Rückkehr der Jedi-Ritter

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Kolumne

Es ist Krise und keiner geht hin
Stellen Sie sich vor, die Wirtschaft liegt mehrere Wochen fast brach, das gesellschaftliche und somit auch wirtschaftliche Leben wird auf mehrere Monate stark eingeschränkt, und es interessiert den Kapitalmarkt nach kurzer Zeit kaum noch. Bei einer Revision der Gewinnprognosen nach unten lägen viele Aktienpreise relativ gesehen zum Gewinn pro Aktie nun sogar über dem Niveau von Anfang 2019 – dies gilt insbesondere für US-Aktien. Würden Sie in diesem Fall investieren? Einer tut es: die US-Notenbank. Dieser gute Jedi-Ritter da draußen fängt die Strauchelnden auf. Er möchte sie alle retten: ob solide oder auch vor Corona schon fast insolvent. Die Fed verkündete vor Ostern, weitere Liquidität in den Markt zu geben und u.a. auch Anleihen-ETFs zu kaufen. Sie schließt ausdrücklich Anleihen von Unternehmen geringer Bonität ein, sogenannte High-Yields.

Die Party geht weiter
Warum tut die Fed das? Die Idee dahinter ist es, durch fehlende Umsätze in Liquiditätsprobleme geratenen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich am Markt über Anleihen zu refinanzieren. Dem kleinen Buchladen um die Ecke und dem Hotel in der Innenstadt hilft das jedoch nicht. 40% der US-Amerikaner fallen unter die Armutsgrenze, sobald nur ein einziges Monatsgehalt ausbleibt. Die Party am Aktienmarkt geht währenddessen weiter. Die Liquidität treibt die Umsätze – und wer weiß, vielleicht kauft unser guter Jedi auch bald Aktien. Unrealistisch, sagen Sie? Die japanische Notenbank hat in der Vergangenheit bereits Aktien gekauft. In großem Stil hat sie in ETFs investiert. Man soll niemals „nie“ sagen.

Die dunkle Seite der Macht?
Wir sehen hier eine Entkopplung von Realwirtschaft und Kapitalmarkt im großen Stil. An dieser Stelle sollten wir uns fragen: Ist dieser Jedi ein Retter oder die dunkle Seite der Macht? Tun uns die Zentralbanken einen Gefallen, indem sie den Markt mit Liquidität zuschütten und Unternehmen somit durch Liquidität über die Corona-Krise hinweghelfen? Oder sorgen sie für langfristige Probleme, indem sie die Staatsschulden aufblähen und das Unvermeidliche nur verzögern? Haben wir es hier mit Luke Skywalker zu tun, der das Universum rettet? Oder ist unser alles kaufender Jedi-Ritter in Wirklichkeit Anakin und wird irgendwann zum alles zerstörenden Darth Vader?

Flexible Anpassung
Als Investor empfehlen wir, diese Fragen auf kürzere Zeiträume herunterzubrechen und die Nachrichtenlage weiter genau zu verfolgen. Auch wenn man mit langfristigem Horizont investieren soll, darf man sein Portfolio regelmäßig flexibel anpassen. Dies ist übrigens ein großer Vorteil flexibler Mischfondsmandate: Hier verteidigt der Fondsmanager ihr Depot auch ohne Laserschwert, und Sie können ruhig schlafen. Oder eben die Nacht mit dem neuen Star-Wars-Film verbringen. Wir gehen langfristig nach wie vor von einer Normalisierung aus. Hinsichtlich der kurzfristigen Kursentwicklungen gibt unserer Ansicht nach die zeitliche Dauer des Lockdowns die Antworten. Sollte Letzterer noch einige Monate Bestand haben, könnten wir neue Tiefststände an den Märkten sehen. Sollten wir innerhalb einer nicht zu langen Zeit wieder zum Normalzustand zurückkehren oder nähern wir uns ihm zumindest an, wird aus unserer Sicht die Liquidität der Zentralbanken vielen Unternehmen zur Überbrückung helfen, und wir kehren zum normalen Tagesgeschehen zurück. In diesem Sinne: Möge die Macht mit uns allen sein!

Zur Person
Nadine Heemann (Jahrgang 1980) arbeitete nach dem Studium der BWL in den Capital Markets Divisions verschiedener Investmentbanken, zuletzt bei Morgan Stanley. Seit 2015 ist sie für die 1997 von ihrem Schwiegervater gegründete Heemann Vermögensverwaltung AG tätig. Nadine Heemann ist Teil des vierköpfigen Managementteams des vermögensverwaltenden FU Multi Asset Fonds (WKN: A0Q5MD).

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