die deutsche
Regierung beispielsweise den Versorgern nahegelegt, keine Dividenden auszuschütten. Für uns ist allerdings die Tatsache, dass die Geschäftsmodelle der Unternehmen ertragreich sind und sie deshalb Dividenden zahlen könnten, wichtiger als die Zahlung selbst.

Smart Investor: Haben Sie das Portfolio in der Krise angepasst?

Reisch: Ein wichtiger Zukauf war Ørsted, der Marktführer bei Offshore-Windenergie. Als die Aktie stark verloren hatte, konnten wir sie quasi für den Gegenwert ihrer Assets einkaufen, ohne für die Wachstumsperspektiven zahlen zu müssen. Unseren Anteil in Flughäfen, der gering ist und auch gering bleiben soll, haben wir durch den Flughafen Zürich diversifiziert. Der Qualitätstitel ist weniger vom Flugverkehr abhängig als seine europäischen Wettbewerber und bietet zudem ein attraktives Immobilienportfolio. Ferner haben wir uns von kleineren Positionen wie dem Hamburger Hafen getrennt, die von einer Rezession überdurchschnittlich stark betroffen sein sollten.

Smart Investor: Frau Reisch, vielen Dank für die interessanten Ausführungen.

Interview: Christian Bayer

Susanne Reisch ist Senior-Portfoliomanager Infrastrukturaktien des Assetmanagers BANTLEON in München. Nach dem BWL-Studium mit Schwerpunkt Finanzen in Israel (IDC Herzliya) und einem Abschluss in politischer Ökonomie an der London School of Economics begann Frau Reisch ihre Berufstätigkeit als Aktienanalystin für lateinamerikanische Rohstoff- und Transportfirmen bei Citi-Banchile in Santiago de Chile und war anschließend im institutionellen Vertrieb für brasilianische Aktien bei Bradesco Securities in London. 2013 wechselte sie zur MEAG und arbeitete als Portfoliomanager Aktien und Mischmandate mit Fokus auf Infrastruktur und Finanzdienstleister sowie als Mitglied des Investmentkomitees. Danach war sie für die RobecoSAM AG als Produktspezialistin für nachhaltige Anlagestrategien tätig.

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