„Sie bekommen keinen Audi für den Preis eines Dacia“

Thomas Polach

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Interview

Smart Investor im Gespräch mit Thomas Polach, VVO Haberger AG, über die Suche nach Spezialisten unter den Fondsmanagern und den Ansatz des Dachfonds H1 Flexible Top Select (WKN: A1CXUZ)

Smart Investor: Herr Polach, Sie verstehen sich als Investor, der von herkömmlichen Pfaden abweicht. Was meinen Sie damit genau?   

Polach: Ein wesentlicher Punkt ist, dass wir einen einseitigen Fokus auf prozyklische Modethemen vermeiden. Aktuell kommt es mir so vor, dass die ganze Anlegerwelt nur noch Technologieaktien und -fonds kauft. Wir investieren auch in Technologie, aber nicht nur – denn es gibt mehr Chancen auf der Welt. Wie schnell die Sektoren wechseln, zeigt der Blick in die Vergangenheit. Vor einigen Jahren stand das Thema Biotech im Vordergrund und vor dem Abgasskandal waren Autowerte die Lieblinge. In der Allokation halten wir uns strikt an eine Regionenaufteilung von jeweils einem Drittel Aktien aus Amerika, Asien und Europa und nutzen so die Chancen der ganzen Welt. Beispielsweise steigt der Konsum in China deutlich an und entsprechend auch die Aktien. Der Schnapshersteller Kweichow Moutai hat in den letzten fünf Jahren um mehr als 600% zugelegt – weit mehr als die bekannten Technologietitel. Aber auch in Europa gibt es interessante Gegenden. Ein schönes Beispiel ist Skandinavien, eine Region mit vielen Innovationen und einem deutlich höheren Wirtschaftswachstum als im restlichen Europa. Rund die Hälfte des Portfolios investieren wir in Nebenwerte, da diese langfristig deutlich stärker wachsen als große Unternehmen.

Smart Investor: Nutzen Sie bei diesem Ansatz nach dem Motto „einmal um die ganze Welt“ ETFs und aktive Fonds gleichermaßen?

Polach: Unser Anspruch ist es, für unsere Anleger etwas Besseres zu finden als eine Indexabbildung. Für uns gilt die 80/20- Regel: Wir konzentrieren uns auf die besten 20% der Manager, und da sind die Renditen deutlich besser im Vergleich zum passiven Investieren. In der Regel erzielt ein guter Manager eine Überrendite von einem bis zehn Prozentpunkten pro Jahr zu seinem Markt. Das macht sich auf lange Sicht deutlich bemerkbar. Das Problem dabei ist, dass es nicht einfach ist, diese guten Manager zu finden. Meist sind es kleinere Spezialistenteams, die nur einen Bereich abdecken. So haben wir beispielsweise zuletzt in den Manager Driehaus aus den USA investiert. Driehaus konzentriert sich seit 1980 auf US-Nebenwerte und verwaltet 7 Mrd. USD. Das ist nicht wirklich viel auf dem US-Aktienmarkt. Doch die Erträge können sich sehen lassen: Seit 1980 erzielt das Haus eine durchschnittliche Rendite von knapp 18% p.a. und ist somit deutlich besser als jeder ETF, der dieses Anlageuniversum abbildet. Qualität kostet allerdings – Sie bekommen keinen Audi für den Preis eines Dacia!

Smart Investor: Wie gehen Sie bei der Fondsauswahl konkret vor?                         

Polach: Wir suchen Spezialisten, die oft nur einen Bereich abdecken, aber den eben sehr gut. Das ist häufig mühsam. Meistens ist der beste Spezialist in dem Land zu finden, in dem er investiert. In Deutschland ist das einfach: Die besten Manager für deutsche Aktien sitzen nun mal in Deutschland. Will man jedoch in chinesische Nebenwerte investieren, so stößt man auf ein Problem. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Fonds, die dieses Thema aufgreifen. Diese sitzen meistens vor Ort und sind in Deutschland unbekannt. Doch auch da haben wir einen Spezialisten gefunden. Eine weitere Erkenntnis ist, dass exzellente Fonds oft für Privatanleger nicht investierbar sind. Wir haben den Vorteil, dass wir durch unsere Größe in solche Fonds investieren können. Die Qualität der Fonds dieser Spezialisten, die wir allokieren, wird dann schon durch einen mehrjährigen Chart deutlich.

Smart Investor: Sie investieren in erster Linie in Fonds kleiner und mittlerer Investmentboutiquen, nicht in die der Platzhirsche im Markt. Warum ist das so?

Polach: Wir investieren nur in Ausnahmefällen in große Fondsgesellschaften. Diese haben nicht unbedingt die gleichen Interessen wie unsere Anleger. Während bei diesen Fondshäusern die Ertragsmaximierung des Unternehmens im Vordergrund steht, erwarten unsere Anleger die bestmögliche Rendite. Gute und erfolgreiche Strategien haben in der Regel immer eine Volumengrenze und damit auch eine begrenzte Ertragsmöglichkeit.

Smart Investor: Im März hatte der Fonds beim Corona-Crash mit einem Minus von gut 20% den bislang höchsten Drawdown. In den Folgemonaten vollzog sich eine deutliche Erholung. Wie steuern sie das Risiko?             

Polach: Wir haben bisher keine Risikosteuerung. Risikosteuerung hört sich toll an – nur die Umsetzung in der Praxis ist schwierig. Wenn Sie Risiken rausnehmen, reduzieren Sie die Rendite überproportional. Ein schönes Beispiel war gerade der Corona-Crash. Es gibt sehr viele Strategien, die das Risiko nahe an den Tiefstkursen reduziert haben. Aktien wurden verkauft und bislang wurde auch nicht wieder investiert. Wir arbeiten viel lieber mit festen Aktienquoten; sie liegen im Fonds bei rund 75% bis 85%. Die Umstellung auf feste Quoten war eine der wesentlichen Änderungen in der Strategie, nachdem ich den Fonds 2017 übernommen hatte. Die Strategie diszipliniert dazu, bei rückläufigen Kursen Aktien nachzukaufen, wie es im Corona-Crash der Fall war. Renten- und Absolute-Return-Fonds halten wir nur in geringem Umfang, um die Volatilität etwas zu reduzieren.

Smart Investor: Herr Polach, vielen Dank für die interessanten Informationen.

Zur Person
Thomas Polach leitet das Portfoliomanagement bei der VVO Haberger AG und blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich Fondsauswahl und Portfoliomanagement zurück. Seine Spezialgebiete sind Fondsmanagement sowie prognosefreie Portfoliostrategien. Stationen seines beruflichen Werdegangs waren u.a. Director Research bei einem großen deutschen Analysehaus sowie das Mandatsmanagement von Multi-Asset-Strategien. Seit 2017 ist er verantwortlich für das Assetmanagement des H1 Flexible Top Select.

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