Moderne Compounder – ist Gold eine Versicherung

ARTIKEL TEILEN

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on email
Email

Smart Investor sprach mit dem Investor Matthias Riechert von P&R Investment Management über die Corona-Krise, moderne Compounder und die Frage, ob Gold eine Versicherung ist.

Smart Investor: Herr Riechert, Sie investieren extrem konzentriert und nehmen damit bewusst eine gewisse Volatilität Ihres Portfolios in Kauf. Konnten Sie während des Höhepunkts der Corona-Krise noch ruhig schlafen?

Riechert: Kurze Antwort: ja. In einer Phase wie im März zeigt sich meiner Meinung nach sehr schnell der Unterschied zwischen denjenigen, die sich intensiv mit einem Unternehmen beschäftigt sowie ein gutes Verständnis von dessen Wert haben, und denjenigen, die das nicht haben. Wenn ich nicht weiß, was meine Aktien tatsächlich wert sind, versuche ich in einer solchen Phase, Sicherheit zu bekommen, indem ich mich an den Meinungen anderer, an Charts oder Ähnlichem orientiere. Sehr schnell führt das dann dazu, dass gerade in ungünstigen Momenten verkauft wird. Ich habe viele Bekannte, die im März darauf stolz waren, die Krise erahnt und sich an der Börse entsprechend positioniert zu haben. Kaum einer von denen war jedoch dabei, als der Markt gedreht hat – denn wer Timing betreibt, muss eben zwei- mal recht haben. Es lohnt sich also, die richtigen Werte zu haben und langfristig dabei zu bleiben.

Smart Investor: Vor einigen Jahren lag der Fokus Ihres Unternehmens P&R auch auf der Österreichischen Schule und deren Implikationen für unser Geld- system. Sie haben diesen Gedanken mit Investitionen in Goldminen und Gold Rechnung getragen. Nun sind Sie aber davon abgekommen – was ist der Grund dafür?

Riechert: Zu Beginn des Fonds habe ich mit Prof. Dr. Thorsten Polleit zusammengearbeitet, meiner Meinung nach einer der besten deutschen Ökonomen und Kenner des Geldsystems. Ich habe allerdings schnell gelernt, dass es praktisch unmöglich ist, Insights auf der Makroebene in überlegte Investmententscheidungen zu übertragen. Investieren bedeutet, den Wert einer Anlage unabhängig vom heutigen Preis zu kennen. Gold lässt sich beispielsweise nicht bewerten, da es nichts produziert. Es eignet sich daher nur als Cashersatz in Konkurrenz zu anderen Währungen. Aber warum sollte ich langfristig Cash halten? Denn wenn ich langfristig Angst vor Inflation habe, investiere ich besser in solche Unternehmen, die einen Mehrwert schaffen, der die Inflationsrate übersteigt. Gold hilft auch als

„Versicherung“ in einem Portfolio nicht, da es die Inflation nicht überproportional wie bei einer Feuerversicherung ausgleicht. Wer das Ende des Geldsystems erwartet, sollte Gold besser direkt und in physischer Form halten.

Smart Investor: Ihr Fokus liegt auf Unternehmen, die ihre Erträge über lange Zeiträume zu hohen Renditen reinvestieren können. Die meisten davon sind jedoch bereits im Fokus der Anleger und daher teuer. Wie finden Sie unterschätzte und daher günstige „Compounder“?

Riechert: Wir haben auf unserer Webseite ein Excel-Sheet, auf dem der Leser relativ simpel simulieren kann, wie stark der Zinseszinseffekt über lange Zeiträume das eigene Vermögen beeinflusst. Wenn ich das realisiert habe, muss ich eigentlich sofort jedes Festgeld auflösen und in Aktien investieren – vollkommen unabhängig von der damit einhergehenden Volatilität. Das einzige Risiko ist der permanente Kapitalverlust. Genau diese Denke wenden wir auch auf einzelne Unternehmen an – wir suchen solche, die quasi einen eingebauten „Zinseszinsmotor“ haben. Ideal ist es, wenn ein Unternehmen bereits über einen gewissen Track Record verfügt, aber gleich- zeitig noch sehr lange wachsen kann. Das Wichtigste ist aber natürlich der Preis, den man dafür bezahlt. Eine Kennzahl wie das KGV ist für uns nicht ausreichend, weil es lediglich das aktuelle Jahr berücksichtigt.

Wichtig ist, mit einem systematischen Prozess gute Unternehmen auszuwählen, viel Arbeit in die Analyse der künftigen Cashflows zu stecken und zuzuschlagen, wenn die Börse diese heute falsch bepreist.

Smart Investor: Genau diese Übung ist in der heutigen Welt aber häufig nicht mehr ganz so einfach. Die technologische Disruption macht viele „Burggräben“ obsolet. Unternehmen lassen sich oft nicht mehr anhand klassischer Kennzahlen bewerten.

Riechert: Die Herausforderung ist, die Bilanzzahlen zu verstehen und in die tatsächlichen ökonomisch relevanten Zahlen zu übersetzen. Ein Beispiel: In den 1980er-Jahren ist Walmart sehr stark gewachsen und hatte über viele Jahre hohe Kapitalinvestitionen durch die Eröffnung neuer Märkte. Das konnte man relativ einfach aus den veröffentlichten Zahlen ablesen. Heute haben viele Unter- nehmen aber kaum Capex, sondern sogenannte Opex. Sie investieren also beispielsweise in Personal oder Marketing, was aber nicht als Investment auf der Bilanz erscheint, sondern als Auf- wand in der GuV-Rechnung untergeht. Am Ende kommt ein relativ schmaler Gewinn heraus, der aber das wahre Ertragspotenzial unterschätzt. Die dadurch generierten Umsätze führen aber häufig über viele Jahre zu positiven Cashflows. Irgendwann wird das Unternehmen in eine „Steady-State-Phase“ kommen, in der die Investitionen zurückgefahren werden und die wahre Ertragskraft sichtbar wird. Als Anleger sollte man daher die Buchhaltung nicht automatisch mit der ökonomischen Realität gleichsetzen. Gute Unternehmen helfen Anlegern, diese Denkübung zu machen.

Smart Investor: Bevor Sie Assetmanager wurden, hatten Sie bei einer großen Investmentbank im Handelssaal gearbeitet. Was hat Sie dazu bewogen, nicht mehr das schnelle Geld zu suchen, sondern langfristig in reale Unternehmen zu inves- tieren?

Riechert: Das ist richtig, ich habe neun Jahre bei der Citigroup im Bereich der strukturierten Produkte gearbeitet. Am Jahresende habe ich mich immer gefragt, woher es kommt, dass ich mein eigenes Geld nicht in meine eigenen Produkte investiere. Und die Antwort war stets: Weil ich nicht davon überzeugt bin. Ich wollte aber ein gleichgerichtetes Interesse mit meinen Kunden haben. Nach einer längeren Lernphase bin ich so zur Auflage eines eige- nen Fonds gekommen. Heute ist mein eigenes Vermögen fast vollständig im Fonds investiert. Es gibt Fonds, deren Geschäfts- modell primär das Einsammeln von Assets ist, und solche, die vor allem auf die Performance aus sind. Erstere erkennt man relativ schnell daran, dass sie viele beliebte Themen aufgreifen, viele Marketingleute beschäftigen und diverse Experten haben, die Interviews geben. Ich habe beispielsweise in den letzten Jahren lediglich zwei Interviews gegeben, dieses eingeschlossen. Ich stecke meine Zeit sinnvoller in das Verständnis unserer Portfoliounter- nehmen, deren Geschäftsmodelle und Zahlen.

Smart Investor: Noch einmal zurück zu Corona und den Folgen. Was waren für Sie die interessantesten Erkenntnisse der letzten Wochen?

Riechert: Ich habe in den letzten Wochen eine sehr gute Frage entdeckt. Sie lautet: Und was dann? Im März erkannten beispiels- weise die Anleger, dass bei vielen Unternehmen die vereinbarten Covenants in den Kreditverträgen und Anleihebedingungen gerissen werden können. Viele haben daher instinktiv auf den Verkaufsknopf gedrückt. Die richtige Frage wäre gewesen: Und was dann? Für gute Firmen gibt es einen breiten Fächer an Möglichkeiten, wie man auf dieses Problem reagieren kann, ohne dass Aktionäre alles verlieren. Einige Unternehmen, wie Carvana, die wir im Port- folio haben, haben neue Aktien ausgegeben; andere haben Kreditverträge nachverhandelt oder frische höher verzinsliche Anleihen begeben. Teilweise war dies mit relativ geringen Schmerzen und Kosten verbunden. Andere Unternehmen sind gar nicht so dramatisch von der Krise betroffen, wie das am Markt wahrgenommen wird. Ein Beispiel dazu: Wir haben die Aktie vom US-Auto-Sub- prime-Lender Credit Acceptance in unserem Fonds. Durch den CARES Act in den USA haben viele der Kunden heute mehr Geld in der Tasche, als wenn sie arbeiten würden. Natürlich fällt das Neugeschäft in der Lockdown-Phase denkbar schwach aus, aber Credit Acceptance kann enorm hohe Kreditausfälle aushalten und profitiert darum langfristig, wenn sich andere Gläubiger zurückziehen müssen. Wie vorhin bereits gesagt: Es lohnt sich also, die richtigen Werte zu haben und langfristig dabeizubleiben.

UNSERE EMPFEHLUNGEN