Brände löschen mit Benzin

Armin Zinser

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Kolumne

Gastbeitrag von Armin Zinser, Société de Gestion Prévoir

Endlich, die Ferienzeit ist da! Die schönste Zeit des Jahres hat begonnen. Aber gilt dies auch in diesem bislang doch sehr ungewöhnlichen Jahr? Und vor allem: Was machen die Börsen in diesem Sommer? Die anstehenden Ergebnisse für das zweite Quartal dürften größtenteils katastrophal ausfallen. Die Corona-Krise fordert ihren Tribut. Die Angst vor einer zweiten Welle und einem erneuten Lockdown scheinen der Börse kurzfristig keine guten Aussichten zu bescheren. Schlussendlich sind die zahlreichen staatlichen Hilfsprogramme nicht so zielgerichtet, wie es wünschenswert wäre, um der Wirtschaft wieder nachhaltig auf die Beine zu helfen.

Schwere Geschütze
Für die europäische Wirtschaft kommt erschwerend hinzu, dass China und vor allem die USA schwere Geschütze auffahren, um weltweit Marktanteile zu gewinnen. Ein Hurrikan Trump könnte für schweres Unwetter sorgen. Der US-Präsident wird den Sommer für seine Wahlkampfkampagne nutzen, nachdem er aktuell bei den Umfragen weit hinter seinem Rivalen Biden liegt. Wer hätte das noch vor sechs Monaten gedacht? Aber ein angeschlagenes Tier ist sehr gefährlich: Er wird alles unternehmen, auch zulasten Europas, um im November doch noch zu gewinnen. Selbstverständlich wird er dabei auch China nicht aussparen – ein Wirtschaftskrieg ist also nicht ausgeschlossen. Aber auch die Chinesen (siehe u.a. Hongkong) gehen nicht zimperlich mit ihm und anderen um. Sie dürften mit gleichen Waffen zurückschlagen. Aber Achtung: Unterschätzen Sie Trump nicht, wie es die deutschen Mainstreammedien tun. Er ist ein feinsinniger politischer Stratege, auch wenn er sich des Öfteren wie der Elefant im Porzellanladen aufführt.

Brüsseler Politbüro
Unglücklicherweise hat ein gespaltenes Europa, allen voran unser Politbüro in Brüssel, dem wenig entgegenzusetzen. Europa wird eigentlich nur noch mit Transferleistungen und Geldgeschenken zusammengehalten. Der Brexit ist und bleibt ein schlechtes Omen – und diejenigen, die die Transferleistungen erhalten, sind weiterhin reformunwillig. Die Risiken beim angedachten, schuldenfinanzierten 750-Mrd.-EUR-Paket sind enorm. Den Mitgliedstaaten ohne eine Definition von zukunftsorientierten Projekten mit klarem europäischem Mehrwert (Infrastruktur, Bildung und Forschung, Verteidigung) Geld zu überweisen, wird dieses auf Nimmerwiedersehen in den Haushaltslöchern verschwinden lassen. Hinzukommen sollen dann ja noch 1.000 Mrd. EUR „Man-on-the-moon-Gelder“. Auch so kann man alles, insbesondere eine (Fiat-)Währung, kaputt machen.

Gedopte Märkte
Aber zurück zu den Märkten: Wichtiger als die Zahlen zum zweiten Quartal werden die wirtschaftlichen Perspektiven sein. Aufgrund von vorauseilenden Indikatoren besteht Hoffnung, dass wir Licht am Ende des Tunnels sehen. Solange die Zentralbanken noch Munition im Köcher haben, werden die Märkte gedopt bleiben. Es ist schlussendlich auch die Liquidität, die die Märkte treibt. Aus TINA wird nun TIRNA („there is REALLY no alternative“), die (neugeschaffene) Liquidität wird weiter in die Aktienmärkte strömen. Und die Zentralbanken, um den Konkurs der Nationalsaaten zu vermeiden, werden weiterhin unterstützen, bis zu einer vollständig verluderten Bilanz. Die jetzt zur (scheinbaren) Rettung eingesetzten Milliarden, die wiederum nur aus Schulden bestehen, entsprechen dem Löschen von Bränden mit Benzin oder der Behandlung eines Alkoholsüchtigen mit einer Flasche Whisky.

Zur Person
Armin Zinser ist für die Aktienanlagen der französischen Versicherung Groupe Prévoir zuständig. Daneben managt er die Publikumsfonds Prévoir Gestion Actions (WKN: A1T7ND) und Prévoir Perspectives (WKN: A1XCQU). Als waschechter Anhän- ger der Österreichischen Schule der Ökonomik bezeichnet Zinser seinen Anlagestil als pragmatisch und am gesunden Menschenverstand orientiert. Einer dezidierten Strategie möchte er sich daher nicht zuordnen lassen. Der gebürtige Schwabe lebt seit vielen Jahren in Paris. Bevor er zu Prévoir Gestion wechselte, war Zinser für die OECD im Assetmanagement tätig.Seine Fonds wurden mehrfach mit dem „Lipper Fund Award“ ausgezeichnet, der Prévoir Gestion Actions in den letzten Jahren sogar für den Zeitraum von zehn Jahren.

Auf der Finanzen Nacht am 2.2.2018 erzielte Zinser in der Kategorie „Fondsmanager des Jahres“ den zweiten Platz.

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